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Geschrieben: 17. März, 2017 in Europa
 
 

Holland – Erholung an der Nordsee

Urlaub_Callantsoog 018
Urlaub_Callantsoog 018
Schäumende Brandung, glitzernder, weißer Sandstrand, romantische Sonnenuntergänge und Salzgeschmack auf den Lippen nach einem ausgiebigen Strandspaziergang – all das und noch viel mehr hat Nordholland seinen Urlaubern zu bieten. Den Helder, die Stadt an der Nordspitze, lockt mit drastischen Gegensätzen eines modernen Marinehafens, einem großen Museumsareal, Cap Holland genannt, Freizeitpark inklusive, und dann wieder typisch holländischen Gassen und Häusern aus Backsteinen mit großen Fenstern und wenig Gardinen, so dass der interessierte Spaziergänger tiefe Einblicke in Einrichtungs- und Lebensstil der Bewohner gewinnt. Besonders reizvoll ist ein abendlicher Gang durch die romantischen, überwiegend schmalen Straßen.

Fotoquelle: © Dr. Andrea Hammerl

 

Der Blick ins fremde Wohnzimmer

Ungerührt von etwaigen Zuschauern sitzen die Einheimischen im hell erleuchteten Wohnzimmer vor dem Fernseher, Jüngere, zumeist männlichen Geschlechts, oft sogar mit den Füßen auf dem Tisch. Peinlich? Keineswegs, eher andersherum. Der Betrachter fühlt sich irgendwie als Voyeur, und wagt nur mehr verstohlene Blicke. Die jedoch vom Gegenüber zumindest erlaubt sind. Warum es hier keine – oder nur sehr kurze – Gardinen vor den Fenstern gibt? Die junge Frau im Verkehrsvereinsbüro in Callantsoog ist zunächst überrascht von der Frage. Ja, warum eigentlich nicht? Darüber hat sie noch nicht nachgedacht. „Wir sind es so gewohnt“, meint Alexia van Klaveren achselzuckend. „Vielleicht wollen wir zeigen, was wir haben“, wirft ihre Kollegin lachend ein. Dagegen ist der dritten, etwas älteren Angestellten die Frage gut bekannt. Eine typisch deutsche Frage, die ihr auch auf Führungen durch Amsterdam immer wieder gestellt wurde. In Deutschland, so erzählt sie, hielte sich das hartnäckige Gerücht, früher habe es in Holland eine Gardinensteuer gegeben, aber das könne sie selbst nicht bestätigen, trotz des ausgiebigen Geschichtsunterrichts, den sie genossen habe.

Zweimal überflutet, dreimal wieder aufgebaut

Der kleine Ferienort Callantsoog, dem einer der schönsten Strände an der Westküste Hollands nachgesagt wird, blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Zweimal hat die See den Ort zerstört, und immer wieder haben sich die Menschen trotzig widersetzt und ihn neu aufgebaut. Der dritte Ort desselben Namens teilt sich heute in den touristisch wirkenden „Doorpsweg“ mit Läden sowie Restaurants und das eher verschlafen-friedlich wirkende Dorf dahinter auf. Hier hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert. Es dominieren kleine, schnuckelige Häuser, adrett mit ebenso ordentlichen, hübsch angelegten Vorgärten, schmale, saubere Straßen und Spielplätze für die Kinder.

Am Strand sind in der gleichen Zeit wie der Ort die Molen – damals bei Ebbe weit aus dem Wasser ragend und auch bei Flut gut zu erkennen – von Sand überlagert worden. Den herrlichen Sandstrand genießen vor allem Familien mit jüngeren Kindern. Kein Wunder, hier gibt es reichlich Platz, um Sandburgen zu bauen, bei Ebbe Boccia auf der freigelegten und wunderbar glatten Sandbank zu spielen und sich richtig auszubreiten. Handys, die Plage der italienischen Adriastrände, sind zwar vertreten, aber wo jeder mindestens fünf bis zehn Meter Abstand zum Nachbarn hält, stört sich niemand daran. Auch Hund und Herrchen finden hier ihr Paradies. Zwar sind Hunde nur tagsüber und angeleint erlaubt, doch daran hält sich keiner – was auch nicht weiter stört.

Abenteuer im Marinemuseum

Bei Regenwetter haben Strand, Wind und Brandung zwar auch ihren Reiz, aber trockener und gemütlicher geht es dann im Museumsareal Cap Holland in Den Helder zu. Im Marinemuseum ist alles über die Geschichte der holländischen Seefahrt zu erfahren und interaktiv zu begreifen. Selbst jüngere Kinder fasziniert der Gang durch das U-Boot mit Blick in die Torpedorohre oder durch das Seerohr. Im Laderaum des Minensuchers Abraham Crijnssen sitzt ein alter Seebär und bringt den Besucherkindern Knoten bei. Nicht nur seine Fingerfertigkeit fasziniert, sondern auch und noch viel mehr seine Sprüche: „Wer nicht mindestens 22 Knoten beherrscht, hat mit dem Schiff nichts zu tun, der soll Fahrradfahren.“ Die Abraham Crijnssen ist so etwas wie ein Nationalheld unter den holländischen Schiffen. Gelang es doch ihrem Kapitän Antonie van Mieft, als die Japaner Holländisch-Ostindien eroberten, der Gefangennahme zu entkommen, indem er das Schiff als schwimmende Insel tarnte. Neun Tage währte die Flucht, während derer die Verkleidung immer wieder auf die Probe gestellt wurde, bis die Abraham Crijnssen am 15. März 1942 in Geraldton/Australien einlief.

Bummeln über den Wochenmarkt

Zurück in der Gegenwart: Wochenmarkt in Den Helder. Blumen, Fisch, Käse, Obst – das Warenangebot entspricht den Erwartungen, vom Seifenstand und etlichen Textilienanbietern mal abgesehen. Beim Westfriese Kaashandel schneidet die junge Verkäuferin geduldig kleine Kostproben von verschiedenen Käselaiben ab, bis eine der älteren Dame mundet und sie ein Stück davon kauft. Der Anblick eisgekühlter, ganzer Fische am Vishandel ist da schon gewöhnungsbedürftiger. Keine Berührungsängste hat eine Japanerin, die forsch eine Krabbe in die Hand nimmt und ihrem Sohn etwas dazu erzählt. Ob Kochrezept oder Einführung in die Zoologie – das bleibt ihr Geheimnis.

Reizvoll auch die schmalen Einkaufsgassen, die seitlich von der Marktstraße abzweigen. In „De Kabouterboutique“ gibt es „2de hands Dames, Heren und Kinder Kleding“ zu erwerben, und der Gezondheitswinkel bietet alles für die Körperpflege und – wie der Name sagt – die Gesundheit. Geschriebenes Holländisch ist ganz leicht zu übersetzen, mit dem gesprochenen Wort ist das deutlich schwieriger. Aber die freundlichen Niederländer sprechen ja überwiegend auch Deutsch mit den Urlaubern.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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