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Geschrieben: 24. März, 2017 in Europa
 
 

Eine Wanderung auf Korsika

Blick_auf_Ajaccio
Blick_auf_Ajaccio
Meer und Berge sind Wanderern auf der französischen Insel Korsika stete Begleiter – und dienen meist auch noch als Namensgeber des Wanderwegs. Führt der Wanderweg beispielsweise von Meer zu Meer, nennt sich der Weg tatsächlich Mare a Mare. Zur Wahl stehen Mare a Mare Nord, Centre und Sud. Alle drei verbinden Korsikas Ost- mit der Westküste. Der Name vermittelt allerdings nur einen Teil des Reizes, den die Wanderwege über Napoleons Geburtsinsel bieten.

Fotoquelle: © Isabell Hammerl – Blick auf Ajaccio

Mare e Monti – Zwischen den Bergen und dem Meer

Auf den landschaftlich beeindruckenden Aufstieg in die Berge im Zentrum der Insel folgt der ebenso beeindruckende und auch deutlich weniger anstrengende Abstieg mit Blick aufs Meer. Der Großteil der Insel bietet mediterrane Flora, zuweilen stößt der abenteuerlustige Wanderer auch auf zugewachsene, von tropisch anmutenden Pflanzen überwucherte Wegstücke. Die 300.000 Einwohner verteilen sich auf der 8.680 Quadratkilometer großen Mittelmeerinsel auf die Küstenstädte und kleine, malerische Dörfer. Entlang des von uns eroberten Mare a Mare Sud finden sich zahlreiche dieser Dörfer. Nur ein Bruchteil lebt in dem Anfangsort unserer Reise, Porto-Vecchio, das mit 10.000 Einwohnern bei Kontinentaleuropäern gerade so noch als (Klein)stadt durchgeht.

Mare a Mare Sud – Von der Südküste an die Nordküste

Während der höchste Berg der Insel, der Monte Cinto, ganze 2.706 Meter hoch ist, beschränkt sich der Wanderweg Mare a Mare Sud auf etwa 1.200 Meter Höhenunterschied. Etwas tückisch ist allerdings, dass es jeden Tag einige hundert Meter nach unten und dann wieder nach oben geht, so dass letztlich einige tausend Höhenmeter für den Wanderer zusammenkommen.

Gleich am ersten Tag ist der höchste Anstieg zu bewältigen – knappe 1.000 Meter. Der Schwierigkeitsgrad des Mare a Mare Sud hält sich dennoch in Grenzen und ist mit seinen 70 Streckenkilometern für halbwegs geübte Wanderer in wahlweise fünf oder sechs Tagen – je nach Variante – gut zu meistern. Die wohl größte Herausforderung ist die glühende Hitze von über 30 Grad im Schatten, die es fast unumgänglich macht, mittags für mehrere Stunden zu pausieren. Aus dem gleichen Grund empfiehlt sich, die Wanderung in der Nebensaison, also im Mai oder September zu wagen. Belohnt werden wir zu jeder Jahreszeit mit einem atemberaubenden Blick von der Höhe hinunter aufs Meer und bizarr anmutenden Felsformationen über uns. Vor allem am ersten und letzten Tag bietet sich uns eine fantastische Aussicht auf die Küsten und das Mittelmeer.

Ambitionierte Fotografen finden überall lohnende Motive für Makroaufnahmen, von bezaubernden und vielfältigen Blüten, die aus trockenen Stängeln erwachsen, über Insekten, trockene Gräser und Flechten, bis hin zu Sträuchern und Bäumen voller Früchte.

Die Korsen und ihre Insel

Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, den Süden Korsikas kennenzulernen, als eine Wanderung auf dem Mare a Mare Sud. Fernab der für den Massentourismus ausgebauten Küstenstädte erlebt der Wanderer das ursprüngliche Korsika mit seinem überraschend grünen Landesinneren und der üppigen, mediterranen Pflanzenwelt. Nur selten treffen wir auf andere Touristen. Dennoch herrscht kein Mangel an Unterkünften in den kleinen, staubigen Dörfern. „Gîtes d’étapes”, zu Deutsch „Wanderer-Unterkunft”, heißen die wohl besten Übernachtungsmöglichkeiten. Die überwiegend ältere Bevölkerung ist freundlich, spricht allerdings kaum Englisch. Hier sind Französischkenntnisse von Vorteil. Supermärkte sind Fehlanzeige, stattdessen nutzen wir ausgiebig die kleinen Tante-Emma-Läden, die in größeren Dörfern zu finden, und neben kleineren Bäckereien oder nur zu bestimmten Zeiten besetzten, wohl privaten Verkaufsständen, die einzige Möglichkeit zum Einkaufen sind. Billig sind sie nicht gerade, aber dafür herzlich geführt. Nach einem größeren Einkauf für zehn Personen läuft uns die Besitzerin hinterher und drückt uns noch eine Packung Kekse in die Hand.

Städte, in denen das Mittelalter weiterlebt

Mit dem Bus gelangen wir vergleichsweise preiswert über das für eine Insel relativ gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz nach Ajaccio, die Hauptstadt Korsikas. Etwas Mut bedarf es allerdings, sich den Fahrkünsten der Einheimischen anzuvertrauen. Das beginnt bei dem weißen, allerdings schon arg verrosteten 20-Sitzer-Bus und endet beim rasanten Fahrstil des Chauffeurs über die schmalen Bergstraßen. „Interessant“, kommentiert ein tapferer Mitfahrer. In Ajaccio sind wir im Zentrum des korsischen Tourismus, mit Souvenirläden in malerischen Gassen und einem wunderbar gepflegten Strand mit modernen Strandbars, angekommen – ein krasser Gegensatz zu den malerischen alten Dörfern.

Einen Ausflug wert ist die Universitätsstadt Corte mit ihren gut 7.000 Einwohnern und einer reichen mittelalterlichen Geschichte, die sich in malerischen hohen und steilen Gässchen spiegelt, die regelrecht streng anmuten. Über der Stadt thront die beeindruckende Zitadelle aus dem frühen 15. Jahrhundert, wo wir das korsische Völkerkundemuseum besichtigen und kurz in schmalen Zellen mit Steinbänken verweilen. Gut vorstellbar, dass hier nicht nur Soldaten, sondern später auch politische Gefangene untergebracht waren.

Autorin: Isabell Hammerl

Info: Offizielle Touristeninformationen
Atout France – Französische Zentrale für Tourismus
Postfach 100128
D-60001 Frankfurt am Main
Web: de.rendezvousenfrance.com

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