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Geschrieben: 05. Februar, 2016 in Psyche & Nerven
 
 

Albträume – Wozu sind sie gut und wie wird man sie los?

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Jeder Mensch hatte schon einmal einen Albtraum. Vielleicht ging es dabei um die Flucht vor einem unbekannten Verfolger, den unabwendbaren Sturz aus großer Höhe, oder die Erkenntnis, dass man splitterfasernackt mitten auf der Haupteinkaufsstraße steht. Meistens dauert es nur einige Sekunden, bis wir uns wieder beruhigt und den Großteil des Traumgeschehens schon vergessen haben. Doch Albträume können auch zu einer ständigen Belastung werden.

Albträume, Fotoquelle: 123RF

Träume dienen meist dazu, bestimmte Vorstellungen, Eindrücke oder Ideen zu verarbeiten. Im Gegensatz zur bewussten und abwägenden Überlegung wären Träume in diesem Sinne eine Nachbearbeitung des wachen Lebens. „Warum wir träumen, ist jedoch nicht abschließend geklärt“, sagt Professor Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. „Viele Forscher vermuten, dass wir in unseren Träumen Fragestellungen des Alltags verarbeiten, sie also der Problemlösung dienen.“ Besonders während der sogenannten REM-Phasen, die nach den schnellen Bewegungen des geschlossenen Auges benannt sind (Rapid Eye Movement), haben Forscher das traumtypische Neuronenfeuerwerk in unserem Gehirn beobachtet. Herz- und Atemfrequenz sind zu diesem Zeitpunkt ebenfalls gesteigert. Wacht man während dieser Phase auf, kann man sich meist noch gut an das gerade Geträumte erinnern – zumindest für eine kurze Zeit.

Regelmäßige und chronische Albträume

Mit schönen Träumen kommen wir meistens problemlos klar. Sie belasten uns nicht. Anders sieht es bei Albträumen aus – besonders dann, wenn sie immer wiederkehren. „Zirka fünf Prozent der Deutschen leiden unter regelmäßigen Albträumen. Die Lebensqualität der Betroffenen kann unter diesen regelmäßigen Albträumen erheblich leiden und zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit im Alltag führen“, sagt Professor Schredl. Manchmal können aus solchen regelmäßigen Albträumen sogar chronische Albträume werden. Diese Träume zeichnen sich dadurch aus, dass Betroffene über einen Zeitraum von mehreren Monaten zumindest einmal pro Woche einen bestimmten Albtraum wieder und wieder erleben.

Dem Albtraum die Stirn bieten

Gerade solche wiederkehrenden Albträume können ein Indiz für eine hohe psychische Belastung des Träumenden sein. Der Grund einer solchen Belastung kann privater oder beruflicher Stress, eine Lebenskrise, oder aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Wer schon beim Einschlafen Angst davor hat, nachts wieder aus einem bedrohlichen Schreckensszenario aufzuwachen, sollte auf jeden Fall einen Facharzt aufsuchen. „Eine erste Erleichterung kann das Erzählen des Traumes bringen. Bei hartnäckigen Alpträumen hilft häufig eine einfache Selbsthilfemethode, die drei Stufen umfasst: Konfrontation, Bewältigung und Training“, erklärt Professor Schredl. Durch diese Methode soll das Gefühl des Ausgeliefertseins überwunden und dem Träumenden die Kontrolle über den Lauf der Dinge wiedergegeben werden.

Alles klar durch Klarträumen

Auch durch das luzide, oder ‚bewusste‘ Träumen können sich Betroffene Erleichterung verschaffen. Während eines sogenannten ‚Klartraums‘ ist sich der Träumer seines Zustands bewusst. Er weiß also, dass das ganze Geschehen bloß ein Traum ist. Das Problem dabei: „Die meisten Menschen haben relativ selten luzide Träume“, sagt Schredl, fügt dann jedoch hinzu: „Dieser Zustand kann aber trainiert werden.“ Das Training ist denkbar einfach und basiert auf der Frage „Träume ich gerade?“. Stellt man sich immer wieder bewusst diese Frage, wird man sie schließlich so verinnerlichen, dass man sie sich plötzlich auch im Traum stellt. Dieser Verinnerlichungsprozess kann jedoch einige Monate dauern, weshalb das luzide Träumen nicht als Therapie für dringende Probleme geeignet ist.

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