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Geschrieben: 12. Mai, 2015 in Aktuelles | Gesundheit | Impfungen
 
 

Der Tod der Wahrheit – Was ist dran an der ‚Impflüge‘?

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Jedes Frühjahr gewinnt das Thema ‚Impfen‘ schlagartig an Aktualität. Denn während die Gesundheitsbehörden in Erwartung der Grippewelle Impfstoffe entwickeln und Empfehlungen aussprechen, wehren sich Impfgegner gegen die vermeintliche ‚Impflüge‘ und bezichtigen die Pharmakonzerne lautstark der Profitgier. Doch wie wichtig das Thema, wurde spätestens Anfang des Jahres deutlich, als sich in Deutschlands Hauptstadt die Masernfälle häuften.

Keime / Viren, Fotoquelle: 123RF

Noch immer ist die Skepsis gegenüber Schutzimpfungen weit verbreitet. Doch ist diese Skepsis nun gerechtfertigt oder leichtsinnig?

Die Geschichte des Impfens

Impfungen haben eine lange Tradition: Bis ins 19. Jahrhundert standen Ärzte in Europa den großen Seuchen und Epidemien weitgehend machtlos gegenüber. Eine dieser Epidemien waren die Pocken; etwa 30 % der Erkrankten starben, die Überlebenden waren häufig durch die zurückbleibenden Narben entstellt. Man erkannte jedoch früh, dass einmal Genesene gegen alle weiteren Ansteckungen immun waren. So wurden die Pocken die erste Krankheit, bei der versucht wurde, Menschen durch eine absichtliche Infektion zu immunisieren. Die Anstrengungen trugen Früchte, mittlerweile gelten die Pocken als ausgerottet.

Die ersten nationalen Impfprogramme wurden erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts in England und im Deutschen Reich aufgelegt. Allerdings kam es im Lauf der Geschichte auch zu Unfällen durch Verunreinigungen der frühen Impfstoffe, die die öffentliche Diskussion über Nutzen und Schaden von Impfungen befeuerte. Seit 1967 werden weltweite Impfprogramme unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgelegt und durchgeführt. Die verwendeten Impfstoffe werden durch unterschiedliche und teilweise unabhängige Stellen hinsichtlich ihres Nutzens und ihrer Verträglichkeit geprüft, bevor eine Empfehlung ausgesprochen wird.

Wie funktioniert eine Schutzimpfung?

Eine Impfung sensibilisiert das körpereigene Immunsystem für spezifische Krankheitserreger, wodurch es diese schneller und effektiver bekämpfen kann. Generell unterscheidet man zwischen einer aktiven Immunisierung, bei der unschädlich gemachte Erreger verabreicht werden, um eine harmlose Infektion hervorzurufen, auf die die Immunität folgt, und der passiven Immunisierung, bei der keine Erreger sondern gleich Antikörper verabreicht werden, die jede Infektion sofort bekämpfen.

Eine besondere Form der Immunisierung wird über den sogenannten Nestschutz erreicht. Dieser Nestschutz entsteht durch die Übertragung von Antikörpern über die Placenta auf das ungeborene bzw. über die Muttermilch auf das neugeborene Kind. Dieser Impfschutz ist jedoch nicht allumfassend, weshalb Eltern auch die von der ständigen Impfkommission empfohlenen Kinder-Impfungen durchführen sollten.

Eine Impfung gewährt dabei zwar leider keinen hundertprozentigen aber doch einen nahezu hundertprozentigen Schutz. Außerdem unterscheiden sich Dauer und Umfang des jeweiligen Impfschutzes teilweise stark voneinander. Während bei manchen Erregern nach einer einmaligen Impfung bereits ein lebenslanger Schutz besteht, müssen andere Impfungen regelmäßig aufgefrischt oder bei Bedarf durchgeführt werden.

Die Gefahren der Impfmüdigkeit

Im Grunde geht es beim Impfen um das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum. Das Stichwort heißt Herdenschutz: Die Immunität der Mehrheit schützt die nicht immunisierte Minderheit, wie beispielsweise Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Krebspatienten oder Neugeborene. „Sie profitieren natürlich von den Impfbefürwortern, die zur Durchimpfung beitragen. Gleichzeitig hat jede einsichts- und urteilsfähige Person das Recht auf Selbstbestimmung, auch wenn das lebensbedrohliche Folgen haben kann“, erklärt Maria Kletečka-Pulker, Juristin am Institut für Recht und Ethik in der Medizin an der Universität Wien. „Das ist das Recht auf Unvernunft.“

Durch dieses Recht auf Unvernunft treten jedoch leider auch wieder vermehrt Krankheiten auf, die man schon besiegt zu haben glaubte. Die vermeintliche Sicherheit, in der sich die Bevölkerung wiegt, seitdem einst gefürchtete Krankheiten ihren Schrecken verloren haben, führt paradoxerweise dazu, dass die Gefahr einer Epidemie steigt. In Deutschland beobachten Ärzte mit wachsender Besorgnis ein allgemeines Absinken der Impfraten: Im Jahr 2009 lag die Durchimpfungsrate gegen Masern in Deutschland nur noch bei circa 70 Prozent. Die WHO gibt dagegen eine notwendige Durchimpfung von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung an, um epidemische Krankheitsausbrüche zu verhindern.

Doch Deutschland ist glücklicherweise kein Land der Impfgegner: Über 90 % der Kinder sind bei ihrer Einschulung gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft – Tendenz steigend. Nötige Auffrischungsimpfungen werden dagegen häufig vernachlässigt, was zu Impflücken führt, die jedes Jahr Hunderte Kinder und Erwachsene gefährden.

Achten Sie auf einen ausreichenden Impfschutz

Viele Krankheiten, die heute noch Jahr für Jahr Menschenleben kosten, wären durch eine umfassende Durchimpfung der Bevölkerung mittlerweile ausgerottet. Manche Krankheiten werden geradezu verniedlicht, mögliche Spätfolgen völlig ausgeblendet. Achten Sie daher auf einen ausreichenden Impfschutz bei Ihnen selbst und bei Ihren Kindern. Schicken Sie Ihre Kinder nicht auf Masernpartys; sprechen Sie lieber mit Ihrem Arzt über mögliche Risiken und den richtigen Impfzeitpunkt und treffen Sie anschließend Ihre Entscheidung.

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