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 Gesundheitsrisiken - bei Schmerzmitteln

Umfrage zeigt: Gesundheitsrisiken von frei verkäuflichen Schmerzmitteln sind nicht ausreichend bekannt

Patienten unterschätzen Wechselwirkungs-Risiko von Medikamenten / Chronisch Schmerzenkranke brauchen eine sichere und verträgliche Schmerztherapie / Tipps der Aktion Schmerz 60plus für mehr Therapiesicherheit auch bei Einnahme mehrerer Medikamente / Neue Patientenbroschüre

Schnell die Wohnung putzen, beim Metzger um die Ecke das Fleisch für das Abendessen besorgen oder im Garten die Blumen gießen: Für Patienten mit starken Schmerzen sind solche alltäglichen Erledigungen kaum möglich, weil jede Bewegung zur Qual wird. Schnelle Hilfe erhoffen sich viele durch rezeptfreie Schmerzmittel.

Doch ihnen sind die Gesundheitsgefahren durch diese Schmerzmedikamente oft nicht bekannt. Auch das Wechselwirkungs-Risiko von Arzneien wird häufig unterschätzt. Das zeigt eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungs-instituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt hat. Dabei gaben 13 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Woche Schmerzmedikamente einzunehmen, sechs Prozent sogar täglich. 17 Prozent haben Schmerzmedika¬mente bereits länger als erlaubt eingenommen, 15 Prozent würden bei Bedarf die empfohlene Einnahmedauer überschreiten, waren aber noch nicht in dieser Situation. „Diese Einstellung ist sehr bedenklich“, sagt Dr. Uwe Junker, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. und Beiratsmitglied der Aktion Schmerz 60plus, „denn viele Patienten halten rezeptfreie Schmerzmedikamente fälschlicherweise für harmlos. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie bei einer zu langen Einnahme erhebliche Gesundheitsgefahren mit sich bringen“. Frei verkäufliche Schmerzmedikamente können bei akuten Schmerzen zur kurzfristigen Schmerzlinderung geeignet sein. Langfristig angewendet können sie allerdings zu ernsthaften Neben-wirkungen und dauerhaften Schädigungen innere Organe wie Magen, Leber oder Nieren führen, wenn die Patienten sich nicht an die empfohlene Dosierung, Häufigkeit, Art und Dauer der Einnahme halten. 

Risiken durch Medikamenten-Wechselwirkungen Ernst nehmen
Zudem brauchen Patienten mit starken chronischen Schmerzen eine stark wirksame, sichere und verträgliche Schmerztherapie. Die ist jedoch nicht rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Hierfür ist der Besuch beim Hausarzt oder bei einem Schmerztherapeuten erforderlich. Denn nach einer exakten Schmerzdiagnose wird der Arzt das geeignete Schmerzmedikament verordnen und den Erfolg der Therapie regelmäßig kontrollieren. Junker empfiehlt bei starken chronischen Schmerzen starke Opioide. Sie wirken direkt im zentralen Nervensystem und verhindern dort, dass der Schmerz weitergeleitet wird. Im Gegensatz zu frei verkäuflichen Schmerz-medikamenten belasten sie die Organe auch bei einer langen Einnahmedauer nicht. Der Arzt sollte jedoch während der schmerz-therapeutischen Behandlung in regelmäßigen Abständen prüfen, ob das Opioid die Schmerzen effektiv lindert und keine unerwünschten Wirkungen auftreten. Der Grund: Viele Patienten, vor allem Ältere, leiden neben den Schmerzen an verschiedenen zusätzlichen Erkrankungen und müssen deshalb zahlreiche Medikamente einnehmen. Zum Beispiel für den Blutdruck, für den Blutzucker oder zum Einschlafen. „Das ist problematisch, denn die meisten Arzneien beschreiten beim Abbau im Körper den gleichen Weg. Sie durchlaufen in der Leber ein System mit dem Namen Cytochrom P450“, sagt Junker. Werden mehrere Medikamente zugeführt, konkurrieren sie um diesen Abbauweg, es entsteht ein Engpass. In der Folge kann es passieren, dass die Medikamente stärker, schwächer oder gar nicht wirken. Doch diese Gefahr unterschätzen viele Patienten. So glauben 17 Prozent der Befragten der TK-Umfrage, dass Wechselwirkungen keine oder allenfalls eine geringe Gefahr darstellen. „Dieser Irrglaube kann schwerwiegende Folgen haben“, sagt Junker. „Nimmt ein Patient beispielsweise ein Präparat gegen Depressionen mit dem Wirkstoff Amitriptylin kombiniert mit dem Wirkstoff Thioridazin für die Psyche ein, erhöht dies den Wirkspiegel von Amitriptylin so stark, dass lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten können.“ Das oft verwendete Johanniskraut wiederum erniedrigt im Blut die Konzentration einiger frei verkäuflicher, entzündungshemmender Schmerzmedikamente, so dass die Schmerzen nicht mehr ausreichend gelindert werden.

Sichere Therapieoption bei starken chronischen Schmerzen
„Für Patienten mit starken Schmerzen, die dauerhaft viele Medikamente einnehmen müssen, ist Hydromorphon ein gut geeignetes Opioid“, sagt Junker. Der Grund: Der Wirkstoff wird nicht über das Cytochrom P450 abgebaut, sondern geht im Körper einen anderen Weg. Dadurch verstärkt oder schwächt es die Wirkung anderer Arzneien nicht durch Konkurrenz um diesen Abbauweg. Umgekehrt wird auch die Wirkung von Hydromorphon nicht durch andere Medikamente beeinflusst. Das Wechselwirkungsrisiko ist minimal. Hydromorphon gibt es als Kapsel mit retardiertem Granulat. Das lateinische Wort „retardare“ bedeutet „verzögern“. Retard-präparate geben den Wirkstoff kontinuierlich über einen Zeitraum von zwölf Stunden in die Blutbahn ab. Durch die Einnahme der Kapseln morgens und abends sorgen sie so für eine effektive Schmerz-linderung. Die zweimal tägliche Einnahme des Opioids hat zudem den Vorteil, dass die Hydromorphon-Menge am Tag und in der Nacht an die Schmerzstärke angepasst werden kann. So bekommt der Patient beispielsweise für morgens eine höher dosierte Kapsel verschrieben als für den Abend, wenn seine Schmerzen bei Belastung tagsüber stärker sind als während der Ruhezeit in der Nacht. Der Patient unterstützt seine Schmerztherapie, in dem er die Kapseln genau so einnimmt, wie der Arzt es ihm erklärt hat. Das Ergebnis: Lebensqualität. Die Patienten können ihren Alltag wieder bewältigen, ohne dass jede Bewegung zur Qual wird. „Bei starken Schmerzen nie die Hoffnung auf Linderung aufgeben und frühzeitig einen Arzt aufsuchen, statt eigenständig rezeptfreie Schmerz¬medikamente auszuprobieren“, rät Junker.

Aktion Schmerz 60plus informiert
Ziel der Aktion Schmerz 60plus ist es, Patienten mit starken Schmerzen über Wege aus dem Schmerz zu informieren und ihnen so mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Die neue Patientenbroschüre „Die richtige Schmerztherapie“ enthält daher Tipps und Informationen über Therapieoptionen bei starken Schmerzen. Zudem informieren die wissenschaftlichen Beiratsmitglieder der Aktion darin über die medikamentöse Schmerztherapie mit starken retardierten Opioiden und klären über das Wechselwirkungs-Risiko von Arzneimitteln bei Patienten auf, die täglich verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Patienten, Angehörige und Interessierte können die neue Broschüre kostenfrei auf der Internetseite www.schmerz60plus.de downloaden oder bestellen sowie unter Postfach 1350, 65553 Limburg anfordern.

Quellen:
Bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse, Juli 2009.
Patientenbroschüre Schmerz 60plus „Die richtige Schmerztherapie“. Herausgeber: Aktion Schmerz 60plus, Limburg, 2009.
Wissenschaftlicher Beirat der Aktion Schmerz 60plus:
Prof. Dr. med. Roland Hardt, Chefarzt der Geriatrischen Klinik, Geriatrische Schlaganfalleinheit, Katholisches Klinikum Mainz, St. Hildegardis-Krankenhaus, Mainz / Dr. med. Uwe Junker, Chefarzt der Abteilung Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin am Sana Klinikum Remscheid, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Köln, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. / Dr. med. Thomas Nolte, Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden, Hospiz Advena, Kinderhospiz Bärenherz / Prof. Dr. med. Eberhard Klaschik, Altpräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Alfter

Herausgeber:

Aktion Schmerz 60plus, Postfach 1350, 65553 Limburg
www.schmerz60plus.de, unterstützt von Mundipharma



Tipps der Aktion Schmerz 60plus für eine sichere Schmerztherapie
Auf veränderte Wirkung hinweisen
Teilen Sie Ihrem Arzt umgehend mit, wenn das Schmerzmedikament Ihre Schmerzen nicht mehr adäquat lindert. So kann der Arzt die Ursache ermitteln und die Behandlung gegebenenfalls anpassen.
Akute Erkrankung nennen
Sprechen Sie umgehend mit Ihrem Arzt, wenn eine akute Erkrankung auftritt. Dies gilt besonders, wenn die Krankheit es erschwert, ausreichend zu essen oder zu trinken bzw. wenn Sie an Erbrechen und Durchfall leiden.
Aktiv nachfragen
„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Nutzen Sie diese aus der Werbung bekannte Aufforderung und fragen Sie aktiv nach. Denn wenn Sie gut informiert sind und alle Einnahme-Empfehlungen berücksichtigen, reduzieren Sie das Risiko von unerwünschten Wirkungen.
Alle Medikamente aufzählen
Informieren Sie Ihren Arzt und Ihren Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen. Dazu gehören nicht nur Medikamente, die Ihnen ein Arzt mit einem Rezept verordnet hat, sondern auch alle freiverkäuflichen, die Sie in der Apotheke oder im Drogeriemarkt ohne Rezept erworben haben.
Arzneimittelliste führen
Erstellen Sie eine Liste mit dem vollständigen Arzneimittelnamen und der Dosierung aller Medikamente, die Sie einnehmen. Diese Liste sollte aktuell sein, wenn Sie sie Ihrem Arzt oder Apotheker zeigen.
An Hinweise zur Einnahme halten
Halten Sie sich an die Vorgaben Ihres Arztes oder Apothekers. Ändern Sie nicht ohne Rücksprache die empfohlene Dosierung, Häufigkeit, Dauer oder Art der Medikamenteneinnahme.
Schmerzmittel nicht selbst ergänzen
Wenn Sie Opioide einnehmen: Nehmen Sie keinesfalls eigenmächtig zusätzliche Tabletten oder andere Schmerzmittel.
Alles klar?
Vergewissern Sie sich, dass Sie alle Informationen Ihres Arztes oder Apothekers richtig verstanden haben und zögern Sie nicht, bei Bedarf nochmals nachzufragen.


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