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Geschrieben: 22. Mai, 2015 in Gesundheit | Therapien
 
 

IGeL: Nach wie vor umstrittene Zusatzleistungen

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Entspricht die Standardtherapie beim Mediziner allen Ansprüchen? Und senken ergänzende Untersuchungen die Gefahr, an Krebs zu sterben? Dies sind Fragen, die auf Kassenpatienten zukommen, wenn individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) in Erscheinung treten. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für diese Zusatztherapien nicht auf, meistens deshalb, weil ihre Wirkung nicht eindeutig nachgewiesen ist.

IGeL werden oft schon im Wartezimmer angeboten, Fotoquelle: 123RF

Auf der Internetseite „IGeL-Ärger“ können sich Betroffene äußern, die das Gefühl haben, von ihrem Mediziner betrogen worden zu sein. „Uns war es wichtig, Beschwerden zu sammeln, um sie systematisch auswerten zu können“, erklärt Christiane Lange von der Verbraucherzentrale NRW. (Quelle: spiegel.de) Das Feedback sei groß, über tausend Beschwerden habe es gegeben, seit die Webseite vor etwa einem halben Jahr online gegangen ist. Die Verbraucherzentrale steht den  Betroffenen mit rechtlichen Ratschlägen zur Seite und leitet bei medizinischen Fragestellungen an den IGeL-Monitor des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDS) weiter.

Tragweite der zusätzlichen Analysen erscheint fragwürdig

Die Angebote, mit denen zur Kasse gebeten wird, haben sich laut Lange in den vergangenen Jahren nicht verändert: Zusatzleistungen zur Krebsfrüherkennung beim Dermatologen, Gynäkologen oder Urologen, die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt, oder die Glaukom-Früherkennung beim Augenarzt. Über die Tragweite der Analysen scheiden sich die Geister: Ein stärkerer Augeninnendruck beispielsweise kann, muss aber nicht ein Anzeichen eines Glaukoms sein. Auch die ergänzenden Rechnungen, die manche Hautärzte bei der Früherkennung von Hauttumoren stellen, halten die Krankenkassen für dubios.

Was seit kurzem erst gängig ist, ist dass Mediziner und Praxismitarbeiter mit Nachdruck versuchen, Betroffenen die IGeL aufzuhalsen. So erhalten Erkrankte schon vor der medizinischen Analyse im Wartezimmer Formulare, auf denen sie IGeL-Angebote wie auf einer Menükarte im Restaurant bestellen sollen. Wird keines der Angebote ausgewählt, werden Mediziner und Mitarbeiter schon mal unfreundlich, so schildern es Betroffene auf der Internetseite „IGeL-Ärger“.

Informationshefte werten Kassenleistungen ab

„Viele sind verängstigt, weil suggeriert wird, dass die IGeL-Angebote notwendig seien“, erläutert Lange. Beispielsweise würden in Informationsheften, die in den Wartezimmern ausliegen, Leistungen der Krankenkassen durch die Blume abgewertet. „Bei IGeL hingegen wird meist nur der Nutzen hervorgehoben.“ Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), erkennt trotz des starken Feedbacks „keinen Bedarf“ für eine Internetseite wie die der Verbraucherzentrale. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Ärzte korrekt informieren.“ Die Verbraucherschützerin Lange sieht das anders: „Patienten sollten nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass alles, was vom Arzt angeboten wird, auch notwendig ist.“

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