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Geschrieben: 22. Mai, 2013 in Mein Haustier
 
 

Entwurmen bei Hund und Katze

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Mindestens viermal im Jahr sollten ausgewachsene Hunde und Katzen entwurmt werden, lautet die Empfehlung der Bundestierärztekammer.
Die ESCCAP (European Scientific Conseil Companion Anomal Parasites) Sektion Deutschland geht noch weiter und empfiehlt, Hunde, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, alle sechs Wochen gegen Bandwürmer zu behandeln und Hunde und Katzen, die unbeaufsichtigt Auslauf haben, wilde Nagetiere oder Aas fressen oder zur Jagd geführt werden, gar monatlich zu entwurmen.

Muss das wirklich sein? Es gibt auch kritische Stimmen. „Wenn wir 100 Tiere untersuchen, dann sind weniger als zehn Prozent von Würmern befallen, der Parasitenbefall insgesamt liegt bei 15 bis 20 Prozent“, sagt Prof. Dr. med. vet. Kurt Pfister, Fachtierarzt für Parasitologie und Lehrstuhlstuhlinhaber für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität München. Die Hälfte der festgestellten Parasiten sind Einzeller, meist Giardien oder Kokzidien – und da bewirken Wurmmittel überhaupt nichts. „80 bis 90 Prozent der Tiere werden also entwurmt, ohne dass sie es brauchen“, bilanziert Pfister, was er als völlig unnötige Belastung, vor allem der Umwelt ansieht und weder aus veterinärmedizinischer noch aus ethischer Sicht für vertretbar hält. Hier ginge es nur um finanzielle Interessen der Hersteller. Schäden für die behandelten Tiere befürchtet er weniger, da die modernen Mittel recht verträglich seien.

Der Parasitologe empfiehlt, anstelle routinemäßiger Entwurmung Kotproben untersuchen zu lassen und bei Befall gezielt zu behandeln – so werden auch Protozoeninfektionen erkannt und beseitigt. Aus seiner Sicht reicht eine einmalige, bei ängstlichen Besitzern oder hohem Risiko des jeweiligen Tieres zweimalige Entwurmung pro Jahr aus. Der verbreiteten Meinung, ein negativer Kotbefund (das heißt, keine Parasiten nachgewiesen) bedeute nicht zwangsläufig Wurmfreiheit, setzt er entgegen, dass ein geringer Befall dem Tier nicht schade, es ginge nur darum, den Infektionsdruck für den Besitzer gering zu halten. Auch entwurmte Hunde können sich am nächsten Tag wieder neu infizieren – auch das bietet keine nachhaltige Sicherheit. Der Wurmbefall gehe seit mindestens 40 Jahren kontinuierlich zurück, viele Hunde hätten ihr Leben lang nie mit Parasiten zu tun, was Pfister auf bessere Hygiene und die Haltung in geschützter Umgebung sowie die „massive Entwurmung über Jahrzehnte“ zurückführt.

Er wünscht sich ein Umdenken, auch der Tierärzte, die Hundebesitzer häufig nicht auf die Kotuntersuchung aufmerksam machen, weil die teurer sei als die Entwurmung, die im Falle eines positiven Befundes zusätzlich gezahlt werden muss. Abgesehen von den medizinischen, ethischen und Naturschutzgründen, die für die Untersuchung sprechen, stimmt das jedoch nur für kleine Hunde und Katzen. Bei großen Hunden, die größere Mengen an Anthelminthika benötigen, kann es finanziell sogar günstiger sein, zu untersuchen – wenn rechnerisch nur zehn bis 20 Prozent behandelt werden müssen, können statistisch gesehen, bis zu 90 Prozent der Entwurmungen eingespart werden.

Auch die Praxis, Welpen alle zwei Wochen gegen Spulwürmer zu behandeln, geht Pfister gegen den Strich. Auch hier sollte individuell vorgegangen werden, je nach Infektionsdruck im Zuchtbestand. Zweimalige Gabe von Anthelminthika sollte ausreichen, denn „50 Prozent der Welpen haben keine Würmer“.

10443121_l-300x277Ob Paste, Tablette, Spritze oder Spot-on-Präparat – wie Wurmmittel verabreicht werden, spielt aus medizinischer Sicht keine Rolle. Die Spritze ist das sicherste, Tabletten werden nicht von allen Tieren akzeptiert. Das müssen Tierarzt und Besitzer im Einzelfall entscheiden.

Autorin:
Dr. med. vet. Andrea Hammerl

86668 Karlshuld

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