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Geschrieben: 25. Juli, 2016 in Mein Haustier
 
 

Cornea nigra – Wenn sich Katzenaugen braun oder schwarz verfärben

38175018 - blue eyed cat
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Cornea nigra (zu Deutsch „schwarze Hornhaut“), im medizinischen Fachjargon auch Hornhautsequester, heißt eine Hornhauterkrankung des Auges, die nur bei Katzen auftritt. Vorwiegend sind Perser- oder British Shortcut, also brachyocephale (kurznasige) Rassen betroffen, aber auch bei Siamkatzen, Maine Coon oder Hauskatzen kommt die Erkrankung vor.


Katzenaugen, Fotoquelle: 123RF

Charakteristisch ist, wie der Name schon sagt, ein dunkler, überwiegend dunkelbrauner oder schwarzer Fleck mitten auf der Hornhaut des Tieres. Häufig ist nur ein Auge betroffen, das Problem kann aber auch beidseitig auftreten. Nicht immer liegt der Sequester (abgestorbenes Gewebestück) zentral, mitunter auch leicht dezentral auf der Cornea. Differentialdiagnostisch ist nur ein Fremdkörper auszuschließen.

Virusinfektion ursächlich

„Die Hauptursache für die Cornea nigra sind chronische, in der Regel Herpesvirus-bedingte Hornhautentzündungen“, erklärt Dr. med. vet. Anja Engelhardt, die in Augsburg eine Tierärztliche Spezialpraxis für Augenheilkunde führt. Bei Infektionen mit dem felinen Herpesvirus spielt natürlich das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Ist es geschwächt, verursacht das Virus Schäden, ein starkes Immunsystem hält das Virus dagegen in Schach. Dass vorwiegend kurznasige Rassekatzen betroffen sind, werde neben der Sequesterbildung aufgrund von Lidfehlstellungen (Entropium = einwärts rollendes Lid) auch auf eine verminderte Hornhautsensibilität zurückgeführt, sagt Engelhardt. Bei Perserkatzen und Co kommt noch hinzu, dass sie offenbar weniger sensibel für Fremdkörper auf der Hornhaut sind. Oft besteht bei betroffenen Tieren ein verminderter Tränenfluss oder er fehlt ganz, so dass die Hornhaut zu wenig befeuchtet wird. Eine trockene Cornea ist anfälliger für Infektionen und Defekte. Oberflächliche Hornhautdefekte heilen in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab. Tun sie das nicht, sollte der Katzenbesitzer sein Tier bei einem Tierarzt vorstellen. Dr. Konrad Meier, Tierarzt aus Neuburg, überweist betroffene Katzen, sofern eine antivirale und antibiotische Behandlung nicht ausreicht, an die Spezialistin. Je früher der Defekt behandelt wird, umso besser ist die Prognose. In einer frühen Phase reicht oft eine konservative Behandlung aus. Sofern der Defekt nur die obersten Hornhautschichten geschädigt hat und noch keine Braunfärbung vorliegt, kann mit antiviraler Therapie – sowohl lokal am Auge als auch systemisch – kombiniert mit immunmodulierender Interferontherapie zu circa 80 Prozent ein Heilerfolg erreicht werden. Parallel dazu werden in der Regel Aminoglykosid-Antibiotika gegeben, um Sekundärinfektionen zu verhindern. In etwa 20 Prozent der Fälle muss auch hier operiert und die geschädigte Hornhaut Lamelle für Lamelle abgetragen werden.

Woher die dunklen Flecken kommen

Die Braunfärbung entsteht durch Pigmenteinlagerung. Produziert wird die stark pigmenthaltige Flüssigkeit von modifizierten Schweißdrüsen, die sich am Lidrand befinden und entarten können (sogenannte Hidrozystome). Das Pigment lagert sich in der abgestorbenen, nekrotischen Hornhaut ab. Dieser so entstandene Sequester wirkt wie ein Fremdkörper, daher sollte er umgehend entfernt werden, empfiehlt Engelhardt. Die Operation wird von spezialisierten Tierärzten, die über ein Operationsmikroskop verfügen und mikrochirurgisch ausgebildet sind, ausgeführt. Wenn mehr als die Hälfte der Hornhautschichten nekrotisch sind und abgetragen werden müssen, dann bestehe Perforationsgefahr, so Engelhardt. Um das zu verhindern, empfiehlt sich ein Bindehauttransplantat, um die verbliebene Cornea zu schützen. Dazu werden korneokonjunktivale oder gestielte Konjunktiva-Transplantate genutzt. Bei der korneokonjunktivalen Transposition verschiebt der Chirurg ein Stück der benachbarten Hornhaut samt Bindehaut in Richtung des Defektes, so dass der undurchsichtige Teil des Transplantates am Rand des Auges zu liegen. Ist diese Operationsmethode nicht möglich, wird ein Stück der Bindehaut, das durch einen Stiel mit der versorgenden Bindehaut verbunden bleibt, bis das Transplantat eingewachsen ist, in den Hornhautbereich eingenäht. Dieser Stiel kann nach etwa sechs Wochen gekappt werden. Die vernarbende Stelle bleibt zwar undurchsichtig, beeinträchtigt aber das Sehvermögen in der Regel nur wenig. „Oberflächliche Sequester werden mittels lamellärer Keratektomie entfernt“, erklärt die Tierärztin. Wenn weniger als die Hälfte der Corneaschicht entfernt werden muss, reicht es meist aus, den durch die Operation entstandenen Defekt mit einer Kontaktlinse oder einer Nickhaut-Bindehaut-Schürze abzudecken, die nach Reepithelisierung (Wundverschluss) wieder entfernt wird.

Gute Heilungschancen

Grundsätzlich ist die Prognose günstig, allerdings muss die nekrotisch veränderte Hornhaut vollständig entfernt werden. Vor allem bei bestehenden Herpesvirusinfektionen werden Rezidive beobachtet. Hier kann die orale Gabe der Aminosäure L-Lysin helfen, da sie in die Virusvermehrung eingreift. Wenn weitere, die Cornea nigra begünstigende Faktoren wie zu große Lidspalte oder das bereits erwähnte Entropium vorhanden sind, sollten diese chirurgisch korrigiert werden, um die Rezidivgefahr zu senken.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

 

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