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Geschrieben: 22. Januar, 2016 in Tiere & Umwelt
 
 

Gesunder Huf, gesundes Pferd – dazu gehört der passende Hufbeschlag

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Der Hufbeschlag schützt, kann Fehlstellungen vermeiden helfen oder bestehende korrigieren, bei der Therapie von Gelenk- oder Sehnenerkrankungen wie Spat, Podotrochlose (Hufrollenentzündung) oder Hufbeinfrakturen helfen, er soll Bewegungsabläufe unterstützen oder Ausgleiten auf glattem Untergrund verhindern. Entsprechend unterschiedlich muss der Beschlag gestaltet sein – je nachdem, welche Anforderungen erfüllt werden sollen.

Gesunder Huf, gesundes Pferd, Fotoquelle: 123RF

Ein Kutsch- oder Schlittenpferd wird im Winter einen anderen Beschlag benötigen als ein Traber auf der Trabrennbahn, dessen Beschlag die bevorzugte Gangart unterstützen muss. Rennpferde erhalten leichtere Eisen, Arbeitspferde möglichst robuste. Neben dem Klassiker, dem genagelten Hufeisen, gibt es so genannte weiche Hufeisen mit Metallkern, der mit stoßdämpfendem Gummi ummantelt wird, es gibt aufklebbare Eisen oder Hufschuhe – in Standardausführung oder als Korrekturschuhe – sowie abnehmbare Hufschuhe.

Letztere seien eine gute Sache für Freizeitpferde, sofern sie einfach zu handhaben und entsprechend auf das Pferd angepasst seien, erklärt Mathias Straßner, staatlich geprüfter Hufbeschlagschmied und Metallbaumeister, Bundesfachgruppenleiter des Bundesverbands Metall (BVM). Aufklebbare Eisen finden überwiegend zur Korrektur bei Fohlen Anwendung, und auch weiche Hufeisen spielten eine gewisse Rolle. „80 Prozent meiner Arbeit aber sind Regelbeschläge“, sagt er. Die seien seit langem bewährt und im Grunde gleichgeblieben. Ein bisschen mehr Vertrauen der Besitzer in die Arbeit des Hufschmieds wünscht er sich allerdings. Internet, Reitlehrer, Therapeuten sprächen heutzutage immer mehr mit, auf der anderen Seite könnten Hufpflege und Haltung der Tiere häufig verbessert werden.

Hufpflege und –Zubereitung sind entscheidend

Jeder Pferdehuf muss individuell betrachtet werden – ein komfortables Abrollen ist besonders wichtig

Jeder Pferdehuf muss individuell betrachtet werden – ein komfortables Abrollen ist besonders wichtig

Das Wichtigste am Hufbeschlag ist die richtige Vorbereitung des Hufes. In der Regel muss der Tragrand vorne stärker gekürzt werden als an den Trachten, wo sich das Horn aufgrund größerer Belastung von allein stärker abnutzt. Loses und faules Horn an Sohle und Strahl werden entfernt, zudem muss auf eine korrekte Zehenachse geachtet werden. „Die korrekte Hufzubereitung ist die Grundlage – 80 Prozent aller Probleme lassen sich damit lösen“, sagt Jan Gerd Rhenius, Hufschmied und ehrenamtlich im Vorstandsteam des EDHV (Erster Deutscher Hufbeschlagschmiede Verband) tätig. Auch das richtige Intervall spielt eine große Rolle, weshalb Rhenius Folgetermine stets sofort mit dem Pferdebesitzer vereinbart, um den Bedürfnissen des Pferdes wirklich gerecht werden zu können. „Wichtiger als ein guter Hufschmied ist das Einhalten des Bearbeitungsintervalls“, findet er, „sonst kann auch der beste Hufschmied nichts machen“. Abhängig von Pferdetyp, Jahreszeit und dem Ziel, das er erreichen will, setzt er das ideale Intervall zwischen sechs und acht Wochen an – bei Verschleiß natürlich auch kürzer. Zwar gibt es rassebedingte Unterschiede, wichtiger aber sind individuelle Faktoren, beispielsweise Hufform und Bewegungsintensität. Grundsätzlich gilt, dass im Sommer häufiger beschlagen werden muss, weil das Horn dank Licht, Futter und höherer Temperaturen schneller wächst.

Rhenius ist auf orthopädische Beschläge spezialisiert. Hier ist in der Regel die Zusammenarbeit mit dem Tierarzt gefragt. Am liebsten ist es dem 39-Jährigen, wenn der Tierarzt die Diagnose stellt, erläutert, welche Funktion der Beschlag haben soll und dann ihm als Praktiker überlässt, mit welchem Material und welcher Technik er das umsetzt. „Die kollegiale Abstimmung zwischen Hufschmied und Tierarzt ist schon bei kleinsten diagnostischen Erkenntnissen die entscheidende Voraussetzung für einen guten Beschlag“, bestätigt Tierarzt Dr. Rupert Ebner. Der wiederum sei mitentscheidend für eine lange Lebens- und Nutzungsdauer des Pferdes.

Beispiele für therapeutische Beschläge

Bei Spateisen sind die äußeren Ruten verdickt, um das Sprunggelenk innen zu entlasten, Bügeleisen entlasten das Strahlbein und werden daher bei Strahlbeinfrakturen eingesetzt. Stegeisen mit einer Eisenplatte zwischen den Ruten, die den Strahl entlasten, empfehlen sich bei Hufrehe. Beim akutem Hufrollensyndrom bewirkt ein Trachtenkeil, den Winkel zu verändern und die tiefen Beugesehnen zu entlasten.

Jeder Huf ist individuell, daher bedarf das Hufmanagement großer Erfahrung, um Fehl- und Kompensationshaltungen zu vermeiden. Die klassische Hufbeschlagsbehandlung ging davon aus, dass der Huf das letzte Glied einer Kette – Gebäude, Gliedmaßenstellung, Huf – sei, sagt Rhenius, woraus folgt, dass der Huf entsprechend auf den Körper des Pferdes zugeschnitten wird. Die Alternative besteht darin, den Huf für sich zu betrachten, ihn optimal zuzuschneiden und davon auszugehen, „dass der Rest des Pferdekörpers sich daran anpasst“. Für Rhenius liegt die Wahrheit in der Mitte – die Erfahrung helfe dem Fachmann, zu entscheiden, wohin er sich im jeweiligen Fall mehr bewege.

Auch Straßner betont, wie wichtig es ist, das ganze Pferd zu betrachten und auf die Zehenrichtung zu achten. Das käme in Zeiten vorgefertigter Hufeisen etwas zu kurz. „Dem Pferd muss komfortables Abrollen ermöglicht werden“, sagt er. Anhand der Abriebspuren des alten Eisens erkenne der Schmied, welche Richtung er dem neuen Eisen geben müsse – um Fehlhaltungen vorzubeugen und den Huf in die richtige Stellung zu bringen.

Geschichte des Hufbeschlages

Die Hufbeschläge von Kutschpferden müssen im Winter angepasst werden – sie benötigen einen anderen Beschlag wie z.B. Renn- oder Freizeitpferde

Die Hufbeschläge von Kutschpferden müssen im Winter angepasst werden – sie benötigen einen anderen Beschlag wie z.B. Renn- oder Freizeitpferde

Der Huf schützt das Fußende des Pferdes. In freier Natur reicht das Hornwachstum in der Regel aus, um den Abrieb zu ersetzen. Muss das Pferd aber auf geschotterten Feldwegen oder Asphaltstraßen gehen und noch dazu Lasten tragen oder ziehen, braucht es einen Schutz. Das musste schon Alexander der Große auf seinen Feldzügen erfahren – er verlor viele Pferde aufgrund von Hufproblemen, Hufeisen sind in der griechischen Literatur nicht erwähnt. Die ältesten Zeugnisse von Schutzvorrichtungen aus Leder, Stroh oder Bast stammen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, die Römer nutzten sogenannte Hipposandalen aus metallener Sohle und Haken, Aufbiegungen, Ösen und Ringen. Befestigt wurden sie mit Hilfe von Lederriemen oberhalb der Krone des Hufes, was nur bei langsamer Gangart hielt. Wo das genagelte Hufeisen erfunden wurde, ist nicht sicher bekannt. Die Kelten nutzten Eisen und Nägel jedenfalls schon um Christi Geburt herum, die Römer schauten sich den genagelten Hufbeschlag wohl von ihnen ab. Die Grundzüge des Hufbeschlags wurden zwischen 15. und 18. Jahrhundert entwickelt, im 19. Jahrhundert entstanden große Hufschmiedeschulen. Allzu viel hat sich nicht verändert seitdem – im Wesentlichen hätten die Grundzüge von damals heute noch Gültigkeit, ist im Skript der Veterinärchirurgischen Klinik der Universität Zürich nachzulesen – obwohl mehr als 500 Patente im Patentamt in Berlin vorliegen.

Dr. med. vet. Andrea Hammerl

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