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Geschrieben: 27. April, 2017 in Diabetes | Krankheiten von A-Z
 
 

Diabetes – Typ 1 und 2 – Die unerkannte Gefahr

50692075 - midsection of diabetic young woman injecting stomach at home
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Weit über 400 Millionen Menschen leiden weltweit an Diabetes, im Volksmund auch „Zuckerkrankheit“ genannt. Gerade die Bevölkerung der Industrienationen ist häufiger betroffen. In Deutschland sind es sechs Millionen. Prognosen der Vereinten Nationen (UN) zufolge soll die Zahl der Erkrankten auf insgesamt rund 640 Millionen im Jahr 2040 ansteigen.


Diabetes – Insulininjektion, Fotoquelle 123RF

Deutschlandweit wäre dann jeder zehnte Bundesbürger zuckerkrank. Diabetes ist eine echte Volkskrankheit. Doch nicht jeder Betroffene weiß, dass er krank ist.

Diabetes mellitus hat verschiedene Ausprägungen. Mediziner unterscheiden zwei Hauptarten: den Typ 1 und den Typ 2. Daneben existieren jedoch auch noch seltenere Arten, wie den kindlichen Diabetes, den Schwangerschaftsdiabetes und den Typ-3- Diabetes, der weder dem Typ 1 noch dem Typ 2 untergeordnet werden kann. Pro Tag erkranken rund 1.000 Menschen neu an Diabetes. Die Zahl der unerkannten Diabetesfälle dürfte aber sogar noch höher liegen, denn gerade der Typ-2-Diabetes kann lange Zeit ohne spürbare Symptome verlaufen. Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der unerkannten Diabetesfälle in Deutschland auf circa zwei Millionen Menschen.

Typ-1-Diabetes

Der Typ-1-Diabetes ist relativ selten. Nur circa fünf Prozent aller Diabetiker leiden an dieser Form der Zuckerkrankheit. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die durch eine gestörte Funktion der Bauchspeicheldrüse verursacht wird. Die körpereigene Immunabwehr greift dabei die Insulin produzierenden Zellen an und zerstört sie. In der Folge produziert die Bauchspeicheldrüse wenig bis gar kein Insulin mehr. Das wird jedoch benötigt, um verschiedensten Körperzellen zu signalisieren, dass sie den Zucker aus dem Blut aufnehmen sollen. Der Mangel an Insulin führt also dazu, dass der über die Nahrung aufgenommene Zucker nicht abgebaut werden kann. Das Ergebnis: Der Blutzuckerspiegel ist erhöht. Langfristig kann es zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit, einem vermehrten Harndrang und starkem Durst, trockener und juckender Haut, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Gewichtsverlust, einer erhöhten Infektanfälligkeit und dem typischen Geruch der ausgeatmeten Luft nach Azeton kommen.

Ursache und Diagnose eines Typ-1-Diabetes

Häufig tritt der Typ-1-Diabetes schon im frühen Kindes- oder Jugendalter auf. Ein bedeutender Faktor für eine Erkrankung ist die genetische Veranlagung. Aber auch Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Manche Forscher vermuten auch Virusinfekte oder einen Vitamin-D-Mangel als Ursache einer Diabetes-Erkrankung. Häufig gesellen sich zum Diabetes auch andere Autoimmunerkrankungen hinzu, z.B. Zöliakie, Hashimoto-Thyreoiditis oder Typ-A-Gastritis.

Die Diagnose erfolgt durch eine Mischung aus Blut- und Urintests oder aber durch einen sogenannten Glukosetoleranztest, bei dem eine Zuckerlösung getrunken und anschließend die Geschwindigkeit des Abbaus des aufgenommenen Zuckers gemessen wird. Wird ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert, muss der Patient nicht nur ein Leben lang regelmäßig seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren, sondern bei Bedarf auch Insulin in das Unterhautfettgewebe am Bauch oder im Oberschenkel spritzen. Dabei muss neben einer Überzuckerung immer auch eine Unterzuckerung vermieden werden. Beides kann lebensbedrohlich sein. Forscher arbeiten derzeit daran, Tabletten zu entwickeln, über die das Insulin aufgenommen werden kann.

Typ-2-Diabetes

Der Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form des Diabetes und besonders in den Industrienationen weit verbreitet. Er entwickelt sich meist allmählich und wird häufig nicht gleich erkannt. Beim Typ-2-Diabetes wird zwar ausreichend Insulin produziert, jedoch wirkt das Insulin im Körper nicht so wie vorgesehen. Die sonst sensiblen Körperzellen scheinen eine Insulinresistenz aufgebaut zu haben, wodurch sie den Zucker im Blut nicht aufnehmen. Bei einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel kann es zu teils schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen. Dazu zählen Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, z.B. Schlaganfälle, Herzinfarkte und Arterienverkalkung. Oder es tritt eine Nierenschwäche auf, die Nerven werden geschädigt, die Sehkraft dauerhaft beeinträchtigt. Unter Umständen kommt es zu Wundheilungsstörungen, besonders an den Füßen.

Ursache und Diagnose eines Typ-2-Diabetes

Ob man einen Diabetes entwickelt, hängt sehr von den Genen ab, und zwar noch stärker als beim Typ-1-Diabetes. Dennoch spielt auch die Lebensweise eine nicht zu unterschätzende Rolle. Besonders eine ungesunde Ernährung mit zu viel Fett und Zucker in Kombination mit mangelnder körperlicher Aktivität begünstigen einen Typ-2-Diabetes. Da er sich erst allmählich entwickelt, wird Typ-2-Diabetes häufiger als Typ-1-Diabetes nicht oder erst spät diagnostiziert. Es gibt jedoch eine Reihe von Alarmsignalen, die auf einen Typ-2-Diabetes hinweisen können: verstärkter Durst und häufiger Harndrang, plötzlicher Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, trockene und juckende Haut, eine schlechte Wundheilung und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte.

Die endgültige Diagnose erfolgt durch einen Blut- bzw. durch den bereits erwähnten Glukosetoleranztest. Ist der Befund positiv, muss der Erkrankte seine Ernährung anpassen. Auch eine Bewegungstherapie kann helfen. Spezielle Medikamente, die sogenannten Antidiabetika, helfen dem Organismus, das produzierte Insulin richtig zu verwerten. Da die Insulinproduktion im Alter jedoch nachlässt, kann schließlich auch eine Insulintherapie, ähnlich wie beim Typ-1-Diabetes, nötig werden.

Automatisierte Insulinabgabe durch eine Insulinpumpe

Ist eine Insulintherapie notwendig, kann eine Insulinpumpe die Lebensqualität stark verbessern. Eine solche Pumpe kann den Blutzuckerspiegel messen und bei Bedarf Insulin über einen kleinen implantierten Zugang verabreichen. Im Grunde übernimmt die Pumpe die Aufgabe der Bauchspeicheldrüse. Die Nachteile: Nicht alle Kassen übernehmen die relativ hohen Kosten. Außerdem muss der Patient im Umgang mit der Pumpe gründlich geschult sein.

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