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Geschrieben: 06. Oktober, 2015 in Osteoporose
 
 

Hals- und Beinbruch – Volkskrankheit ‚Osteoporose‘

Auch sportlich aktive Männer können an Osteoporose erkranken
Auch sportlich aktive Männer können an Osteoporose erkranken
Sabine L. hat einen wahren Knochenjob: Sie ist Altenpflegerin. Täglich betreut die 54-Jährige bettlägerige oder im Rollstuhl sitzende Patienten, die auf Hilfe angewiesen sind. Dabei bräuchte sie manchmal selbst Hilfe. Denn schon seit einiger Zeit hat sie Schmerzen im linken Knie, die das Laufen zur Qual machen. Auch Wandern kann sie kaum noch, dabei war das einmal ihr liebstes Hobby.

 

Fotoquellenangabe: MBST ® Kernspin

Als sie schließlich zum Arzt geht, bestätigen sich ihre Vermutungen: Der Arzt stellt eine Kniegelenksarthrose fest, eine extreme Abnutzung des Gelenks. Verursacht wurde sie wohl durch eine vorhergehende Osteoporose der Kniegelenke. Ihr werden Akupunktur, Schmerzmittel und Kniemanschetten verordnet. Doch die Beschwerden würden zunehmen, offenbart man ihr, ein künstliches Kniegelenk wäre letztlich nicht zu vermeiden.

Was ist Osteoporose?

Der Osteoporose liegt ein chronisch gestörter Knochenstoffwechsel zugrunde, durch den die Knochen porös und brüchig werden. Normalerweise werden unsere Knochen im Laufe des Lebens ständig auf- und abgebaut, je nach Alter und Belastung. Dabei überwiegt bis etwa zum 30. Lebensjahr der Knochenaufbau, ab dem 40. Lebensjahr dann der Knochenabbau. Bei der Osteoporose wird jedoch viel mehr Knochenmasse abgebaut, als normal wäre. Die Folge: poröse, instabile Knochen, die leicht brechen, und ein erhöhtes Risiko, an Arthrose zu erkranken.

Welche Gelenkgruppen sind betroffen?

Am häufigsten treten die Folgen einer Osteoporose in Form von Arthrosen bei den großen Gelenken des Körpers auf, beispielsweise der Hüfte oder der Schulter. Doch auch die kleinen Gelenke der Finger können betroffen sein. Dann bilden sich deutlich spürbare, knötchenähnliche Verdickungen an den Fingerend- oder den Fingermittelgelenken, die die Beweglichkeit weiter einschränken. Besonders morgens kann es eine Weile dauern, bis die Finger wieder einigermaßen aufgewärmt und gelenkig sind. Auf die Dauer werden jedoch auch einfachste Bewegungen, wie ein Glas halten oder jemandem die Hand schütteln, nur noch unter Schmerzen möglich.

Besonders die Arthrose der Fingergelenke hat häufig genetische Ursachen und ist nur selten die Folge einer Überlastung. Dabei ist zu bemerken, dass laut Statistik Frauen weitaus häufiger daran erkranken als Männer.

Osteoporose – eine Frauenkrankheit?

Achtzig Prozent der Osteoporose-Patienten sind Frauen. Daher galt die Osteoporose lange Zeit als eine ‚Frauenkrankheit‘. Besonders in den Wechseljahren tritt die Erkrankung vergleichsweise häufig auf, da das Knochengerüst durch die veränderte Hormonproduktion nicht mehr so gut mit Nährstoffen versorgt wird.

Von dieser Betrachtung der Frauenkrankheit ist man mittlerweile jedoch abgekommen. Schätzungen zufolge ist jeder fünfte Osteoporose-Patient heute männlich. Anders als bei den Frauen ist diese Osteoporose aber nicht primär, das heißt: keine Folge der Wechseljahre, sondern sekundär und somit anderen Erkrankungen geschuldet, zum Beispiel rheumatoider Arthritis oder einer Fehlfunktion der Nebenschilddrüse. Daher tritt sie bei Männern auch rund 10 Jahre später auf als bei Frauen.

Osteoporose als Volkskrankheit

Laut dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. leiden rund 6 Millionen Menschen an Osteoporose. Die genaue Zahl ist allerdings schwer zu bestimmen, da die Erkrankung häufig lange unerkannt bleibt. Tatsächlich werden vermutlich weniger als ein Viertel aller Fälle frühzeitig diagnostiziert und adäquat behandelt.

Auch die WHO beobachtet die Verbreitung der Osteoporose genau. Weltweit gilt sie als eine der zehn häufigsten Erkrankungen und belegt damit einen der ersten Plätze unter den Volkskrankheiten. In Europa soll die Zahl der Betroffenen bis 2025 um circa ein Viertel zunehmen, sich die Zahl der osteoporotischen Knochenbrüche bis 2050 vervierfachen. Um das gesellschaftliche Bewusstsein für die Knochengesundheit und die Prävention von Osteoporose zu schärfen, findet am 20. Oktober auch in diesem Jahr wieder der weltweite Osteoporose-Tag statt.

Therapiemöglichkeiten

Grundlage jeder Osteoporose-Therapie sind Calcium und Vitamin D. Calcium ist ein Baustein des Knochens, Vitamin D funktioniert als eine Art Katalysator: Es steigert die Calciumaufnahme und den Einbau davon in den Knochen. Trotzdem übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Calcium- und Vitamin-D-Medikamente nur in bestimmten Fällen. Informieren Sie sich daher gegebenenfalls bei Ihrer Versicherung.

Abhängig von der Schwere der Erkrankung kann der Einsatz von weiteren Medikamenten notwendig sein. So fördern einige Medikamente die Stabilität des Skeletts, die sogenannten Antiresorptiva, oder sie stimulieren den Knochenaufbau, die Osteoanabolika. Beide Arten können die Beschwerden Betroffener deutlich abmildern.

Absolut grundlegend für jede Therapie ist jedoch auch körperliches Training, mit dem Ziel, Muskelkraft und Koordination zu fördern. Denn unsere Stabilität erreichen wir nicht nur durch unser Knochengerüst, sondern auch durch die umgebenden Muskeln und Bänder. Empfehlenswert ist ein Training in der Gruppe in einem Fitness- bzw. Gesundheitsstudio. Dadurch man das Training nicht nur mehr Spaß, sondern es ist auch immer jemand da, den man bei Bedarf fragen kann, zum Beispiel wie genau man eine bestimmte Übung ausführt.

Eine neuartige Möglichkeit der Behandlung ist die Kernspinresonanz-Therapie. Nachdem das Prinzip der Kernspinresonanz nun schon seit vielen Jahren in der Medizin zur Diagnosestellung angewendet wurde, wird es nun auch zu Therapiezwecken eingesetzt. Die Kernspinresonanz-Therapie ist dabei ein eingriffs- und nebenwirkungsfreies Verfahren. Das Ziel ist es, den Knorpelverschleiß zu behandeln und damit mehr als nur die Symptome. Schmerzen werden durch die gezielte Anregung der Knorpelregeneration gelindert und die Beweglichkeit zurückerlangt. Außerdem erhält diese Therapie das Gelenk so lange wie möglich. Die Therapie ist bei jedem Gelenk einsetzbar: vom Hüftgelenk bis hin zu einzelnen Wirbeln.

Ein harter Knochen

Auch Sabine hört von der Möglichkeit einer Kernspinresonanz-Therapie. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Arzt unterzieht sie sich anderthalb Wochen lang jeden Tag einer Therapiesitzung. Schon kurz danach spürt sie eine leichte Verbesserung im Knie. Es dauert nur wenige Wochen, bis sie viele Bewegungen, die zuvor nur unter Schmerzen möglich waren, wieder schmerzfrei ausführen kann. Ausgedehnte Wanderungen in der Natur sind zwar noch immer nicht möglich, aber zumindest kann sie wieder spazieren gehen. Und sie hat den Mut wiedergewonnen. Schmerzmittel nimmt sie nur noch selten. Die Operation, die unausweichlich schien, ist erstmal verschoben.

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