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Geschrieben: 03. März, 2012 in Hals-Nasen-Ohren
 
 

Chronisches Ohrenklingeln – Tinnitus

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Das Beschwerdebild des Tinnitus gehört zu den Erscheinungen, die in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen haben. Etwa 10% der deutschen Bevölkerung kennen das unangenehme Geräusch im Ohr und fühlen sich stark in ihrer Lebensqualität und Kommunikation beeinträchtigt oder weisen Folgesymptome wie Einschlaf- und Konzentrationsstörungen auf.



Bei immerhin 1 Million Menschen in Deutschland hat der Tinnitus den Stellenwert einer krank machenden Symptomatik mit schweren psychosozialen Beeinträchtigungen. Da der Tinnitus nicht eindeutig einer Kausalkette zuzuordnen ist und die Syndrome schwer therapeutisch zu beeinflussen sind, stehen Ärzte und Patienten diesem Problem vielfach machtlos gegenüber.

Auch wenn die genauen Ursachen für die steigende Inzidenz des Tinnitus noch nicht bekannt sind, sind die Faktoren, die daran beteiligt sind, vielseitig. Dazu gehören zunehmende Lärmbelastung wie laute Musik in Diskotheken oder in Walkmans, Stress, Hektik unseres modernen Lebens oder Nervosität. Aber auch Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, HWS-Syndrom, Zerebralsklerose, Tumor am Hörnerv, chronische Mittelohrentzündung, Schädigung des Innenohrs durch ein Knalltrauma, Hörsturz Vernarbung, Arteriosklerose, ein Cerumen oder bestimmte Medikamente können einen Tinnitus auslösen.

Definition von Tinnitus:

Als Tinnitus werden konstante oder immer wiederkehrende Wahrnehmungen von Höreindrücken bezeichnet, denen keine tatsächlichen äußeren Schallreize zu Grunde liegen. Meist kann nur der Patient die Ohrgeräusche wahrnehmen, sie sind also subjektiv. Sie können ein-oder beidseitig auftreten und werden in vielfältiger Form empfunden: Pfeifen, Klingeln, Sausen, Zirpen, Rauschen, Brummen. Auch knackende und pulsierende Geräusche sind häufig. Tinnitus ist oft mit einer Hörminderung kombiniert und ist Zeichen einer Funktionsstörung im Hörsystem.
Man unterscheidet zwischen dem subjektiven und dem (selteneren) objektiven Tinnitus, wo das Geräusch mithilfe eines hoch empfindlichen Mikrofons am Ohr gemessen werden kann. Darüber hinaus gibt es den akuten (bis zu 3 Monaten), den subakuten (bis 6 Monate) und den chronischen Tinnitus (älter als 6 Monate).

Wie hören wir?

Der Vorgang des Hörens und die Schallverarbeitung sind ein hochkompliziertes Geschehen. Lautschwingungen werden durch den Gehörgang über das Trommelfell und den Gehörknöchelchen des Mittelohrs ins Innenohr übertragen. Dort lösen sie Schwingungen aus, was wiederum eine Vibration der insgesamt 15.000 Sinneszellen des Innenohrs, den Haarzellen, bewirkt.

Was ist Tinnitus?

Tinnitus ist eine dauerhafte Schädigung dieser Haarzellen, da sie sehr empfindlich gegenüber Lärm, mechanischer Reizung, Alterung oder gehörschädigenden Medikamenten sind. Daraus resultiert eine Fehlverarbeitung bzw. Fehlinformation im Hörsystem des Gehirns. Tinnitus ist also eine Hörempfindung, die im Kopf entsteht. Normalerweise filtert das Gehirn dies im Grunde bedeutungslosen Laute aus der bewussten Wahrnehmung heraus. Dieser Mechanismus wird bei Tinnitus durch minimale Veränderungen der neuronalen Informationsverarbeitung im Gehirn gestört und die nicht erklärbaren Ohrgeräusche erreichen die bewussten Wahrnehmungszentren. Je mehr Aufmerksamkeit nun diesem lästigen Geräusch gewidmet wird, desto geringer ist im Allgemeinen die Aussicht auf Verbesserung.

Therapie bei Tinnitus

Eine kausale Therapie gibt es nicht. Eine Reihe von Therapieansätzen können den Tinnitus deutlich lindern und vor allem das Leben leichter machen. Beim akuten Tinnitus werden die Sauerstoffzufuhr und die Durchblutung im Innenohr durch Infusionen und durchblutungsfördernde Medikamente angeregt. Diese Therapie zielt primär auf eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes und damit auf eine Optimierung der Stoffwechselbedingungen im Bereich des Innenohrs und des Gehirns ab. Weiterhin stehen u. a. Sauerstofftherapie, Ozonbehandlung, Akupunktur, Phytotherapie (z.B. Ginkgo), Psychotherapie, spezielle Geräte (sog. Noiser) zum „Überhören“ des Tinnitus, autogenes Training zum Stressabbau oder psychosomatische Behandlung zur Verfügung. Das weitaus größere Problem sind die psychosozialen Konsequenzen des Tinnitus: Schlafstörungen, Resignation, Antriebslosigkeit, Depressionen, Angst-und Panikzustände, Isolation und Einsamkeit.  Ein wesentlicher Bestandteil bei der Behandlung des chronischen Tinnitus ist das Erlernen von Bewältigungsstrategien. Eine erfolgreiche Methode ist die Tinnitus Retraining Therapie (TRT). Ziel ist die Abkoppelung des Unterbewusstseins und der Wahrnehmung der Ohrgeräusche. Der Schlüssel zum bewussten Umgang mit dem Ohrgeräusch ist die positiv motivierte Akzeptanz des Tinnitus und seine Bedeutung von Seiten des Patienten. Erst dann ist eine individuell angemessene Wahrnehmungs- und Verhaltensstrategie Erfolg versprechend.

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