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Geschrieben: 24. März, 2017 in Deutschland
 
 

Balance für mich – Wellness in den Ammergauer Alpen

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Plitsch-platsch – so ungefähr müssen sich Max und Moritz gefühlt haben, als sie aus dem Teig bei Meister Bäcker stiegen. Nur, dass die braunschwarzen Fladen, die von mir herunter auf den Fliesenboden fallen, weitaus mehr an tierische Hinterlassenschaften erinnern als an Kuchenteig. Oder doch – Schokoladenkuchen vielleicht?

 

Fotoquelle: © Dr. Andrea Hammerl – Wohltuende Entspannung bei einem Moorbad

Sündiger Gedanke, wo es schließlich um die Gesundheit geht, was jedoch keineswegs heißt, dass kulinarische Genüsse ausgeschlossen wären. „Bitte nicht vom ‚chen‘ täuschen lassen“, warnt Nicole Richter vom Tourismusverband Ammergauer Alpen GmbH mit Blick auf die Rehschnitzelchen, die wir uns auf der Guggenbergalm bestellt haben. Wir beschließen daraufhin, dass drei Blaubeerpfannkuchen für acht Frauen zum Nachtisch ausreichen. Draußen zeigt sich der April von seiner schlechtesten Seite. Es schneit, weshalb wir übereinkommen, am nächsten Tag ganz auf Wellness zu machen und keinen Schritt vor die Hoteltür zu setzen.

Speziell für Frauen – mit Badefrau oder Bademann

„Balance für mich“ heißt das einwöchige Angebot der Ammergauer Alpen, das speziell auf Frauen zugeschnitten ist, die dem Alltag für ein paar Tage entkommen wollen, die Ruhe und Zeit für sich suchen, um ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Teil des Programms sind drei Moorbäder im ortstypischen Bergkiefernhochmoor. 38 Grad Celsius warm ist das erste Bad, bis auf 43 Grad kann die Temperatur gesteigert werden. Damit der Kreislauf nicht schlapp macht, wird eine Kühlspirale in die schwarze Masse geschoben und direkt auf die Brust gelegt, nachdem sich die Urlauberin ins Moor regelrecht hineingewühlt hat – bis ganz auf den Boden der Wanne sinkt keine ab, vielmehr schwebt es sich auf der „schwarzen Daune“ wie auf einem Luftpolster. Eine gute Viertelstunde reicht fürs Erste, und selbstverständlich ist es kein wutschnaubender Bäcker, der die aus der zähen, schwarzen Masse Heraussteigende erwartet, sondern Bademann Peter oder Kosmetikerin Sandra, die gelegentlich als Badefrau einspringt und nun zum Wasserschlauch greift, mit dem das bis zu 10.000 Jahre alte Naturheilmittel heruntergespritzt wird. Übriggebliebene Moorreste werden anschließend in der Badewanne mit dem Waschlappen beseitigt, bevor es für mindestens 20 wohlig-schläfrige Minuten auf die Ruheliege geht.

Schwarzes Moor für Kindersegen

Dass das Moor nicht nur Gicht, Arthrose oder Stress lindern, sondern auch dem Storch auf die Sprünge helfen kann, erfahren wir erst nach dem Moorbad. So ganz zufällig, beim Abendessen im Bio-Kurhotel Panorama, wo uns Wirtin Andrea Fend mit einem sechsgängigen Hildegard-Menü verwöhnt und von Moorbabys erzählt. In der Region sei das Wissen um die hilfreiche Wirkung des Moors, die auf verbesserte Durchblutung, aber auch hormonell wirksame Inhaltsstoffe des Ammergauer Torfs zurückgeführt wird, schon uralt. So kennt Fend etliche Moorbabys aus dem Dorf und der näheren Umgebung – und mindestens 20, die nach dreiwöchiger, individuell zugeschnittener Moorbaby-Kur bei ihr aus eigens deswegen angereisten Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch glückliche Eltern machten. Eigentlich schade, dass wir eine reine Frauengruppe sind…

Wir trösten uns mit Wermut-Elixier, das für gute Verträglichkeit des Hildegard-Menüs sorgen soll, während das Fenchelschiffchen mit Bergkäsesplitter, Quendel und Mutterkümmel für die basische Magen-Darm-Komponente steht und der köstliche Kopfsalat mit gekochten Dinkelkörnern für gute Kopfgesundheit verantwortlich ist. Dem Hirschkalbbraten folgt die kleine Sünde fürs Bauchglück in Form von Haselnuss-Eis mit Hildegard-Leibwächter-Pralinen, bevor Wirtin Andrea Fend eine ausgesprochen ketzerische Frage mit Humor nimmt. Ob der abschließende Dinkel-Cappuccino nicht dem aus Kindertagen wohlbekannten Muckefuck entspräche? „So kann man es auch nennen“, antwortet sie lachend.

Hecheln für die Hormone

Um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen, arbeiten wir mit Yogalehrerin Agnes Schöttl, die uns eine besondere Form des Hatha-Yoga näher bringt – das Hormonyoga. Bereits ab 35, erfahren wir, stelle sich der Körper auf eine andere Lebensphase ein, die konkret erst mit etwa 50 Jahren beginne. Wechseljahre? Ein schneller Blick in die Runde, doch Agnes spricht lieber von Lebensphasen. Und jener ab 50, die sonst so negativ dargestellt wird, schreibt sie ein „ungeheures Maß an freiwerdender körperlicher Energie zu“. Schließlich muss sich der Körper nun nicht mehr allmonatlich auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten. Um klimakterisch bedingten Beschwerden vorzubeugen, lernen wir zunächst, Energie zu Eierstöcken, Schilddrüse und Hirnanhangsdrüse umzulenken. Das funktioniert mit Hilfe einer Hechelatmung, die uns an Schwangerschaftsgymnastik denken lässt. Wenn Agnes das Kommando „Bhastrika“ gibt, hecheln wir brav wie kurzatmige Hunde, halten die Luft an und schicken dann die Energie zum rechten oder linken Eierstock. Was nicht ganz ohne Heiterkeitsausbrüche abgeht. Ob es auch Hormonyoga für Männer gibt, wollen wir wissen. Unsere Yogalehrerin bleibt cool. Klar, auch Männer haben Hormone. Und übrigens – in Indien war den Frauen Yoga sogar verboten, Yoga war reine Männersache. Dennoch haben Männer im Programm „Balance für mich“ nichts verloren. Für sie gibt es unter 14-Wellness-Programmen beispielsweise die „Fühl-dich-gut-Woche“ (auch für Frauen), diverse Anti-Stress-Pauschalen wie „Ausgepowert“ oder „Bürohocker?“ und natürlich sind die Herren der Schöpfung unentbehrlich bei „Amo(o)re & Wohlfühlen“, dem Urlaub zu zweit.

Brigitte Krüger, genannt Bibi, Betriebswirtin und Psychotherapeutin, liefert uns in ihrem Seminar Denkanstöße, um unser Leben zu entrümpeln, unsere Augen wieder zum Strahlen zu bringen und den gefühlten Stillstand als Chance zu begreifen.

Meditieren und Wandern mit Norbert

Am letzten Tag nimmt uns Körpertherapeut Norbert Parucha mit auf den Meditationsweg Ammergauer Alpen. Insgesamt besteht der 85 Kilometer lange Weg aus 15 Stationen, von der Wieskirche bis Schloss Linderhof. Norbert lässt uns schweigend laufen – sehr anstrengend! Oder er liest uns meditative Texte vor, weist uns an, die Augen zu schließen und leitet Atemübungen an. Wir stapfen vergnügt mit ihm über 13 Kilometer, von Bad Kohlgrub zur ältesten Gebetsstätte im oberen Ammergau, wo heute die Kappelkirche steht, vorbei an der Lourdesgrotte, in deren Windschatten wir unsere Lunchpakete verspeisen, über den Altherrenweg nach Oberammergau, wo das Passionstheater unsere letzte Station sein wird – für diesmal jedenfalls.

Dr. Andrea Hammerl

Info: Bad Bayersoien, Bad Kohlgrub, Ettal, Oberammergau, Unterammergau und Saulgrub-Altenau haben sich zur Ammergauer Alpen GmbH zusammengeschlossen. Die Orte mit insgesamt rund 12.000 Einwohnern verfügen über 6.800 Betten, darunter sechs Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Segment, viele weitere ausgezeichnete Hotels, Gasthöfe, Pensionen, Privatzimmer und Ferienwohnungen. Ein Wanderwegenetz von 500 Kilometer Länge und ein ebenso großes Radwegenetz bieten im größten zusammenhängenden Naturschutzgebiet Bayerns eine Fülle von Touren in allen Schwierigkeitsgraden. Neben landschaftlichen Reizen locken kulturelle Highlights wie Schloss Linderhof, Kloster Ettal oder der weltbekannte Passionsspielort Oberammergau. Auch Sport, regionale Küche, Wellness und individuell abgestimmte Verwöhnpakete gehören zum Angebot der Ammergauer Alpen, die sich als Gesundheitsregion positionieren.
Weitere Informationen gibt es bei der Ammergauer Alpen GmbH, Eugen-Papst-Str. 9a, 82487 Oberammergau, Telefon (0 88 22) 92 27 40, E-Mail: info@ammergauer-alpen.de, Internet: www.ammergauer-alpen.de

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