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Geschrieben: 15. Oktober, 2014 in Krankheiten von A-Z | Psyche & Nerven
 
 

Binge-Eating: Essstörung bereitet Ärzten Sorgen

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Mediziner aus Tübingen vereinen ihre Kräfte, um Menschen mit Essstörungen nachhaltig Hilfe zu bieten. Jene sind nicht nur von Magersucht und Bulimie betroffen, sondern leiden immer öfter unter krankheitsbedingten Fressattacken. Eine durch Photoshop perfektionierte Welt aus glamourösen Magazinen und Plakaten sorgt besonders bei Mädchen in der Pubertät für große körperliche Unzufriedenheit.


Krankhafte Fressattacken können Anzeichen einer Essstörung sein, Fotoquelle: 123RF


Eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) belegt, das jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland Anzeichen einer Essstörung aufweist. Im Südwesten gab es laut Zahlen des Landesverbandes der Betriebskrankenkassen im Jahr 2013 15200 Menschen zwischen 11 und 25 Jahren, die aus diesem Grund therapiert wurden. „Diese Erkrankungen fangen häufig in der Pubertät an, reichen dann aber weit ins Erwachsenenalter hinein“, erläutert Stephan Zipfel, Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen (Quelle: welt.de).

Krankhafte Fressattacken nehmen dramatisch zu

Um die Betroffenen dort lange begleiten zu können, wurde nun ein Kompetenzzentrum (Komet) für Essstörungen ins Leben gerufen. Das Komet vereint Forschung, Lehre und die Versorgung der Kranken. Neben Magersucht und Bulimie leiden immer mehr Menschen an der „Binge-Eating-Störung“, bei der sie zu viel essen, sich aber nicht wie bei der Bulimie danach übergeben. „Dieser Anteil an übergewichtigen Menschen, die auch eine Essstörung haben oder wo die Essstörung zentrales Element ihres Übergewichts ist, hat in den letzten 15 bis 20 Jahren dramatisch zugenommen“, erklärt Zipfel. Jeder dritte Patient, der eine Binge-Eating-Störung hat, ist männlich.

Trotz der besorgniserregenden Entwicklung kommen die Mediziner bei der Behandlung gut voran. Eine Studie der Unikliniken Tübingen und Heidelberg belegt, dass 40 bis 50 Prozent der unter Magersucht leidenden eine Heilung erfahren können. „Das ist nicht bei jeder psychischen Erkrankung der Fall“, sagt Zipfel. Bei der Binge-Eating-Störung und Bulimie können noch mehr Menschen geheilt werden. Die erfolgreichste Behandlung sei jene, bei der die Verarbeitung von Gefühlen im Zentrum stehe, erläutert Zipfel mit Bezug auf die Studie. Patienten sollten hierbei speziell auf das Alltagsleben nach dem Ende der Behandlung vorbereitet werden.

Nicht Essen oder Hungern, um Stress zu überwinden

Die Therapie ist jedoch nur ein Puzzlestück bei der Bekämpfung der Essstörungen. „Wir wissen, je früher wir intervenieren können, desto besser sind die Chancen für die Betroffenen“, erläutert Zipfel. Ein speziell entworfenes Videospiel soll beispielsweise Jugendlichen und Kindern beibringen, wie Stress überwunden werden kann und dies ohne Essen oder Hungern. Mit Hilfe von Videokonferenzen mit Betroffenen, die sich nicht mehr im Zentrum befinden, soll die Gefahr von Rückfällen verringert werden.

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