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Geschrieben: 22. August, 2014 in Ernährung | Gesundheit
 
 

Ein Gläschen mit hohem Risikofaktor

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Während einer Schwangerschaft Alkohol zu trinken gilt allgemein als verpönt und auch offizielle Stimmen raten davon ab. Einer eben veröffentlichten Studie zufolge soll der gemäßigte Alkoholkonsum keine gesundheitlichen Risiken für die Kinder bergen. Kritiker der Studie verraten, warum es für schwangere Frauen dennoch ratsamer ist, wenn sie die Finger vom Alkohol lassen.

Alkohol: Während der Schwangerschaft sollte man besser darauf verzichten, Fotoquelle: 123RF

Ein Gläschen Sekt zur Feier des Tages, ein guter Rotwein zum schmackhaften Fleischgericht: Alkohol ist tief verwurzelt mit unserem Sozialleben und auch wenn er im Grunde genommen für die Gesundheit nicht förderlich ist, gehört er zu unserer Kultur des Genießens einfach dazu. Dies macht es für schwangere Frauen nicht leichter, wenn sie sich trotz des schlechten Gewissens von einem leckeren Tröpfchen verführen lassen. Der Druck ist hoch: Bundesbehörden, Ernährungswissenschaftler und Frauenärzte verlangen „Null Toleranz“ bei Alkohol während einer Schwangerschaft.

Ist ein moderater Konsum ungefährlich?

Die Frage, die sich stellt, ist ob ein kompletter Verzicht auf Alkohol wirklich notwendig ist. Schenkt man einer neuen Langzeitstudie aus Großbritannien Glauben, so ist das nicht der Fall: Die untersuchten Kinder im Alter von zehn Jahren konnten ebenso auf einem Bein stehen und den Balanceakt auf einem Schwebebalken vollführen wie ihre Spielkameraden, auch wenn die werdenden Mütter innerhalb der Schwangerschaft bis zu sieben kleine Gläser Alkohol (à 0,1 Liter Wein oder 0,2 Liter Bier) pro Woche zu sich nahmen.

Das Forscherteam um John Macleod von der Universität Bristol kam daher zum Ergebnis, dass der Alkohol keinen negativen Einfluss aufwies (Quelle: sueddeutsche.de). Die Fähigkeit zu balancieren ist den Wissenschaftlern zufolge bei Kindern ein gutes Indiz für die Entwicklung des Gehirns, da es eine Fähigkeit ist, die in der pränatalen Phase ihren Ursprung hat. Der Oberarzt in der Klinik für Geburtsmedizin der Charité Jan-Peter Siedentopf sieht die Ergebnisse der Studie kritisch, da es letztendlich unklar ist, wie viel Alkohol möglicherweise noch ungefährlich wäre: „Deshalb lautet unsere Botschaft: Kein Alkohol in der Schwangerschaft. Punkt.“

Studien sind teilweise schlecht gemacht

Die Mitarbeiterin der Pädiatrischen Neurologie am Klinikum der Universität München Mirjam Landgraf findet ebenfalls, dass der Stand der Fakten kein klares Bild ergibt. In regelmäßigen Abständen erscheinen zwar Studien, die belegen, dass ein gemäßigter Alkohokonsum in der Schwangerschaft keine geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen bei den Kindern hervorruft. Die Qualität dieser Studien findet Landgraf jedoch fragwürdig. Die aktuelle Studie ist ein gutes Beispiel hiefür: Die werdenden Mütter wurden zu ihrem Alkoholkonsum einfach nur befragt, was ein Problem darstellt, da die wenigsten Menschen in solchen Situationen ehrlich sind. Desweiteren konnten andere Forscher Mängel im kognitiven Bereich von Kindern feststellen, deren Mütter innerhalb der Schwangerschaft auf moderate Weise Alkohol getrunken haben.

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