0
Geschrieben: 14. November, 2014 in Aktuelles | Gesundheit
 
 

Immer noch wenig Vertrauen in die Organspende

23215483_M
23215483_M
Obwohl es im Jahr 2014 nur noch 3000 postmortale Organspenden geben wird, sehen Transplantationsärzte einen Hoffnungsschimmer. Offensichtlich hat der Rückwärtstrend sein absolutes Tief erreicht. Wenn die momentane Tendenz weiter besteht, werden 2014 genauso viele postmortale Organspenden durchgeführt werden wie im Jahr 2013. Insbesondere im Osten Deutschlands ist eine eine positive Tendenz erkennbar.

2014 wird es nicht mehr Organspenden als im Vorjahr geben, Fotoquelle: 123RF

„Allerdings waren es im Jahr 2010 bundesweit noch 4200 Organspenden“, erklärte Axel Rahmel, der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) beim Jahreskongress der DSO in Frankfurt (Quelle: sueddeutsche.de). Seiner Ansicht nach ist der Abwärtstrend bei den Spenden um ungefähr ein Drittel hauptsächlich eine Folge des Transplantationsskandals, bei dem Ärzte bestimmte Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan vorgezogen hatten. Mittlerweile stimmen Familienmitglieder öfter einer Organentnahme ihrer verstorbenen Angehörigen zu. „Aber ich mache mir keine Illusionen, es ist ein langer Weg, das Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende wiederherzustellen.“, erklärt Rahmel.

Kritik an der Werbekampagne für Organspenden

Noch vor einigen Jahren wurde die DSO dafür kritisiert, für Organspenden zu werben. Die Treuhandstiftung „Fürs Leben“, die ein Teil der DSO ist, ermutigte beispielsweise Menschen mit Hilfe einer Promi-Kampagne zur Organspende. Nun will die DSO die Verbindung zu dieser Stiftung aufheben. Der Vorstand der DSO möchte sich auch aus dem Bereich der Hirntodfeststellung zurückziehen, da er hier einen möglichen Konflikt der Interessen vermutet. Wenn Medizinern die nötige Erfahrung in diesem Bereich fehlt, ist es momentan so, dass DSO-Mitarbeiter bei der Diagnostik einspringen, indem sie einen neutralen Neurologen kontaktieren.

Zum Beginn des Jahres wurde bekannt, dass nicht selten Missgeschicke bei der Feststellung des Hirntodes passieren. Laut DSO-internen Berichten mussten DSO-Mitarbeiter in zahlreichen Situationen Mediziner darauf hinweisen, dass diese den Hirntod nicht richtig ermitteltt hatten. Die DSO hat nun gemeinsam mit der Bundesärztekammer neue Richtlinien für die Hirntodfeststellung erarbeitet. Laut Rahmel gibt es beispielsweise Verbesserungsmöglichkeiten im Rahmen einer adäquaten Dokumentation und bezüglich klarer Regeln für die Qualifikation der Untersucher, die für die Feststellung des Hirntods verantwortlich sind.

Gründe für den Rückgang

Ein Sinken der Anzahl von Verkehrstoten könnte ein Grund für die ebenfalls sinkenden Organspenden sein. Denn auf diese Weise sinkt auch die Anzahl der Menschen, die an Hirntod sterben. Dieser stellt eine Grundvoraussetzung für eine Organspende in Deutschland dar. Auch die gesteigerten neurochirurgischen Eingriffe verringern die Wahrscheinlichkeit eines Hirntodes, da Betroffene mit starken Hirnproblemen heute im Gegensatz zu früher durchaus geheilt werden können. Letztlich verweigern immer mehr Patienten durch Verfügungen intensivmedizinische Eingriffe am Ende ihres Lebens. Ohne diese Eingriffe kann der Hirntod aber nicht ermittelt werden.

War dieser Artikel hilfreich? Bewerten Sie Ihn.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Keine Bewertung bisher)
Loading...