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Geschrieben: 20. November, 2006 in Harnwege | Inkontinenz
 
 

Die Last mit Blase und Darm – Problembereich Inkontinenz

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Obwohl nach Experteneinschätzung mehrere Millionen Bundesbürger mit Problemen bei Harn- oder Stuhlabgang tagtäglich enorm belastet sind, ist diese mit ‚Inkontinenz’ bezeichnete Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema. Zu groß ist die Scham, zugeben zu müssen, dass das Normalste der Welt, nämlich die willentliche Zurückhaltung (lat. Continentia) der körperlichen Ausscheidungsprodukte nur mit Einschränkung oder aber gar nicht mehr funktioniert. Das betrifft jedoch nicht nur Ältere, obwohl die Inkontinenz im fortgeschrittenen Alter tatsächlich zunimmt.

Viele Betroffene leiden im Stillen, meiden Sozialkontakte, scheuen sich sogar, medizinische und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihr Leiden endlich in den Griff zu bekommen.

Eine Krankheit mit vielen Gesichtern…

Von der Stuhlinkontinenz sind häufig nur ältere Menschen betroffen, ebenso Frauen nach mehreren Geburten und Krebspatienten nach mehrfachem chirurgischem Eingriff. Sie unterscheidet sich nach Schweregraden: vom unwillkürlichen Luftabgang bis zum totalen Kontrollverlust über die Stuhlausscheidung. Während sie häufig mit einer zu spät erkannten und unbehandelten Schädigung bzw. Störung der Analhaut oder des Schließmuskelapparats zusammenhängt, gestaltet sich die Harninkontinenz, im Volksmund auch schlicht als ‚Blasenschwäche’ bekannt, vielschichtiger. Diese wird in drei Stadien eingeteilt: Inkontinenz bei mittlerer und leichter körperlicher Belastung sowie im Liegen. Ihre Formen reichen von der bei Frauen weit verbreiteten Stress- oder Belastungsinkontinenz (Schließmuskelschwäche der Harnröhre) über die Dranginkontinenz (Labilität bzw. Überaktivität des Blasenmuskels) und deren Mischformen bis hin zu der bei Männern häufigeren Überlaufinkontinenz (Verschluss von Blasenausgang und Harnröhre, geschwächter Blasenmuskel). Daneben gibt es die Reflexinkontinenz (Störung der Ausscheidungsfunktionen vom Rückenmark aus) sowie die Extraurethrale Inkontinenz (Harnabgang durch fehl gebildete Gänge), als auch die Inkontinenz bei ungehemmter neuropathischer Blase (Einschränkung der Blasensteuerung im Großhirn). Inkontinenz bei Kindern nach dem fünften Lebensjahr wird meist mit einem regelmäßigen nächtlichen Wasserlassen diagnostiziert und als Enuresis bezeichnet.

… und ebenso vielen Ursachen

Auslöser einer Inkontinenz können also muskulärer, neuronaler oder sensorischer Natur sein. Dahinter verbergen sich physische Krankheiten wie etwa Beckenbodeninsuffizienzen, vaginale Entbindungsverletzungen, Fistel- und Tumorerkrankungen im Bauchraum, Prostataleiden, (chronische) Entzündungen im Bereich der Ausscheidungsorgane, Rückenmarkserkrankungen bzw. -verletzungen oder gar Beeinträchtigung der Hirnleistungsfunktionen durch Schlaganfall. Begleitet von Organvorfällen (Prolaps) und Nervenschädigungen – um nur einiges zu nennen. Auch psychische Leiden werden hin und wieder ursächlich vermutet.

Therapeutische Wege und Inkontinenzhilfen

Eine fachärztliche Erhebung der Krankengeschichte ist unerlässlich, um dem Leiden mit einer passgenauen Therapie zu begegnen. Betroffene können unterstützend mitwirken, indem sie vor bzw. nach einer ärztlichen Abklärung – zumeist schmerzfrei und ohne größeren Aufwand mit verlässlichen Ergebnissen – ein so genanntes ‚Miktionstagebuch’ (Miktion = Harnlassen) bzw. ein ‚Stuhlgangsprotokoll’ erstellen. Ist die Form der Erkrankung erst einmal geklärt, kommt Heilung in Sicht. Sei es mit speziellen Medikamenten, physiotherapeutischen Trainings (z.B. Beckenbodengymnastik mit Elektrostimulation), Umstellung von Ernährungs– und Ausscheidungsgewohnheiten (Toilettentraining) bis hin zum operativen Eingriff. Zur Seite stehen dem Betroffenen zudem zahlreiche Inkontinenzhilfen, die ihm vor allem im Hausgebrauch wieder ein großes Stück an verloren gegangener Lebensqualität, Selbstständigkeit und damit auch an Selbstbewusstsein zurückgeben. Harnableitende sowie –saugende Produkte wie z.B. Kondomurinale und Inkontinenzhosen sind nicht nur vom Pflegepersonal, sondern auch vom Patienten selbst leicht zu handhaben.

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