0
Geschrieben: 14. August, 2014 in Aktuelles | Therapien
 
 

Die 700-Euro-Pille: Unmoralischer Gewinn an Hepatitis-C-Präparat

20182169_S
20182169_S
Ein neues Hepatitis-C-Präparat namens Sovaldi, das seit Januar auf dem deutschen und europäischen Markt erhältlich ist, sorgt für Empörung: In den USA ist es bereits als „1000-Dollar-Pille“ bekannt, in Deutschland kostet eine Pille 700 Euro. Die Krankenkassen kritisieren die horrenden Kosten der neuen Therapie. Der Hersteller profitiert von der bahnbrechenden Wirkung des neuen Präparats, das auf dem Markt noch konkurrenzlos ist.


Sovaldi: Eine Pille kostet 700 Euro, Fotoquelle: 123RF

Für den Pharmakonzern Gilead, der Sovaldi entwickelt hat, läuft das Geschäft mit der Pille sehr gut: 5,8 Milliarden Dollar Umsatz konnten in der ersten Jahreshälfte verzeichnet werden. Ein sattes Plus im Vergleich zu den Schätzungen der Experten, die mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Dollar für das ganze Jahr gerechnet hatten. Auf der anderen Seite schlagen die Vertreter der Krankenkassen Alarm: In Deutschland gibt es ungefähr 300.000 Hepatitis-C-Patienten. Würde man für deren Behandlung Sovaldi einsetzen, so würden Kosten von 18 Milliarden Euro entstehen.

20-mal wertvoller als Gold

Für eine erfolgreiche Behandlung eines Patienten muss dieser mindestens zwölf Wochen lang jeden Tag eine Pille einnehmen. Das wären 84 Pillen, für die der Hersteller insgesamt 60.000 Euro verlangt. Den Chef der AOK Jürgen Peter erzürnt die riesige Gewinnspanne des Pharmaunternehmens, da es geschätzt nur 100 Euro kostet, diese 84 Pillen herzustellen. (Quelle: spiegel.de) Berechnungen des Magazins „Euro“ zufolge ist Solvaldi 20-mal wertvoller als Gold, wenn man den Preis pro Gramm vergleicht. Für die Patienten hingegen ist das Präparat auf ganz andere Weise wertvoll: Laut Studien liegt die Heilungschance mit Sovaldi bei 80 bis 90 Prozent, bei bisherigen Präparaten sind es 50 bis 60 Prozent.

Der Apotheker, Arzt und Herausgeber des pharmakritischen „Arzneitelegramms“ Wolfgang Becker-Brüser sieht die Gewinnspanne des Sovaldi-Herstellers als nicht gerechtfertigt. Er verstehe zwar, dass man mehr als nur die Fertigungskosten bei der Ermittlung des Preises eines Medikaments miteinbeziehen muss, zum Beispiel auch die Kosten für Forschung oder Zulassung. Dieser Bereich erweist sich aber als höchst intransparent: Laut Pharmakonzernen kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments 1 bis 1,2 Milliarden Dollar, anderen Berechnugen zufolge ist nur ein Zehntel dieser Summe notwendig.

Konkurrenz kann den Preis drücken

Ein Argument, das Pharmakonzerne in der Preisdebatte gerne anführen, ist dass der Gewinn an erfolgreichen Medikamenten viele erfolglose Forschungsprojekte finanziert. Im Fall von Sovaldi führt Becker-Brüser an, dass dieses Argument nicht zutrifft: Der Konzern Gilead hat seit 2007 jedes Jahr eine operative Umsatzendite von 40 bis 50 Prozent erwirtschaftet, also auch in der Zeit, in der die Entwicklungskosten für Sovaldi finanziert werden mussten. Problematisch ist momentan, dass die Kassen laut Gesetz verpflichtet sind, das Medikament zu bezahlen, da es eine bessere Wirkung zeigt als ältere Präparate. Hinzu kommt, dass Hersteller bei der Preisgestaltung der Medikamente im Jahr der Markteinführung freie Hand haben. Letzten Endes kann nur durch Konkurrenz eine Preissenkung des Medikaments erreicht werden. Hoffnungsträger ist hierbei Olysio, ein weiteres neues Medikament gegen Hepatitis C, dass der Pharmakonzern Janssen-Cilag im Juni auf den Markt gebracht hat.

Print Friendly, PDF & Email
War dieser Artikel hilfreich? Bewerten Sie Ihn.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertung bisher)
Loading...