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Geschrieben: 18. November, 2014 in Gesundheit | Kliniken
 
 

Fürsorge und Beistand bis zum Tod fehlen häufig

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Tödlich kranke Menschen wollen genau über ihre Situation Bescheid wissen und getröstet werden. Viele Mediziner können diese Ansprüche nicht erfüllen. Wissenschaftler aus Kanada untersuchten nun, wie stark die Diskrepanz zwischen den Anliegen der Kranken und dem Alltag in den Kliniken ist. Verschiedenen Befragungen zufolge wünschen sich viele Deutsche, dem Tod im eigenen Haus entgegenzutreten. Faktisch müssen aber 90 Prozent in die Klinik, bevor sie sterben.

Schwerkranke Menschen wünschen sich Fürsorge und Beistand, Fotoquelle: 123RF

Statt bis zum Ende im Kreis der Familie zu bleiben und dann friedlich aus dem Leben zu scheiden, werden viele Betroffene im Krankenhaus mit technischen Hilfsmitteln versorgt und “hängen an Kabeln und Schläuchen”, wie die Handlungen der Intensivmedizin häufig geschmäht werden. Das naheliegende Anliegen, die Lebensdauer auszuweiten, führt bei Medizinern und Familienmitgliedern dazu, dass der Tod dann doch häufig im Krankenhaus stattfindet und nicht zu Hause.

Betreuung, Fürsorge und Pflege stehen im Zentrum

Kanadische Mediziner präsentieren im Fachblatt Canadian Medical Association Journal (online), wie sich Betroffene und Angehörige das Lebensende vorstellen – und wie sich die medizinischen Empfehlungen und der ärztliche Umgang mit nicht heilbaren Leiden und dem Tod gestalten. Wer eine unheilbare Krankheit hat, will dass Betreuung, Fürsorge und Pflege im Zentrum stehen und dass die Anliegen der Betroffenen, ihre Gesuche, Ansichten und Verlangen im Kontakt mit Medizinern und Pflegekräften erste Priorität haben.

Natürlich ist es Ärzten nicht möglich, die genaue verbleibende Lebensdauer zu ermitteln. Aber zu Möglichkeiten, oft auftretenden Krankheitsbildern und üblichen Komplikationen können sie sich äußern. Für Betroffene und Familienmitglieder ist es zudem von Bedeutung, dass sie mit Medizinern und Pflegepersonal über Befürchtungen und Nöte sprechen können und dass sie idealerweise etwas über weitere Schritte der Begleitung und palliative Möglichkeiten erfahren. “Obwohl diese Punkte für Schwerkranke und ihre Angehörigen so wichtig sind, werden diese Aspekte viel zu selten besprochen”, erklärt John You, der Leiter der Studie (Quelle: sueddeutsche.de).

Mediziner vermeiden besonders bei Schwerkranken den Dialog

Von den elf Punkten, die in dieser Situation als maßgeblich bewertet werden, wurden aus Sicht der Betroffenen im Schnitt nur 1,4 zur Genüge besprochen. Die Mediziner aus Kanada befragten 233 schwerkranke Betroffene und 205 Familienmitglieder, wie sie sich den abschließenden Lebensabschnitt in der Klinik vorstellen. Dann verglichen sie die Antworten mit den ärztlichen Empfehlungen. Betroffene wie Familienmitglieder haben in der Klinik häufig den Eindruck, Mediziner würden besonders bei Schwerkranken den Dialog vermeiden und nicht klar erläutern, wie aussichtslos die Lage des Betroffenen ist. Für manche Mediziner ist ein “austherapierter” Kranker, der nicht mehr heilen wird, wie ein individuelles Scheitern, eine ärztliche Niederlage. Dabei fängt in diesem Abschnitt, in dem Chirurgie, Medikamenttherapie und andere Wege nicht mehr zur Genesung führen können, eine der bedeutendsten medizinischen Tätigkeiten an: Die Fürsorge und der Beistand des Kranken bis zum Tod.

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