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Geschrieben: 31. Januar, 2018 in Mein Haustier
 
 

Eosinophiles Granulom

58785839 - eosinophilic granuloma in cat with allergies langerhans cell histiocytosis
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Eine lästige Hauterkrankung der Katze

Manchmal ist es nur eine kleine, verdickte Stelle, die dem Katzenbesitzer auffällt. Oder eine Kruste am Ohr. Mitunter werden dem Tierarzt aber auch Katzen vorgestellt, deren Oberlippen bereits blutig-eitrigen Substanzverlust aufweisen.

Kleine rote Knötchen, meist an Hinterbeinen junger Katzen, gerötete, haarlose und verdickte Stellen – sogenannte Plaques – meist an Bauch oder Hinterbeinen sowie schließlich nässende Geschwüre der Oberlippe sind drei verschiedene
Fotoquelle: 123RF

Erscheinungsformen des Eosinophilen Granuloms. Daher spricht der Fachmann bevorzugt vom Eosinophilen Granulomkomplex (EGK). Der gibt immer noch Rätsel auf, obwohl in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte in der Kleintierdermatologie erzielt wurden. Während früher rein symptomatisch mit Kortison behandelt wurde, um die chronische Entzündung der Haut oder Schleimhaut zu bekämpfen, hat heute die Ursachensuche Priorität. Einig sind sich die Fachleute, dass der EGK meist allergisch bedingt ist.

Granulome, Plaques und Geschwüre

Namensgebend sind eosinophile Granulozyten, weiße Blutkörperchen, die – außer beim Geschwür – deutlich erhöht im Blut (Eosinophilie), vor allem aber im betroffenen Gewebe, nachweisbar sind. Eosinophile spielen eine wichtige Rolle in der Parasitenabwehr, sind aber auch typische Indikatoren für Allergien. Unter einem Granulom wird eine knotenartige, entzündliche Gewebeneubildung verstanden. Die sind meist gut sicht- und tastbar. Das lineare Granulom ist eine eher stille Erkrankung, da es – jedenfalls zu Beginn – meist nicht juckt. Oft fallen die kleinen gelb bis roten, meist perlschnurartig in einer Linie angeordneten Knötchen erst beim Streicheln auf. Typischerweise sind sie an den Außenseiten der Hintergliedmaßen zu finden, gelegentlich auch an den Flankeninnenseiten. Betroffen sind vor allem junge Katzen im Alter von sechs bis zwölf Monaten. Spontanheilungen sind möglich und kommen häufig vor.

Nicht zu übersehen sind dagegen eosinophile Plaques, flach erhabene, stark gerötete und haarlose Stellen, die bevorzugt an Bauch, Flanken und Hintergliedmaßen auftreten. Sie jucken stark, so dass die Katze ständig daran leckt und dadurch die Irritation der Haut mit ihrer rauen Zunge massiv verstärkt.

Den dramatischsten Anblick bietet das eosinophile Geschwür, das in der Mitte der Oberlippe mit einer Rötung beginnt und sich bis zu den Eckzähnen, im Extremfall über die ganze Oberlippe bis zu den Mundwinkeln ausbreitet. Typisch sind Schwellung, Haarverlust und eine bräunlich-glänzende Oberfläche am Rand der Veränderung, während das Gewebe in der Mitte bereits nekrotisch wird, also abstirbt.

Medikamente, Fischöl und Desensibilisierung als Therapie

Wenn sich die Ursache identifizieren lässt, ist die Prognose günstig. „Ein Alptraum sind dagegen die genetisch bedingten Fälle, weil man oft nicht weiterkommt“, sagt Professor Dr. med. vet. Ralf Müller, Leiter der Abteilung Dermatologie und Allergologie der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Er sieht in der Regel die schwierigeren Fälle, die von niedergelassenen Kollegen an die Uniklinik überwiesen werden. „Das Hauptproblem ist, dass die Therapie zu Hause durchgeführt werden muss“, erklärt er. Aber: „Einer Katze lebenslang täglich Tabletten einzugeben, ist nicht einfach.“

Am Anfang der Therapie steht der Flohkamm. Mit etwas Glück liegt die Ursache in einer Flohallergie und die Symptome verschwinden mit den Flöhen. Eine regelmäßige Flohkontrolle ist verhältnismäßig einfach durchzusetzen. Bringt das nichts, versucht Müller anhand einer Eliminationsdiät herauszufinden, ob und welches Futtermittel für die allergische Hautreaktion verantwortlich ist. Das lässt sich unter klinischen Bedingungen relativ einfach bewerkstelligen, kann zu Hause für den Besitzer jedoch zum Problem werden, vor allem bei Freigängern. „Die gehen einfach zum Nachbarn, denn der hat ihr Lieblingsfutter“, merkt der Fachtierarzt für Kleintierdermatologie ironisch an. Katzen, die Freigang gewohnt sind, werden möglicherweise aggressiv, wenn sie plötzlich nur noch in der Wohnung gehalten werden.

Um herauszufinden, gegen welches Fleisch der Patient allergisch ist, wird ihm eine Sorte angeboten, die er sonst nicht erhält, also Rindfleisch statt Hühnchen oder umgekehrt. Schwieriger wird es, wenn die Katze eine Mischdiät gewöhnt ist oder jeden Tag etwas anderes bekommt. „Dann müssen wir zu Exotischerem greifen, beispielsweise Pferde-, Känguru-, Kaninchen- oder Straußenfleisch“, erklärt Müller. Erfahrungsgemäß seien Hund und Katze gegen tierische Eiweiße allergisch, meist Fisch, Huhn, Rind, Milchproteine, wesentlich seltener gegen Gluten oder Glykoproteine. Wenn weder Flöhe noch ein Futtermittel die Allergie auslösen, bleiben – neben den genetisch bedingten Fällen, die meist sehr junge, nur wenige Wochen alte Katzen betreffen – Umweltallergene wie Pollen, Schimmelpilze oder Staubmilben als mögliche Ursachen.

Müller erinnert sich an Mathilde, eine Perserkatze in mittleren Jahren mit EGK, die extrem von Juckreiz geplagt wurde. „Die Besitzerin war super, sie machte alles mit“, erzählt er. „Wir sind durch alle Diäten marschiert, aber es brachte alles nichts.“ Am Ende stellte sich heraus, dass Mathilde auf Staubmilben allergisch war. Mit Antihistaminika und Fettsäuren konnten Tierarzt und Besitzerin ihr helfen. Ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Fischöl oder Nachtkerzenöl vorkommen, modulieren die Immunantwort.

Geduld ist nötig

Sobald das Allergen ermittelt und durch einen Allergietest bestätigt ist, kann eine Desensibilisierung versucht werden. Das ist eine aussichtsreiche und vor allem praktikable Therapie, wie Müller von den Patientenbesitzern bestätigt wird. „60 bis 70 Prozent der Besitzer sagen, sie würden das jederzeit wieder machen“, berichtet er. Im Abstand von drei bis vier Wochen erhält die Katze Injektionen, und zwar mindestens ein Jahr lang. Dabei wird in das Immunsystem eingegriffen. Es lernt das Allergen zu akzeptieren und darauf nicht mehr unangemessen zu reagieren, was allerdings Zeit braucht. „Es kann ein Jahr lang dauern, bis sich der Erfolg einstellt“, sagt der Experte. Wenn es dann gut laufe, könnten die Abstände zwischen den Injektionen verlängert werden.

Vorbeugend lässt sich wenig machen. Müller rät, den Speiseplan der Katze übersichtlich zu gestalten und möglichst bei einer oder zwei Futtersorten zu bleiben. Täglicher Wechsel sei völlig unnötig.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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