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Geschrieben: 18. August, 2014 in Aktuelles | Krankheiten von A-Z
 
 

Brustkrebs: Beim Mammografie-Screening mangelt es an Wissen

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In Deutschland bekommen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre ein Schreiben mit dem Betreff: „Einladung zur Teilnahme am bundesweiten Programm zur Früherkennung von Brustkrebs“. Das Angebot des Screenings soll es ermöglichen, einen Tumor im Anfangsstadium zu erkennen, was zu besseren Heilungschancen durch eine schonende Behandlung führen soll. Über die Vorteile und die Risiken dieser Herangehensweise mangelt es laut Bundesregierung bei den Betroffenen an Wissen.

beim Mammografie-Screening mangelt es vielen an Wissen, Fotoquelle: 123RF

Gesetzlich haben alle Frauen in Deutschland einen Anspruch auf diese Röntgenuntersuchung der Brust. Über die Frage, ob das Screening-Programm Sinn macht, gibt es aktuell keinen Konsens. Auf der einen Seite belegen Studien, dass ein Tumor früher erkannt wird und auf schonendere Weise behandelt werden kann. Auf der anderen Seite zeigen weitere Studien, dass die Untersuchung auch Risiken birgen kann: Die Möglichkeit eines falschen Befundes kann zu einer unbegründeten Behandlung führen, bei der im schlimmsten Fall ein Teil oder sogar die ganze Brust entfernt wird.

Ein verwirrendes Tauziehen der Meinungen

Für viele Frauen ist die momentane Debatte sehr verwirrend. Eine aktuelle Umfrage der Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung ergab, dass viele den Nutzen des Screenings überschätzen. Die Linke stellte Ende Juli im Bundestag zur Debatte, ob die Bundesregierung mitverantwortlich für dieses fehlende Wissen sei: Das Merkblatt „Mammographie-Screening in Deutschland – Erfahrungen und Perspektiven“ von 2008 ist noch immer die im Internet verfügbare Referenz zum Thema, klärt jedoch nicht über die Risiken der Untersuchung auf.

Birgit Wöllert, Obfrau der Linksfraktion im Gesundheitsausschuss des Bundestages, findet es unklar, welchen Nutzen das Screening hat und erklärt: „Es ist eine Frage der Ehrlichkeit, das auch so offen zu sagen. Wie sonst sollen die eingeladenen Frauen die für sie richtige Entscheidung treffen können?“ (Quelle: spiegel.de) Der Gemeinsame Bundesausschuss (G.BA), der die wissenschaftlichen Publikationen über das Screening analysiert, teilte mit, „dass die Inhalte des Merkblatts zum Mammografie-Screening an den aktuellen medizinischen Kenntnisstand angepasst werden müssen.“

Eine sorgfältige Aufklärung ist wichtig

Die Kenntnisse innerhalb der Bevölkerung sind momentan ein großes Problem: Im Rahmen einer aktuellen Umfrage griff jede zweite Frau auf falsche oder nicht ausreichende Informationen zurück. Beispielsweise glaubten 30 Prozent der Befragten fälschlicherweise, das Mammografie-Screening könne einen Brustkrebs verhindern. Auch das Wissen über die Risiken eines falsch-positiven Befundes ist nicht sehr verbreitet. Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Jürgen Windeler erklärt, dass sowohl die Argumente für, wie auch die Argumente gegen das Screening gut sind. Er fügt hinzu: „Wichtig ist für mich, dass wir bei dieser extremen Nähe von Nutzen und Nichtnutzen die Frauen adäquat und sorgfältig aufklären.“

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