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Geschrieben: 15. Oktober, 2014 in Depressionen | Krankheiten von A-Z
 
 

Depression: Ein Viertel der Betroffenen sind nicht in Behandlung

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Ungefähr vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Ein großer Teil von ihnen wird nicht therapiert. Oftmals sind Depressive nicht auf der Suche nach Hilfe, doch offenbar scheitern auch Mediziner. Depressionen können Menschen komplett aus der Bahn werfen. Neben der Stimmung, die gedämpft ist, ist oftmals das Meistern des Alltags etwas, was für sie nicht mehr zu schaffen ist.


Depressive fühlen sich in vielen Situationen überfordert, Fotoquelle: 123RF


Bereits das Aufstehen ist ihnen eine Last, den Briefkasten zu leeren erst recht eine Tortur. Depressive sind kraftlos, leiden an Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Traurigkeit. Detlef Dietrich, der den Europäischen Depressionstag organisiert, erklärt, dass die Großzahl der Depressiven nicht in Behandlung ist (Quelle: welt.de). Fachleuten zufolge suchen 20 bis 25 Prozent weder einen Therapeuten auf, noch nehmen sie entsprechende Arznei. Dies könne daran liegen, dass Depressive keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Doch auch Mediziner fragten bei körperlichen Leiden wie Kopf-, Magen- und  Rückenschmerzen wie auch Schlafproblemen immer noch zu wenig nach der seelischen Befindlichkeit.

Europäischer Depressionstag widmet sich der Familie

Die Deutschen Depressionshilfe geht davon aus, dass die Großzahl der jährlich rund 9500 Selbstmorde in Deutschland ihren Ursprung in nicht ideal therapierten Depressionen haben. Beim Europäischen Depressionstag spielte in diesem Jahr die Familie die zentrale Rolle. Denn Familienmitglieder sollten zum Beispiel lernen, die Wandlungen eines Angehörigen handzuhaben. Eine Depression kann aus einem lebensfreudigen Partner einen Menschen ohne Elan machen, dem Hoffnungslosigkeit, innere Leere und Schuldgefühle zu schaffen machen und der sich von allem fernhält.

„Man kommt an die Gefühle nicht mehr heran“, erklärt der Arzt Detlef Dietrich. „Das Erkennen dieser Krankheit ist schwierig. Für die Betroffenen selbst, aber auch für Ärzte.“ Dennoch geht man von der guten Therapierbarkeit von Depressionen aus, beispielsweise mit Hilfe von Arznei und Psychotherapien. Cornelia Goesmann, Vorstand im Hausärzteverband Niedersachsen, schätzt, dass jeder elfte Kranke in ihrer Praxis kein körperliches, sondern ein seelisches Leiden hat. „Viele sind heute eher bereit, dazu zu stehen, als noch vor 25 Jahren“, erklärt sie. Doch ein Arzt müsse dennoch entsprechende Fragen stellen.

Regelmäßiger Tagesablauf mit Arbeit ist wichtig

Ungefähr die Hälfte der Betroffenen, die aufgrund von Depressionen früher in Rente gehen, haben laut Goesmann zuvor kein ambulantes oder klinisches Reha-Angebot bekommen. Doch gerade ein konstanter Tagesrhythmus mit Arbeit ist von zentraler Bedeutung für die Heilung. Dies trifft vor allem für Männer zu. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, ist der Ansicht, dass die Kinder von Betroffenen idealerweise in der Therapie berücksichtigt werden sollten. Schon im Säuglingsalter sei die Kommunikation der Gefühle einer depressiven Mutter zu ihrem Kind stark erschwert. Kinder könnten daraufhin beispielsweise Furcht vor Trennungen und Schuldgefühle haben und übernähmen verfrüht die Handlungsweisen eines Erwachsenen.

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