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Geschrieben: 25. April, 2016 in Tiere & Umwelt
 
 

Husten beim Pferd meist allergisch bedingt

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Husten ist bei Pferden immer wieder Thema, ganz besonders in Winter und Frühjahr. Was weniger an den kühleren Temperaturen liegt als vielmehr an der Futterqualität. Denn sehr häufig handelt es sich um allergischen Husten, seltener um Infektionen. Bakterien und Viren haben natürlich bei einem allergisch vorgeschädigten Atemapparat besonders gute Chancen.

 

Husten bei Pferden, Fotoquelle: 123RF

„2014/15 war ein ganz schlimmes Hustenjahr“, erzählt Helen Benz, die in Niederkirchen eine mobile Pferdepraxis betreibt. Die schlechte Ernte im Sommer bedingte eine schlechte Heu- und Strohqualität, was dann in der kalten Jahreszeit voll durchschlug.

Viele Pferde leiden an einer Heustauballergie, Ursache sind neben dem Staub auch darin enthaltene Schimmelpilze. Verstärkt wird das Problem, das bei trockenem Futter wie Heu ohnehin gegeben ist, wenn Pferde in schlecht belüfteten Ställen stehen. „Dem Reiter ist kalt, nicht dem Pferd“, regt die Tierärztin zum Nachdenken an, warum Stallfenster häufig geschlossen bleiben. Die Folge ist staubige Stallluft, die empfindlichen Pferden Probleme bereitet. Die Heuqualität sinke immer mehr, weil die Wiesen weniger hergeben, beobachtet Benz seit einigen Jahren. „Wenn die Pferde ihre Nase in staubiges Heu hineinstecken, dann atmen sie den Staub ein“, erklärt die Tierärztin. Dennoch ist allergischer Husten kein unabwendbares Schicksal. Trotz tendenziell sehr schlechter Heuqualität hat sie auch im vergangenen Jahr Ställe erlebt, in denen die Tiere gesund waren – unabhängig davon, ob es sich um Offenställe oder herkömmliche Boxenställe handelte.

Futter umstellen und Haltung optimieren

Hustende Pferde sollten auf jeden Fall kein trockenes Heu mehr bekommen, sondern schnellstmöglich auf Heulage umgestellt werden. Alternativ ist es möglich, das Heu anzufeuchten. Bekommen die Pferde in den Nachbarboxen allerdings weiterhin Heu, so wird das kranke Tier ebenfalls weiter dem Staub ausgesetzt – wenn möglich, sollte daher der ganze Stall oder wenigstens die benachbarten Tiere umgestellt werden.

Besser als auf Stroh werden Allergiker auf Spänen aufgestallt. Bewegung ist sinnvoll und notwendig, sofern es sich tatsächlich um rein allergischen Husten handelt. Normales Reiten ist dann sehr wohl möglich, wenn auch kein Leistungssport. Sobald das Allgemeinbefinden des Tieres gestört ist, es Fieber hat und der Tierarzt beim Auskultieren Schleim in den Bronchen beziehungsweise in der Lunge feststellt, dann muss es zunächst geschont werden – wie bei jeder Infektion. Leichte Bewegung aber ist auch dann sinnvoll, um das Abhusten des Schleims zu erleichtern. „Beim Stehen staut sich alles in der Lunge“, erklärt die Fachfrau, weshalb leichte Arbeit wie abtraben lassen, durchaus angebracht sei.

Ob – speziell bei Robusthaltung – eine Decke sinnvoll ist, hängt vom Pferd ab. Pferde, die vor Kälte zittern, sollten natürlich eine bekommen, ebenso arthritische ältere Tiere. Regendecken machen Sinn, wenn ein Pferd hustet und Fieber hat, denn natürlich abstrahieren die Tiere nicht selber den Zusammenhang zwischen Nasswerden und ihrem Husten. Andererseits muss der Halter bei Pferden mit dichtem Winterfell aufpassen, dass sie unter der Decke nicht schwitzen – dann würde die Decke mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Alternative Heilmethoden kosten Zeit, lohnen aber

Influenzaviren und Herpesviren sind die wichtigsten viralen Erreger, die allerdings dank eines guten Impfschemas in den vergangenen Jahren kaum eine mehr Rolle spielten. Wie sich das heuer entwickeln wird, sieht Benz skeptisch, denn beim Herpes-Impfstoff bestehen derzeit Lieferprobleme. Bis sich Impflücken auswirken, kann es aufgrund von Restimmunität aber auch noch eine Weile dauern. Sind die Lungen erst einmal angegriffen, sei es durch Viren, sei es durch Allergien, dann setzen sich Bakterien leicht fest. Typische Erreger bakterieller Infektionen sind die Eitererreger Staphylokokken und Streptokokken, die ubiquitär, also überall in der Umwelt, vorkommen und in dem Moment zuschlagen, sobald das Immunsystem angegriffen ist. „Antibiotika setzen wir nur dann ein, wenn der Keim nachgewiesen ist und ein Antibiogramm seine Empfindlichkeit gegenüber dem Antibiotikum gezeigt hat“, stellt Benz klar. Auch mit Kortison wird heute deutlich vorsichtiger umgegangen als noch vor einigen Jahren. Da habe sich viel getan in der Tiermedizin. Bei manchen Tieren gehe es allerdings nicht ohne Kortison. Alternativ können zunächst Methoden wie Homöopathie, Akupunktur, Chiropraktik und Osteopathie probiert werden, um die Symptome zu lindern. Ganz oben auf der Prioritätenliste aber steht die Haltung zu optimieren. „Ein Huster bedeutet immer viel Management für den Besitzer“, unterstreicht die Tierärztin. Doch es lohne sich, wenn der Besitzer dahinterstehe und die Therapie auch mit regelmäßigem Inhalieren tatkräftig unterstütze. 80 Prozent der Tiere zeigen dann Behandlungserfolge. Ob Heilung möglich ist, hängt vom Zeitpunkt ab, an dem die Therapie begonnen wurde. Ein jahrelang mit Schleimlösern vorbehandeltes Tier, das nie auf die Ursache des Hustens untersucht und behandelt wurde und dessen Haltung nicht optimiert wurde, hat eine deutlich schlechtere Prognose als ein frühzeitig nach ätiologischen Gesichtspunkten gezielt therapiertes Pferd.

Die früher gefürchtete Dämpfigkeit, wie die chronische obstruktive Atemwegserkrankung im Volksmund genannt wird, ist selten geworden. Nur etwa eins von 300 wegen Hustens in ihrer Praxis vorgestellter Pferde sei betroffen, schätzt Benz.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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