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Geschrieben: 04. August, 2014 in Brustkrebs | Krebsvorsorge
 
 

Brustkrebs-Screening: Ein umstrittenes Thema

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Viele Kritiker in Deutschland sind der Ansicht, dass Mammografie-Untersuchungen zu teuer sind. Jene Stimmen, die sich für das Screening aussprechen, unterstreichen, dass diese Untersuchung vielen Frauen das Leben retten kann. Für zusätzliche Unklarheit in der Debatte sorgen internationale Statistiken, die  kein einheitliches Bild ergeben und sich auch mit Erkenntnissen aus Deutschland nicht decken.


Das Brustkrebs-Screening hilft bei der Früherkennung, Fotoquelle: 123RF

Bei der ersten Einladung zum Mammografie-Screening, die Frauen ab 50 erhalten, sehen viele dem Termin mit gemischten Gefühlen entgegen. Das mulmige Gefühl kommt nicht von ungefähr: Statistisch gesehen fordert der Brustkrebs unter allen Tumorarten die meisten weiblichen Todesopfer. Im kritischen Alter zwischen 50 und 69 Jahren stirbt eine von 80 Frauen an der Erkrankung. Umso emotionaler wird das Thema, wenn Ärzte, Fachleute und Politiker wie in den vergangenen Wochen den Nutzen der Untersuchung grundsätzlich in Frage stellen. Die Beraterin bei der Deutschen Krebshilfe Gabriele Plettner betont den positiven Aspekt des Mammografie-Screenings: „Es ist nach den derzeitigen Daten eine sinnvolle Maßnahme zur Früherkennung.“ (Quelle: welt.de)

Fehlendes Wissen und die Frage der Finanzierung

Ein grundsätzliches Problem stellt das weit verbreitete Unwissen zum Thema Mammografie-Screening dar. Fakt ist: Durch die Untersuchung kann der Brustkrebs in einem früheren Stadium entdeckt werden als durch das zuvor übliche Abtasten der Brust oder durch Mammografien ohne Qualitätskontrolle. Durch das Operieren kleinerer Tumore wird es im Ernstfall nicht mehr zur Notwendigkeit, die komplette Brust abzunehmen und die Chancen einer Heilung sind ebenfalls erhöht. Die Entstehung oder der tödliche Verlauf eines Tumors zwischen den zweijährigen Checks kann allerdings trotz Früherkennung nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Bekannte Nachteile der Reihenuntersuchung der Brust sind die Möglichkeit nervlich sehr belastender falsch-positiver Befunde, sowie Überdiagnosen und Übertherapien im Falle einer Bekämpfung des Tumors im Frühstadium. Ein anderer unklarer Punkt ist der fehlende gesellschaftliche Konsens bezüglich der Finanzierung der Screenigs. Kritiker halten die momentanen Kosten von 220 Millionen Euro im Jahr für zu hoch. Befürworter hingegen halten die runtergerechnet 80 Euro pro Frau alle zwei Jahre im Angesicht einer tödlichen Krankheit für sinnvoll eingesetzt.

Statistiken mit unterschiedlichen Ergebnissen

Am wenigsten Licht ins Dunkel bringen vorhandene Statistiken: Ein Bericht für das Cochrane-Netzwerk von 2013 kam zu dem Ergebnis, dass von 2000 Frauen nur eine gerettet wird. Forscher des Europäischen Screening Netzwerks ermittelten 2012 durch die Auswertung von Daten von 12 Millionen Frauen aus 18 Ländern , dass 16 von 2000 Frauen gerettet werden. In Deutschland hingegen geht das Robert Koch-Institut davon aus, dass durch das seit 2009 bestehende Screeningprogramm das Leben von 2000 Frauen im Jahr gerettet werden kann. Susanne Weg-Remers vom Deutschen Krebsforschungszentrum empfiehlt, sich von den neuesten Erkenntnissen aus dem Ausland nicht verunsichern zu lassen: „Es ist sinnvoll abzuwarten, was in rund fünf Jahren beim deutschem Mammografieprogramm rauskommt.“

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