0
Geschrieben: 30. Mai, 2016 in Deutschland | Reisetipps
 
 

Bobfahren in Berchtesgaden bietet mehrere Varianten, sogar im Sommer

berch_bobfahren-048
berch_bobfahren-048

Wie ein D-Zug durch den Eiskanal oder lieber mit 120 Sachen?

Bobfahren und Berchtesgaden, das gehört einfach zusammen. Nicht nur für Profis ist der Markt mit knapp 8000 Einwohnern, idyllisch im äußersten Südosten Oberbayerns am Königssee gelegen, ein Eldorado für Bob und Rodeln.

Bobfahren in Berchtesgaden, Fotoquelle: (c) Dr. Anrea Hammerl

Auch Gäste können sich die Bahnen herunterstürzen, wahlweise mit bis zu 120 Stundenkilometern im Rennbobtaxi, einem original Vierer-Rennbob, oder etwas gemütlicher im Gästebob, einem Schaumstoff-Bob, der maximal 85 Stundenkilometer erreicht. Der dürfte für Familien die erste Wahl sein, zumal das Rennbobtaxi ein Mindestalter von 16 Jahren vorschreibt. Beim von Stefan Hölzlwimmer organisierten Gästebobfahren geht es auch jünger. Isabel hat es mit 13 Jahren ausprobiert – nicht ganz ohne Bauchgrummeln. Schlittenfahren kann sie natürlich, aber eine echte Profi-Bobbahn mit 70 Stundenkilometer heruntersausen, das ist doch mal etwas ganz anderes. Das Grummeln wird aber gleich besser, als sie ihrer entsetzten Mutter, die sich nach Bremsen erkundigt hat, absolut cool erklären kann: „Mama, da gibt’s doch überhaupt keine Bremsen oder Lenkseile“.

Ohne Lenkseile und Bremsen auf Weltmeisterkurs

berch_bobfahren-065Isabel grinst, die Mutter blickt noch skeptischer auf den Gästebob, dem sich in wenigen Minuten die ganze Familie anvertrauen soll. Sepp“ heißt das eine, „Werner“ das zweite der unförmigen, extra gepolsterten Schaumstoff-Gefährte, mit denen sich mutige Touristen im Rodlerparadies Berchtesgaden den Eiskanal hinunterstürzen können. Alle Piloten sind ehemalige Welt-, Europa- oder Deutsche Meister im Rennrodeln oder Bobfahren, und von Dezember bis Ende Februar fahren sie an bestimmten Terminen mit Gästen die Bahn herunter. Los geht es stets am Herrenstart. Dort ist es erst einmal völlig ruhig, als Isabel, ihre beiden großen Brüder und die Eltern ein bisschen außer Atem dort oben ankommen, nachdem sie das Auto unten auf dem Parkplatz stehengelassen und den Weg neben dem Eiskanal hochgewandert sind. Plötzlich aber bricht hektische Betriebsamkeit aus. Es schneit und so bleibt nur etwa eine Stunde Zeit, um alle 30 Teilnehmer den Kanal hinuntersausen zu lassen. Auch wenn es mal hektisch wird – Sicherheit ist trotzdem ganz wichtig. Das fängt schon bei den Helmen an, die Rita Hölzlwimmer jedem Bobfahrer genau anpasst, ehe er sich mit drei oder vier anderen in den Schaumstoff-Bob quetschen darf – ganz nach dem Motto „Einer geht noch, einer geht noch nei“. Isabel wird in den Bob namens „Sepp“ gewunken, ganz vorne in die Front. „Da muss noch ein Pilot dazu“, heißt es dann und die Passagiere rücken zusammen, so dass Andi Wembacher sich noch vor Isabel platzieren kann. Hinter den breiten Rücken des Bobpiloten geduckt geht es los – mit dem Tempo eines D-Zuges. Nur dass sich das im Eiskanal eher wie ICE-Tempo anfühlt. Manche Passagiere sind ganz still unterwegs, andere kreischen oder werfen im Ziel die Arme in die Luft.

Plaudern mit Medaillengewinnern

Ganze 67,13 Sekunden hat die Fahrt gedauert. Das erfahren die Passagiere aber erst im Ziel, wo Annemarie Winkler ihnen Urkunde aushändigt. „Wir sind die Besten bis jetzt“, jubelt Isabel. Das ist mit ihr Verdienst, meint sie, denn „ich habe mich richtig in die Kurven reingeschmissen“. Gewichtsverlagerung ist die einzige Möglichkeit, Einfluss auf den Gästebob zu nehmen. Bremsen braucht er nicht, er kommt im Auslauf ganz von alleine zum Stehen. Hans Brandner (64) hält den Mitfahrern hilfsbereit die Hand hin und hilft ihnen aus dem Bob. Dann treibt er zur Eile an, denn der Bob muss verladen und wieder hoch zum Start gebracht werden, damit alle noch herunterkommen. „Um 21 Uhr geht das Flutlicht aus“, sagt er. Sobald der Bob unterwegs ist, nimmt er sich dennoch Zeit, den Gästen von früher zu erzählen. Er selbst hat 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck gemeinsam mit Balthasar Schwarm Silber im Rodel-Doppelsitzer gewonnen, 1979 waren die beiden Weltmeister. Auch Franz Wembacher, Goldmedaillengewinner 1984 im Doppel mit Hans Stangassinger, und Anton Winkler, erster Weltcupsieger im Rennrodeln und Bronzemedaillengewinner von Lake Placid 1980, gehören zum heutigen Team, das das Gästebobrodeln routiniert managt, lauter prominente Namen. Hans Brandner erklärt auch, wie der Pilot es schafft, den Gästebob ohne Lenkung in der Spur zu halten. „Er wirft sich nach rechts oder links und muss sich darauf verlassen, dass seine Passagiere nicht alle gemeinsam dagegen arbeiten“, verrät er.

Passiert ist aber noch nie etwas beim Gästebobfahren, das 1984 in Sarajevo erfunden worden ist. Wuczko wird dort der Bob genannt, der in Berchtesgaden im 1300 Meter langen Eiskanal rund 110 Höhenmeter abwärts fährt. Rodeln auf der Hochschwarzeckbahn mit Sicherheitsinfos von Bahnbetreiber und ADAC-Experte Christian Riel, Schlittenspaß am Hirschkaser mit Watzmannblick auf der Lieblingsbahn von Rennrodel-Legende Georg Hackl, Pferdeschlittenfahrt zur Wildfütterung im Nationalpark Berchtesgaden mit Ranger, Rodeln auf der Obersalzbergbahn und Badespaß in der Watzmanntherme – in Berchtesgaden ist auch sonst im Winter viel geboten.

Das Rennbobtaxi fährt noch dreimal am ersten Märzwochende. Wer die Bobtermine im Winter verpasst hat, kann im Sommer mit dem Sommerbob fahren, denn wenn das Eis am Fuße des Watzmanns geschmolzen ist, dann schrauben die Bob-Piloten Räder unter ihre Rennbobs und starten so auf der originalen Rennstrecke. Für 65 Euro dürfen Gäste als Co-Piloten mitfahren. Termine und Buchung siehe: www.gaestebob-koenigssee.de‘
www.koenigssee.com/deutsche-post-eisarena-koenigssee

www.rennbob-taxi.de/bahn-termine/sommertermine.html

Neu im Berchtesgadener Land ist das Hans-Peter Porsche TraumWerk mit nostalgischer Blechspielzeugsammlung und Modellbahnwelt inmitten einer faszinierenden Architektur sowie Erholungs- und Spielmöglichkeiten im Park, www.hanspeterporsche.com

Weitere lohnende Ziele:

„Haus der Berge“ Informationszentrum des Nationalparks Berchtesgaden, www.haus-der-berge.bayern.de

Salzbergwerk Berchtesgaden, www.salzbergwerk.de

Schifffahrt Königssee ab Ende April, www.seenschifffahrt.de

Wandertipps gibt es unter: www.berchtesgadener-land.com/natur/wandern/wander-touren/seen-klammen/obersee-salet-fischunkel

Einkehr beim Fischer mit Räucherfischverkostung, www.fischervomkoenigssee.de/

Brauchtum erleben:
Palmbuschen am Palmsonntag und an Pfingsten:
www.berchtesgadener-land.com/kultur/tradition-brauchtum/fruehling/palmsonntagBergknappenfest
www.berchtesgadener-land.com/kultur/tradition-brauchtum/fruehling/bergfest-an-pfingsten

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

Print Friendly, PDF & Email
War dieser Artikel hilfreich? Bewerten Sie Ihn.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 bewertungen, duchschnittlich: 5,00 out of 5)
Loading...