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Geschrieben: 21. Januar, 2015 in Aktuelles | Gedächtnis & Konzentration
 
 

Die digitale Welt überlastet das menschliche Hirn

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Wer heutzutage in einem Büro arbeitet, sitzt die meiste Zeit vor einem Rechner. Mails kommen im Postfach an, möglicherweise Botschaften aus einem firmeninternen Chat, das ist der erste Screen. Den zweiten haben zahlreiche Angestellte stets auf dem Tisch liegen: Ihr Smartphone, auf dem weitere Nachrichten eingehen, Chat- und SMS-Botschaften, Posts aus den sozialen Netzwerken.


Das menschliche Hirn ist für digitales Multitasking nicht ausgelegt, Fotoquelle: 123RF


Bei Christian Montag sind es etwa hundert Mails, die täglich in seinem digitalen Briefkasten landen. (Quelle: welt.de) Der Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm untersucht, wie elektronische Nachrichten unser Hirn beeinflussen und warnt: „Unser Hirn ist überlastet. Das Arbeitsgedächtnis kann die zahlreichen Informationen nicht alle gleichzeitig verarbeiten.“ Die Konsequenz sei ein Mangel an Konzentration. Ein vertieftes Arbeiten wird unmöglich.

Mails auf keinen Fall morgens schon abrufen

Wer konstant im Netz ist, wird abgelenkt. „Handy und Smartphone ausschalten, Mailprogramm schließen“, rät Montag. Auch auf das Telefon sollte man verzichten, denn: „Mails, Anrufe und anderes parallel zu machen, für dieses Multitasking ist unser Hirn nicht ausgelegt.“ Für eine Entlastung benötigt man Selbstbeherrschung. Montag schafft das, indem er sich zwei bis drei Mal täglich feste Uhrzeiten setzt, an denen er seine Nachrichten abruft.

„Mails auf keinen Fall morgens schon abrufen, sonst kommt man aus dem ständigen Nachschauen nicht mehr heraus“, empfiehlt Andreas Zimber, Psychologieprofessor an der Hochschule Heidelberg. Nach dem Mittagessen oder am frühen Nachmittag solle man die Botschaften lesen. Neben E-Mails, die am häufigsten bei der Arbeit genutzt werden, wollen in der Freizeit konstante Posts von Facebook, Instagram, Twitter oder WhatsApp angesehen werden. Diese Medien verbinde, dass man sie häufig abrufe, um unliebsamen Tätigkeiten zu entkommen, erklärt Zimber: „Die Aufschieberitis wird gefördert.“

Menschlicher Umgang mit den Medien macht das Arbeiten uneffektiv

Konsequenz der konstanten Aufschieberei: „Man verliert den roten Faden, die Frage: wo war ich gerade?, steht dafür“, erklärt der Forscher. Letztlich benötigt man mehr Zeit, um eine Tätigkeit auszuführen. Zimber Fügt hinzu: „Der Wechsel zwischen Mediennutzung und Arbeiten kostet viel Energie. Man fühlt sich viel schneller erschöpft.“ Die auf diese Weise nicht erledigten Aufgaben haben Konsequenzen: „Das Hirn rattert im Feierabend weiter. Man geht durch, was noch zu tun ist“, erläutert Zimber. Er gibt aber auch zu verstehen: „Es sind nicht Facebook und die anderen, digitalen Anwendungen, die das Arbeiten uneffektiv machen, sondern es ist der menschliche Umgang mit diesen Medien.“

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