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Geschrieben: 29. September, 2014 in Aktuelles
 
 

Etwa 10.000 Deutsche erleiden jährlich eine Stimmbandlähmung

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Mit 16 Jahren verlor Jan M. seine alte Stimme. 1992 wurde er zum vierten Mal wegen eines angeborenen Herzfehlers operiert. Während des Eingriffs verletzten die Ärzte versehentlich den Nervus recurrens. Dieser Nerv schlingt sich um die Hauptschlagader des Herzens – und steuert die Funktion der Stimmlippen, die umgangssprachlich als Stimmbänder bezeichnet werden. Seine rechte Stimmlippe wurde geschädigt.


Mit einer Stimmbandlämung kann man schwer sprechen, Fotoquelle: 123RF

Der Schreck ereilte den heute 38-Jährigen im Aufwachraum:

„Ich war stumm,
konnte kein Wort mehr sagen.“

Die Ärzte hätten ihm Mut gemacht. „Sie sagten, dass sich das mit der Zeit wieder geben würde.“ Erst nach ein paar bangen Tagen kam seine Stimme zum Teil zurück.

Doch bis heute verfügt Jan M. nicht wieder über seine alte Stimme, denn die Lähmung einer Stimmlippe blieb. Er klingt seltsam, gepresst, heiser und kraftlos – erheben kann er seine Stimme nicht, was bei der Erziehung seiner beiden Kinder manchmal stört. Er arbeitet als Serviceingenieur in Berlin und in seinem Job kommt er auch ohne volles Stimmvolumen aus: „Meine Kollegen haben sich daran gewöhnt und akzeptieren mich.“

Inzwischen kann er mit seiner Erkrankung gut umgehen. Jan M. hilft der regelmäßige Gang zur Logopädin, die mit speziellen Übungen die Stimmlippe stärkt und trainiert.

Auch die Atmung kann beeinträchtigt werden

Der Akt des Sprechens ist hochkomplex:  Etwa 60 Muskeln sorgen dafür, dass Luft aus der Lunge strömt und die etwa streichholzdicken Stimmlippen des Kehlkopfs zu vibrieren beginnen. Bei einer Stimmbandlähmung, auch Rekurrensparese genannt, verbleiben eines oder beide Bänder an einer Stelle. Dadurch klingt die Stimme krächzend oder verhaucht. Die Regungslosigkeit kann außerdem beim Atemholen stören. Jan Magdanz hat zwar keine übermäßigen Probleme damit, doch der früher ausgeübte Leistungssport als Judoka ist leider nicht mehr möglich.

Die Lähmung kann aber auch Folge einer Erkrankung sein: Google-Gründer Larry Page gab im Mai 2013 bekannt, dass er unter einer Stimmbandlähmung leide. Zwei sehr schwere Erkältungen hätten dies ausgelöst. (Quelle: spiegel.de)

Unterfütterung der Stimmlippen

Pro Jahr erleiden ungefähr 100.000 Menschen in Deutschland eine Rekurrensparese, so der Direktor der Phoniatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Markus Hess.

Sie lasse sich sehr gut und schnell therapieren. „Den Großteil der Patienten, die unter einer einseitigen Stimmbandlähmung leiden, kann man stimmlich fast normalisieren“, sagt Hess.

In Hamburg wird von ihm die „Deutsche Stimmklinik“ eröffnet, in der sich ein Team aus Logopäden, Fachärzten und Stimmtherapeuten allen Aspekten der Stimme widmet, um mögliche Erkrankungen zu heilen und Therapien anzubieten.

Möglich sei zum Beispiel eine Stimmlippenaugmentation: Die Stimmlippen werden mit sogenannten Fillern unterfüttert, zum Einsatz kommt unter anderem Hyaluronsäure. Der Erfolg des Eingriffs ist jedoch endlich, da der Filler vom Körper wieder abgebaut wird – manchmal nach wenigen Monaten, manchmal nach Jahren. Dann ist ein erneuter Eingriff nötig.

Auch eine Behandlung mit Elektrostimulation kann helfen. „Die Idee der Elektrostimulationstherapie ist, dass isoliert die gelähmte Muskulatur stimuliert, das heißt durch einen Stromimpuls zu einer Muskelkontraktion gezwungen wird“, heißt es in einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit einem speziellen Gerät lässt der Patient eine geringe Menge Reizstrom fließen, übt damit drei bis fünf Mal täglich zu Hause und stimuliert so seinen Nerv. In der Hannoveraner Studie mit 90 Patienten war die Elektrostimulation der klassischen Logopädie überlegen.

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