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Geschrieben: 06. September, 2013 in Aktuelles
 
 

Behandlung mit Bienengift – Nur ein Stich und alles wird gut?

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Es klingt erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig: Wer lässt sich freiwillig von Dutzenden Bienen stechen? Und lässt sich dann Folgetermine geben? Nun, in China sehen viele Menschen dies offenbar als Einsatz eines Heilmittels, wenn sie von mehreren Bienen gestochen werden – all das unter Anleitung und ausgeführt von einem Akupunktur-Experten, Herrn Wang Menglin, in seiner Klinik in einem Vorort von Peking. Bisher haben sich mehr als 27.000 Menschen dieser schmerzhaften Anwendung unterzogen.

Gerade aus der Schulmedizin kommen erhebliche Zweifel am Nutzen dieser Therapie – genauer gesagt, diese Anwendung wird als Apitherapie bezeichnet. Vor allem aus den USA kommt der Vorwurf der Quacksalberei, denn es gibt keinerlei schulmedizinischen Belege für einen Nutzen gegen Krankheiten.

Laut dem Akupunktur-Experten Wang können pro Sitzung Dutzende Bienenstiche verabreicht werden. „Wir halten die Biene an einen Punkt des Körpers, nehmen sie am Kopf und drücken, bis der Stachel erscheint.“ Die Bienen (laut Herrn Wang wird eine aus Italien importierte Art eingesetzt) überleben diese Anwendung nicht, sie verenden nach dem Stich. Seine Behauptung: „Wir haben Patienten mit Dutzenden Krankheiten behandelt, von Arthritis bis Krebs, alle mit positiven Ergebnissen.“

Bienengift ist eines der vielen Verfahren der auf Tiere und Pflanzen gestützten traditionellen chinesischen Medizin. Im chinesischen Gesundheitswesen nimmt die Branche großen Raum ein: 2012 stellte sie offiziellen Angaben zufolge Waren im Wert von umgerechnet 63 Milliarden Euro her und damit fast ein Drittel der gesamten Medizinproduktion Chinas.

Allheilmittel oder Quacksalberei?

Die US-Website www.sciencebasedmedicine.org warnt, wenn von einem Allheilmittel und Wundermedizin die Rede sei, gehe „immer eine rote Flagge für Quacksalberei“ hoch. „Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für ihren Nutzen“, heißt es bezüglich der Behandlung mit Bienenprodukten.

Auch die US-Organisation American Cancer Society schreibt auf ihrer Website: „Es gibt keine klinischen Studien an Menschen, die die Wirksamkeit von Bienengift oder anderen Honigbienen-Produkten bei der Vorbeugung oder Behandlung von Krebs zeigen.“

Die Website warnt, allein auf diese Art von Behandlung zu vertrauen und konventionelle medizinische Verfahren zu meiden oder zu verzögern, könne „ernsthafte gesundheitliche Folgen“ haben.

Gleichzeitig erwähnt die Krebsgesellschaft jedoch, dass der Koran auf die medizinischen Eigenschaften der von Bienen produzierten Flüssigkeiten verweise, und dass Kaiser Karl der Große (742-814) mit Bienenstichen behandelt worden sein soll.

Einer der Patienten von Herrn Wang gibt an, bei ihm wäre von Ärzten Lungenkrebs und ein Gehirntumor diagnostiziert worden. Die Prognose lautete, dass er nur noch ein Jahr zu leben hätte. Nun, nach einigen Behandlungen bei Herrn Wang, glaubt er, dass seine Lebenserwartung fast verdoppelt wurde dank der Bienenstiche. „Seit vergangenem Jahr bin ich viel stärker,“ sagt er.

Anwendung bei MS erfolgreich?

Im Westen wurden bereits Patienten mit Multipler Sklerose, der chronisch-entzündlichen Erkrankung des Nervensystems, mit Bienenstichen behandelt. Doch die US-Vereinigung National Multiple Sclerosis Society betont auf ihrer Website: „Trotz langjähriger Behauptungen über den möglichen Nutzen von Bienengift für MS-Patienten hat eine 24-wöchige Studie mit Zufallsauswahl keine Reduzierung der Krankheitsaktivität, der Behinderung oder Ermüdung und keine Verbesserung der Lebensqualität gezeigt.“

Aber gerade für Allergiker kann eine Anwendung / Therapie mit Bienengift sogar tödlich ausgehen. Laut Statistik reagieren zwischen einem und fünf Prozent der deutschen Bevölkerung allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche. Die Symptome nach einem Stich reichen von Hautveränderungen über Schwellungen bis hin zum Herz- oder Kreislaufstillstand.

Dieser Ansturm auf Bienen und Bienenprodukte kommt nicht gerade zu einem guten Zeitpunkt. Überall auf der Welt sterben ganze Bienenvölker unter kaum oder gar nicht bekannten Umständen. Eine Dezimierung der allgemeinen Population kann laut Umweltschützern einige ernsthafte Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion haben, denn die Bedeutung der Biene als Bestäuber von Nutzpflanzen ist unumstritten.

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