Geschrieben: 05. September, 2023 in Auge | Krankheiten von A-Z
 
 

Augenerkrankungen – wenn wir den Sinn für den Alltag verlieren


Das Sehen ist wohl jene Sinneswahrnehmung, die uns im Alltag am stärksten bewusst ist. Das liegt unter anderem daran, dass wir ständig sehen und die so gewonnenen Eindrücke verarbeiten, um uns in der Umwelt zurechtzufinden. Natürlich fühlen, schmecken, riechen und hören wir auch ständig, doch keiner dieser Sinne spielt für unsere allgemeine Orientierung eine so große Rolle wie das Sehen. Außerdem können wir das Sehen, anders als die anderen Sinne, bewusst steuern. Sind die Augen zu, sehen wir auch nichts mehr.


Krankes Auge, Fotoquelle: 123RF

Erkrankungen der Augen, die sich auf unser Sehvermögen auswirken, haben daher meist starken Einfluss auf unseren Alltag und unser allgemeines Wohlbefinden. Auch Beschwerden, die wir zunächst nicht mit dem Auge in Verbindung bringen würden, z.B. Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, können Folge einer Augenerkrankung sein, die z.B. durch eine Fehlhaltung kompensiert wird.

Die altersabhängige Makuladegeneration

Im Alter werden unsere Augen häufig schlechter. Einst blanke Nasenrücken werden dann mit Gestellen bebügelt, die Augen verschwinden hinter Lupengläsern. Eine eher unbekannte Form der altersbedingten Augenerkrankungen ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Man unterscheidet die häufigere trockene von der sehr viel selteneren feuchten AMD. Bei beiden Formen wird die Netzhaut unter der Makula, dem Brennpunkt oder Fokus unserer Augen, geschädigt. Es entsteht ein „toter Punkt“ in unserem Sichtfeld. Je nach Form der AMD kann das schnell oder schleichend geschehen. Der Umstand, dass wir genau das nicht mehr richtig sehen, worauf wir unseren Blick lenken, hat jedoch extreme Auswirkungen – sowohl auf unsere Fähigkeit, uns zu orientieren, als auch auf unser Gefühl von Sicherheit und Selbstständigkeit. Außerdem verlieren Betroffene im Verlauf der Erkrankung die Fähigkeit, Kontraste wahrzunehmen. Im Alltag kann das besonders bei Treppenstufen, die ja in der Regel einfarbig sind, zu Problemen führen. Einzelne Stufen werden nicht mehr richtig erkannt, die Schritte werden tastend und unsicher, es droht die Gefahr eines Sturzes. Obwohl sie körperlich ansonsten topfit sind, können Betroffene so in die Pflegebedürftigkeit hineinrutschen.

Der grüne Star

Bekannter als die AMD ist der grüne Star, auch Glaukom genannt. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland über zwei Millionen Menschen an einem Glaukom oder einer seiner Vorstufen. Bei einem Glaukom werden der Sehnerv und die Netzhaut dauerhaft geschädigt. Diese Schäden sind fortschreitend, weshalb ein Glaukom schließlich zur Erblindung führt. Anders als beim AMD werden zunächst Objekte am Rande des Sichtfeldes unsichtbar. Vom Rand her verkleinert sich das Sichtfeld immer mehr, es schrumpft förmlich zusammen. Wird ein Glaukom frühzeitig diagnostiziert, kann ein Voranschreiten in der Regel verhindert werden. Das ist jedoch eher selten der Fall. In der Mehrheit der Fälle wird eine entsprechende Diagnose erst gestellt, wenn der Sehnerv schon geschädigt ist. Und bereits aufgetretene Schäden sind nicht mehr rückgängig zu machen. Der Früherkennung kommt daher eine bedeutende Rolle im Kampf gegen den grünen Star zu. Diese sollte insbesondere dann vorgenommen werden, wenn ein anderes Familienmitglied bereits betroffen ist. Die Untersuchung ist schmerz- und nebenwirkungsfrei. Allerdings muss der Patient eine reine Vorsorgeuntersuchung meist selbst tragen, da die Kassen die Kosten trotz erwiesenem Nutzen in der Regel nicht erstatten.

Ursachen einer AMD und eines Glaukoms

Neben dem Lebensalter gelten Rauchen, erhöhter Blutdruck und genetische Veranlagung zu den größten Risikofaktoren, an einer AMD zu erkranken. Die Ursache für ein Glaukom ist hingegen ein erhöhter Augeninnendruck. Dieser kann durch zu niedrigen, zu hohen oder stark schwankenden Blutdruck verursacht werden. Auch ein Diabetes mellitus, genetische Veranlagung und im Alter vermehrt auftretende Durchblutungsprobleme können einen grünen Star hervorrufen. Eine weitere mögliche Ursache: Stress. Forscher der Universität Mainz haben nämlich herausgefunden, dass schon kurzfristig erhöhte Stresslevels den Augeninnendruck in die Höhe treiben können.

Therapie und Behandlung

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Zur Behandlung einer trockenen AMD werden den Patienten meist Medikamente verabreicht, deren Wirkungsweise jedoch noch nicht vollständig erforscht ist. So mildert die Gabe von Lutein, einem Carotinoid, das der Körper nicht selbst herstellen kann, nachweislich die Auswirkungen einer AMD ab und beugt ihr sogar bis ins hohe Alter hinein vor. Auch hohe Dosen der Vitamine B6, B12 und der Folsäure werden zur Therapie eingesetzt. Ebenfalls erste Erfolge konnten durch einen relativ neuen Behandlungsansatz mithilfe embryonaler Stammzellen erzielt werden. Zur Behandlung der feuchten AMD werden Wachstumsfaktorhemmer in den Glaskörper injiziert, die ein Voranschreiten der Schädigung verhindern.

Ziel der Behandlung eines grünen Stars ist meist die Senkung des Augeninnendrucks. Das kann durch Medikamente erreicht und durch Entspannungsübungen wie z. B. autogenes Training, Hypnose oder Musiktherapie sinnvoll unterstützt und ergänzt werden.

Behandlung per Laser

Eine weit verbreitete Möglichkeit der Behandlung von Augenerkrankungen ist die Lasertherapie. Gerade bei der Korrektur von Kurz- oder Weitsichtigkeit ist sie überaus erfolgversprechend. Problematisch wird es jedoch, wenn Patienten mit Billigangeboten, häufig sogar in Kombination mit einem Urlaub an der Sonne, ins Ausland gelockt werden, um sich dort einer entsprechenden Behandlung zu unterziehen. Pro Jahr nehmen rund 25.000 Deutsche solche Angebote wahr. Das stark erhöhte Risiko von Folgekomplikationen wird dabei ausgeblendet. Doch die können gravierend sein: Infektionen, eine sich ablösende Hornhaut, fehlende Voruntersuchungen und keine entsprechende Nachsorge können das vermeintliche Schnäppchen schnell extrem teuer machen.