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Geschrieben: 03. August, 2015 in Mein Haustier
 
 

Die Entzündung des äußeren Gehörgangs – Ein häufiges Problem bei Hunden

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Wenn Leika oder Hasso den Kopf schief halten oder ihn heftig schütteln, heißt das in den seltensten Fällen, dass sie sich über Herrchen oder Frauchen wundern. Meist ist das Ohr daran schuld. Vielmehr eine Entzündung des äußeren Gehörgangs – ein Klassiker in jeder Tierarztpraxis. Kratzen mit der Hinterpfote am Ohr und unangenehmer Geruch sind weitere typische Symptome. In Extremfällen, vor allem dann, wenn das Mittelohr mitbetroffen ist, kann es zu Gleichgewichtsstörungen kommen.

Ohrenerkrankungen beim Hund, Fotoquelle 123RF
Um eine sich anbahnende Ohrenentzündung frühzeitig zu erkennen, bedarf es einer regelmäßigen Kontrolle der Ohren

Entzündungen müssen also unbedingt ernst genommen werden. Besonders betroffen sind Rassen mit tief ansetzenden Hängeohren wie Cockerspaniel, aber auch solche mit stark behaarten Gehörgängen (zum Beispiel Pudel) oder engen Gehörgängen, wie sie beispielsweise für Schäferhunde, Neupfundländer, Berner Sennenhunde oder Spaniel typisch sind.

Viele Faktoren begünstigen Entzündungen

Die Otitis externa, so der Fachausdruck für die Entzündung des äußeren Gehörgangs, ist eine Faktorenkrankheit, das heißt, dass sie durch verschiedene Faktoren begünstigt wird. Das kann die Anatomie des Gehörgangs sein, aber auch Fremdkörper, unsachgemäße Reinigung des Gehörgangs, Bissverletzungen oder allergische Reaktionen. „Ohrprobleme spielen eine große Rolle in der Kleintierpraxis“, sagt Dr. med. vet. Klaus Kutschmann, Mitglied des Ausschusses für Kleintiere der Bundestierärztekammer und praktizierender Tierarzt aus Magdeburg. Sehr häufig seien Atopien ursächlich. Darunter wird die erhöhte Neigung zur Bildung von Immunantikörpern vom Typ E verstanden, grob gesagt, eine Art allergische Reaktion. „Heilung ist bei Atopien nicht möglich, man kann nur das Allergen meiden und die Symptome lindern“, fährt Kutschmann fort. Er schätzt, dass fast jede zweite Otitis externa, umgangssprachlich auch Ohrzwang genannt, auf eine Atopie zurückgeht.

Hunde mit Entzündungen neigen dazu, sich beim Kopfschütteln die Ohren anzuschlagen, was dann zu Blutungen ins Ohr führt, dem Othämatom. Das passiert vor allem, wenn die Gefäße allergisch bedingt vorgeschädigt sind. Früher wurden diese Hämatome operiert, weil davon ausgegangen wurde, dass sie verletzungsbedingt sind. Heutzutage wird die allergische Komponente höher bewertet und eher konservativ behandelt. Denn wenn die Gefäße erst geschädigt sind, folgt auf eine OP wahrscheinlich bald die nächste.

Regelmäßige Kontrollen wichtig

„Die Fürsorge des Besitzers spielt eine große Rolle“, meint Tierärztin Brigitte Kämpf aus dem oberbayerischen Karlshuld. Wer regelmäßig spielerisch Augen, Ohren und Zähne seines vierbeinigen Lieblings kontrolliert, der kennt dessen Schwachstellen und kann frühzeitig eingreifen.

„In jedem Fall sollte der Tierarzt konsultiert werden“, rät Dr. Thomas Steidl, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kleintiere der Bundestierärztekammer, denn nur der Fachmann sollte eine Tiefenreinigung des Ohres vornehmen. Vor Selbstbehandlung mit Wattestäbchen warnt er – da könne viel schiefgehen, schlimmstenfalls das Trommelfell durchstoßen werden.

So warnt auch Brigitte Kämpf vor Ölen und sonstigen Hausmittelchen, die teilweise im Internet angeboten würden. „Die Ohrschleimhaut ist sehr sensibel“, sagt sie, „daher sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig gemacht werden“. Ungeeignete Mittel könnten die Gehörgänge verkleben und so die Entzündung weiter verschlimmern.

Spülungen nur vom Tierarzt machen lassen

Da auch verschiedene Bakterien und Pilze eine Rolle bei der Otitis externa spielen, wird der Tierarzt bei hartnäckigen Fällen einen Abstrich machen und Resistenzen bestimmen lassen. „Unkontrolliert eingesetzte Antibiotika ohne Abstrichergebnis sind meist nicht zielführend und können sogar zu chronischen und unheilbaren Entzündungen des äußeren Gehörgangs führen“, warnt Steidl.

„Bei einer Hündin, die jahrelang an chronischer Otitis litt, war nur ein einziges von circa 30 Präparaten wirksam“, erzählt die Tierärztin. Sie freute sich mit der Besitzerin, als das Tier, das bereits eine Wesensveränderung erfahren hatte, weil es sich ständig mit den Ohren beschäftigte, wieder fit war. Für Spülungen der Gehörgänge verwendet Kutschmann Wasser, eventuell milde Desinfektionsmittel, gegebenenfalls Antibiotika. Cortison verabreicht sie nur in Einzelfällen, da Hunde teilweise empfindlich darauf reagieren. Eine unbehandelte Otitis externa kann sich leicht zur Mittelohrentzündung weiterentwickeln, die im Extremfall zu Hörschäden und/oder Gleichgewichtsstörungen führt. Tumore an den Ohren sind eher selten, und wenn sie auftreten, handelt es sich meist um Hauttumoren.

Gute Pflege kann vorbeugen

Vorbeugend können Besitzer Hunden, denen Haare tief ins Ohr hineinwachsen, die Haare regelmäßig entfernen oder entfernen lassen. Fremdkörper wie die berüchtigten Getreidegrannen sollten sofort entfernt werden – allerdings nur die gut erreichbaren. Grannen in der Tiefe des Gehörgangs sollten dem Tierarzt überlassen werden.

Vierbeinigen Wasserratten oder Sandbuddlern sollten die Ohrmuscheln getrocknet und mit einem um den Finger gewickelten dünnen Papiertuch vorsichtig ausgewischt werden, denn Wasser und Sand begünstigen die Vermehrung von Bakterien und Pilzen. Dass Wasser eine große Rolle für die Otitis externa spielt, bezweifelt Kutschmann allerdings. Gesunde Hunde schüttelten sich sofort nach dem Bad kräftig – da bleibe wenig Wasser im Gehörgang.

Autorin: Dr. med. vet. Andrea Hammerl

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