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Geschrieben: 08. Juli, 2014 in Aktuelles | Ratgeber Tipps & Trends
 
 

Abgelaufene Medikamente: Wie man sie richtig entsorgt

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In zahlreichen Haushalten füllt sich im Laufe der Zeit der Medikamentenschrank und diverse Arzneien laufen ab, noch bevor sie zum Einsatz kommen. Die meisten dieser Präparate gehören dann in den Restmüll. Auf keinen Fall dürfen Pflaster, Tabletten oder Tropfen in der Toilette enden. Leider ist dies in Deutschland sehr häufig der Fall, was zu einer erheblichen Belastung für die Umwelt führt.

 

Wohin mit den abgelaufenen Medikamenten?, Fotoquelle: 123 RF

Eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Umfrage, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) durchgeführt hat, hat nun deutlich gemacht, dass viele Deutsche nicht genau wissen, wie man Medikamente entsorgt. ISOE-Forscher Konrad Götz erklärt hierzu: „Knapp der Hälfte der 2000 vom ISOE befragten Deutschen ist überhaupt nicht bekannt, dass allein schon durch die Einnahme von Medikamenten Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen.“ (Quelle: spiegel.de) Da der Körper den Großteil der Wirkstoffe nicht abbaut, werden sie über den Urin ausgeschieden und wandern in die Kläranlagen. Da sie auch dort nicht abgebaut werden können, landen sie in den Flüssen und Seen und schließlich auch in den Böden.

Bei fast jedem Zweiten landen Tropfen in der Spüle oder in der Toilette

Die Reste der eingenommenen Präparate sind jedoch nur ein Teil des Problems: 47 Prozent der deutschen Bevölkerung entsorgt flüssige Medikamentenreste auf die falsche Weise, nämlich über die Spüle oder die Toilette. „Damit gehen die Wirkstoffe denselben Weg wie verstoffwechselte Medikamenteninhaltstoffe. Sie gelangen über die Kläranlage in die Flüsse“, erläutert der Pharmazeut Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg. In fast allen Gewässern kann man daher mehr als 150 Wirkstoffe nachweisen. Sörgel äußert hierzu seine Bedenken: „Die falsche Medikamentenentsorgung kann also ein richtiges Umweltproblem verursachen und belastet zunehmend unser Grund- und sogar Trinkwasser.“

Zwar sind die Wirkstoffmengen für den Menschen nicht unbedingt schädlich, doch für die Pflanzen- und Tierwelt entsteht eine reale Bedrohung. Hormonreste der Antibabypille führen beispielsweise zur Verweiblichung männlicher Fische. Nicht abbaubare Röntgenkontrastmittel und über Jahre stabile Antibiotika wie Chinolone sind im Wasser keine Seltenheit. Das Puffersystem des jeweiligen Ökosystems ist nur begrenzt leistungsfähig. Vor diesem Hintergund warnt Sörgel: „Wir müssen da auch an künftige Generationen denken.“

Die richtige Entsorgung: Vorsicht bei Schmerzpflastern

Nur 15 Prozent der Verbraucher verhalten sich laut ISOE richtig: Ihre Arzneien werden über den Restmüll entsorgt. Dieser wird seit dem 1. Juni 2005 zunächst verbrannt, bevor die Reste – wenn überhaupt – auf Deponien gelagert werden. Bei Betäubungsmitteln wie z.B. Opioid Fentanyl, das teilweise in Schmerzpflastern enthalten ist, ist Vorsicht bei der Entsorgung geboten. Der Pressesprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Maik Pommer empfiehlt: „So schnell wie möglich über den Hausmüll, das heißt, den Restmüll, entsorgen, damit Kinder nicht damit in Berührung kommen können.“ In zahlreichen Gemeinden und Städten gibt es für die Entsorgung von problematischen Medikamenten auch „Medi“-Tonnen, Schadstoffmobile und Schadstoffsammelstellen. Apotheken sind rechtlich nicht mehr verpflichtet, alte Medikamente zurückzunehmen.

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