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Geschrieben: 01. Oktober, 2013 in Haut
 
 

Auf Wunden Pflaster drauf und gut?

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Es geht manchmal schneller, als es einem lieb ist: Kurz an etwas hängengeblieben, gestoßen oder einfach nur unglücklich aufgefangen und schon ist die kleine, aber mehr als nervende und schmerzende Wunde da. Jetzt stellt sich die oben erwähnte Frage: Gleich ein Pflaster drauf machen, oder die Wunde an der Luft heilen lassen? Welche Variante bietet den größten Erfolg? Viele „Experten“ meinen, dass eine kleine Wunde wie Kratzer o.ä. am besten an der Luft verheilt.

Rein medizinisch bzw. wissenschaftlich gesehen, ist allerdings das genaue Gegenteil der Fall. Wieso das so ist? Die Wundheilung ist ein sehr komplexes Thema, viele Prozesse laufen hierbei gleichzeitig ab.

Wundversorgung und -Bekämpfung im Körper

Eine Verletzung der oberen Hautschichten – nichts anderes ist eine Schürfwunde – beschädigt die schützende Barriere der Haut gegen Krankheitserreger. Bereits wenige Minuten nach der Verletzung beginnt der Heilungsprozess. Die Blutgerinnung wird eingeleitet, es bildet sich Wundsekret und die Wunde nässt. An der Wunde kann nun die Versorgung und der „Abtransport“ von Bakterien und abgestorbenen Zellen anlaufen. In die Wunde werden Boten- und Nährstoffe geleitet, zusammen mit Antikörpern gegen potentielle Eindringlinge.

Für den Fall, dass kein Pflaster auf der Wunde liegt, erfolgt eine schnelle Austrocknung der Oberfläche, darunter wiederum befindet sich noch feuchtes Wundsekret. Die trockene Schicht wirkt wie eine Barriere, es kann nicht mehr fließen. Der erwähnte „Abtransport“ kommt ins Stocken und mit ihm die Wundheilung. „Unter der trockenen Schicht befindet sich dann eine Schicht aus Bakterien, Schmutz und abgestorbenem Gewebe, die nicht mehr abtransportiert wird“, sagt Thomas Horn, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie der Helios Klinik Krefeld. „Man kann sich die Wirkung der Kruste ähnlich vorstellen wie die eines Gewächshauses.“ Das regelmäßige Anbringen und wieder Entfernen eines Pflasters hingegen entfernt immer wieder die obere Sekretschicht mit allem, was sich darunter – und vor allem darin! – Befindet, primär den Abfall des Körpers, der durch die Wundbehandlung entstanden ist.

Horn empfiehlt deshalb, einfache Schürfwunden – vorausgesetzt, sie haben aufgehört zu bluten – zu desinfizieren und mit einem normalen Pflaster zu verschließen. „Ein wenig Jodsalbe oder Ähnliches auf dem Pflaster kann verhindern, dass es kleben bleibt und beim Abziehen schmerzt“, sagt Horn. Erst wenn die Wunde keine Feuchtigkeit mehr abgibt, ist das Pflaster überflüssig. Dann wirkt die Luft sogar positiv und unterstützt die endgültige Abheilung der Wunde.

Bereits lange Tradition

„Wunden wurden über die Jahrhunderte hinweg immer eher feucht behandelt, historische Dokumente belegen Behandlungen mit Honig, Öl und Weinumschlägen“, erzählt Horn. Aber leider wurde im 20. Jahrhundert eine Theorie entwickelt, dass die Austrocknung der Wunden Bakterien eher zum Absterben bringen würde.

Hingegen bei Bisswunden oder Verletzungen mit Glassplittern, sowie bei allen Verletzungen, bei denen Fremdkörper tief in die Wunden gelangt sein können, ist der Gang zum Arzt eher die Empfehlung. „Am Anfang steckt der Dreck noch nicht richtig fest drin, nach 24 Stunden aber ist er nur noch schwer zu entfernen.“

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