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Geschrieben: 15. Oktober, 2015 in Ernährung
 
 

Die echte Gluten-Unverträglichkeit – Verzicht muss man üben

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Nach einer gefühlten Ewigkeit treffe ich zufällig einen alten Kumpel wieder. Wir waren damals gut befreundet und fallen uns sofort lachend in die Arme. Damals nannten wir ihn Streusel, weil er ständig Streuselkuchen aß. Natürlich will jeder wissen, wie es dem anderen ergangen ist, also geht man ins nächste Café. Dort gibt es zufällig auch den besten Streuselkuchen der Stadt. Doch dann passiert es. Ich traue meinen Ohren kaum. „Für mich keinen Kuchen“, sagt Streusel und nippt bloß an seinem Tee. Schließlich bemerkt er meine Verwirrung und meint nur trocken: „Hab aufgehört. Zöliakie, weißt du, was das ist?“

 

Gluten, Fotoquelle: 123RF

Nein, weiß ich nicht. Also beginnt er zu erzählen: Hinter dem Begriff Zöliakie verbirgt sich eine Autoimmunerkrankung, die Gluten-Unverträglichkeit. Dabei kommt es bei der Aufnahme von Gluten-haltigen Lebensmitteln zu einer Schädigung des Dünndarms, wodurch die Nährstoffaufnahme behindert wird. Die Symptome einer Gluten-Unverträglichkeit sind Übelkeit, heftiger Durchfall und Gelenkschmerzen. Dies macht es schwer, eine Zöliakie gleich zu erkennen und nicht mit einer herkömmlichen Magen-Darm-Grippe zu verwechseln.

Keine Kraft und keine Reserven

Wer sich bewusst ernährt und sich fit hält, sich dabei aber trotzdem häufig abgekämpft, kraftlos und unausgeruht fühlt, leidet vielleicht unter einer Gluten-Unverträglichkeit. So erging es schließlich auch meinem guten Freund Streusel. Wenn dann aber wie bei ihm der Ratschlag lautet, mehr zu essen, führt dies in einen Teufelskreis. Denn mehr Gluten verstärkt die oben genannten Symptome und es tritt eine weitere Schwächung ein. Eine vorläufige Umstellung auf Gluten-freie Nahrungsmittel verschaffte ihm schließlich Gewissheit.

Langzeitfolgen

Wird eine Gluten-Unverträglichkeit nicht erkannt, kann dies speziell bei Kindern aufgrund möglicher Mangelerscheinungen zu Wachstumsstörungen oder einer Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung führen. So kann sich der Nährstoffmangel beispielsweise in der geistigen Leistungsfähigkeit in Form von Konzentrationsschwierigkeiten oder Gedächtnislücken äußern.

Nie mehr Streuselkuchen?

Ein Heilmittel gegen Zöliakie ist nicht in Sicht. Behandeln kann man lediglich die Symptome, und zwar durch eine Gluten-freie Diät. So kann sich die Darmschleimhaut erholen und die Nährstoffaufnahme läuft wieder an. Zusätzlich können Mineralien verabreicht werden, um die Langzeitfolgen der Unterversorgung zu behandeln. Eine Gluten-freie Ernährung bedeutet aber auch, darauf zu achten, was man sich erlauben darf und was nicht. Strickt zu vermeiden sind Getreidesorten mit einem hohen Gluten-Gehalt, wie Roggen, Weizen und Gerste. Als Gluten-frei gelten Reis, Mais und Hirse. Erlaubt sind Gemüse und Kartoffeln, Salate, Früchte, Fleisch und Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte.

Für mich waren Gluten-freie Lebensmittel bisher bloß eine Modererscheinung. Für Streusel bedeuten sie, trotz seiner Krankheit nicht auf ein gewisses Maß an Lebensqualität verzichten zu müssen – auch wenn das einen bewussteren Konsum erfordert. Denn schließlich aß er doch noch etwas: Reiskekse. Die hat er immer dabei. Guten Appetit!

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