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Geschrieben: 09. Dezember, 2006 in Impfungen
 
 

Impfung gegen Herpes zoster

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Von interdisziplinärem Expertengremium empfohlen

Die Impfung gegen Gürtelrose wird zur Primärprävention für über 60-Jährige empfohlen, da sie die Inzidenz von Herpes zoster (Gürtelrose) und postherpetischer Neuralgie (PHN), eine der häufigsten Komplikationen, signifikant reduzieren kann.

Bläschen, die durch Herpes zoster in der Hand und den Arm eines Kindes verursachten

So lautet die wichtigste Schlussfolgerung des interdisziplinären Gremiums namhafter Experten* der Fachrichtungen Dermatologie, Epidemiologie, Geriatrie, Gesundheitsökonomie, Schmerztherapie und Virologie. Die Expertenrunde stellt in einem jetzt neu erschienenen Positionspapier einen Überblick zum aktuellen Stand der Prophylaxe und Therapie der Gürtelrose vor. Der weltweit erste Impfstoff zur Prävention von Gürtelrose und PHN steht in Deutschland voraussichtlich 2007 zur Verfügung. Häufigkeit und Schwere von Gürtelrose sowie das PHN-Risiko lassen sich mit dem Impfstoff mehr als halbieren.1 „Beim Herpes zoster sind schwere Komplikationen vor allem in Form von langwierigen Schmerzen besonders gefürchtet. Mit der Impfung haben wir erstmals die Möglichkeit, die Inzidenz des Zoster und der PHN sowie die Schwere und Dauer der Zoster-assoziierten Schmerzen signifikant zu reduzieren. Auch unter gesundheitsökonomischen Aspekten ist die Impfung von großer Bedeutung: 95 Prozent der deutschen Erwachsenen sind Varicella-Zoster-Virusträger und damit gefährdet, an Herpes zoster zu erkranken“, so Prof. Dr. Peter Wutzler, Virologe und Vorsitzender des Gremiums.

Herpes zoster wird ausgelöst durch die Reaktivierung des latent in den Ganglienzellen persistierenden Varicella-Zoster-Virus (VZV).2 Die Erstinfektion, die sich klinisch als Varizellen manifestiert, findet meistens im Kindesalter statt.2 Herpes zoster ist dagegen eine Erkrankung, die vor allem Menschen ab 50 Jahren betrifft.3 Sie beruht auf der altersbedingten Abnahme der VZV-spezifischen Immunität. Wenn das Abwehrsystem die Reaktivierung der Viren nicht mehr ausreichend kontrolliert, kann es zu Herpes zoster kommen.4 „Jährlich erkranken in Deutschland etwa 350.000 Menschen an Zoster. Wegen der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung muss mit einer weiteren Zunahme der Fallzahlen gerechnet werden“, prognostiziert Wutzler.5

Folgeerkrankung PHN – Schmerzsymptomatik über Monate und Jahre

Häufigste Folgeerkrankung ist die sehr schmerzhafte und schwer therapierbare postherpetische Neuralgie6, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt7. Hier verursacht das Virus partielle Nervenläsionen, die diese anhaltenden oder spontan wiederkehrenden neuropathischen Schmerzen hervorrufen. Viele Patienten leiden an typischen sensorischen Symptomen: Dazu gehören Schmerzen, die ohne äußeren Reiz auftreten und von brennendem Charakter sein können.8 Die Schmerzsymptomatik der PHN kann Monate bis Jahre andauern.7
Die frühzeitige Behandlung des Herpes zoster mit systemischen Virustatika möglichst innerhalb von 72 Stunden und Analgetika kann die Schwere und Dauer der Akuterkrankung sowie das Komplikations- und PHN-Risiko mindern.5 Aber selbst bei optimaler Therapie ist eine PHN häufig nicht zu verhindern6: 20 bis 30 Prozent der über 50-jährigen Betroffenen geben ein Jahr nach Auftreten des Herpes zoster noch Schmerzen an, trotz adäquater antiviraler Medikation.7

In einer der größten klinischen Studien in der Geschichte der Erwachsenen-Impfstoffe, der Shingles Prevention Study, mit 38.546 Menschen im Alter über 60 Jahre, ist der Zoster-Impfstoff randomisiert und doppelblind gegen Placebo geprüft worden. Der Impfstoff konnte die Inzidenz von Herpes zoster und PHN sowie Stärke und Dauer der Nervenschmerzen signifikant reduzieren.1 Der Impfstoff senkte die Herpes zoster-Häufigkeit um 51 Prozent. Das PHN-Risiko wurde um 67 Prozent reduziert. Generell wurde der Impfstoff gut vertragen. Als Nebenwirkungen traten vor allem lokale Reaktionen an der Injektionsstelle auf.1

Fazit der Experten

  • Längst haben die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung und der demographische Wandel den Herpes zoster und die PHN zu einem Problem mit zunehmender gesundheitspolitischer Bedeutung gemacht.
  • Die frühzeitige Behandlung mit systemischen Virustatika und Analgetika kann die Schwere und Dauer der Akuterkrankung sowie das Komplikations- und PHN-Risiko mindern. Selbst bei optimaler antiviraler und analgetischer Therapie ist eine PHN jedoch häufig nicht zu verhindern.
  • Die präventive Anwendung des Zoster-Impfstoffs kann die Inzidenz des Zoster und der postherpetischen Neuralgie bei über 60-Jährigen signifikant reduzieren.
  • Auf Basis dieser Studienergebnisse ist die Impfung gegen Herpes zoster als Primärprävention für diesen Personenkreis zu empfehlen.

Referenzen

  • 1. Oxman MN et al. A Vaccine to Prevent Herpes Zoster and Postherpetic Neuralgia in Older adults. N Engl J Med 2005;352:2271-2284.
  • 2. Gershon A, Silverstein S. Live attenuated Varicella Vaccine for Prevention of Herpes Zoster. Biologicals 1997 25:227-230.
  • 3. Hope-Simpson RE. Postherpetic neuralgia. J R Coll Gen Practitioners 1975;25:571-575.
  • 4. Schmader K. Herpes Zoster in Older Adults. Clin Infect Dis 2001;32:1481-1486.
  • 5. Wutzler P. Zoster. In: Sauerbrei A, Wutzler P, eds. Varizella-Zoster-Virus-Infektionen: Aktuelle Prophylaxe und Therapie. 1st Ed. Bremen: UNI-MED; 2004. p. 56-67.
  • 6. Johnson RW, Dworkin RH. Treatment of herpes zoster and postherpetic neuralgia. Br Med J 2003;326:748-750.
  • 7. Kempf W, Conradi B, Lautenschlager S. Herpes genitalis und Herpes Zoster. Schweiz Med Forum 2002;14:324-330.
  • 8. Malin JP. Die postzosterische Neuralgie – Weiterhin ein therapeutisches Problem. Deutsches Ärzteblatt 1996;19:1269-72.
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