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Geschrieben: 13. Oktober, 2014 in Bewegungsapparat | Gesundheit
 
 

Das Netz der Faszien im Körper braucht Anregung

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Durch den menschlichen Körper erstreckt sich ein Geflecht aus Faszien: Wenig Bewegung und Verletzungen können schlecht für diese Fasern sein. Dies führt meistens zu Gelenk- und Rückenleiden. Ein Osteopath führt flächige Bewegungen mit Schwung über der schmerzlichen Strecke aus, die sich durch Arm, Bein, oder Rücken zieht. Diese Behandlung widmet sich nicht einem Muskel, sondern einer Faszie.

Bei der Faszientherapie kommen spezielle Griffe zum Einsatz, Fotoquelle: 123RF

Der Diplom-Psychologe und Humanbiologe Robert Schleip, der auch Direktor der Fascia Research Group, Division of Neurophysiology an der Universität Ulm ist, erläutert: „Unter Faszien versteht man alle kollagenen, faserigen Bindegewebe als Teil eines körperweiten Netzwerks.“ (Quelle: welt.de) Ergänzend fügt er hinzu: „Faszien umgeben jeden Muskel, jedes Organ und jede Bandstruktur und vernetzen so unseren ganzen Körper.“ Faszien umgeben allerdings nicht nur die Muskeln. Auch die in ihnen befindlichen Faserbündel und jede Muskelfaser werden umspannt.

Ein SOS-Signal an das Gehirn

In der faszialen Hülle ist eine große Anzahl von Rezeptoren für die Dehnung vernetzt, was der Selbstwahrnehmung des Körpers zugute kommt. Diese Hülle ist darüber hinaus ein kommunikatives System. Ist ein Organ beispielweise geschwollen, so trifft dies auch für seine Faszie zu. Wie durch ein SOS-Signal wird das Gehirn dann informiert. Die kollagenen Fasern sind üblicherweise parallel zueinander gegliedert. Aufgrund von Fehl- oder Überbelastung, aber auch durch mangelnde Bewegung können sie sich verdrehen, verfilzen oder verkleben. Dadurch kann es zu Begrenzungen in der Bewegung, fehlendem Gleichgewichtsgefühl, Gelenk- oder Rückenleiden, aber auch zu Taubheitsgefühl oder Kribbeln kommen.

Eine fokussierte Faszientherapie kann in solchen Fällen helfen. Wichtig ist, dass der behandelnde Osteopath eine Ausbildung als Faszientherapeut absolviert hat. In den meisten Fällen wird das Fasziendistorsionsmodell (FDM) angewendet, das der US-amerikanische Arzt und Osteopath Stephen Typaldos entworfen hat: Mit Hilfe von bestimmten Griffen können sich die verdrehten oder verklebten Fasern wieder gut verteilen. Die Behandlung eignet sich sowohl für akute als auch für chronische Leiden. Im Fall eines chronisches Blasenleidens widmet sich der Arzt zum Beispiel dem Mundboden. Ein Osteopath sieht beide Körperregionen durch die Faszien als miteinander vernetzt.

Was man selbst gegen Beschwerden tun kann

Das Netz der Faszien befindet sich stets im Auf- und Abbau. Durch Bewegung wird diese Aktivität gefördert. Man könnte dies mit einem Spinnennetz vergleichen, das nach einem Unwetter an mehreren Stellen beschädigt ist. Die Spinne düst an die Stellen und richtet ihr Netz wieder her. Im Körper sind es die Fibroblasten, Bindegewebszellen des Körpers, welche die Aufgabe der Spinne übernehmen. Sie erzeugen nach einer mechanischen Anregung mehr Kollagen oder bauen dieses bei wenig Bewegung ab. Bei erhöhter Bewegung und ausgeglichener Ernährung kann man ein früher starres Fasziennetz im Zeitraum von sechs Monaten bis zwei Jahren in ein kraftvolles und geschmeidiges Fasernetzwerk auf- und umarbeiten. Robert Schleip hat hierfür ein Workout mit lebhaften Übungen zur Dehnung entworfen.

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