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Geschrieben: 08. September, 2016 in Europa | Reisetipps
 
 

Irland – die grüne Insel ist eine Reise wert!

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Stimmt, die Farben sind kitschig. Das Gras giftgrün, der Himmel wunderbar blau – wenn es grade mal nicht regnet. Doch dem Regen verdankt die grüne Insel genau diese üppigen Farben, Blütenmeere und sattes Gras. Irland ist immer eine Reise wert, auch wenn es längst nicht mehr als Geheimtipp gelten kann. Die klassische Rundreise ist touristisch voll erschlossen und entsprechend gut besucht.

 

Irland – Ring of Kerry, Fotoquelle: (c) Dr. Andrea Hammerl

Die Weltkugel vor der neuen Bibliothek, College Campus, Dublin

Die Weltkugel vor der neuen Bibliothek, College Campus, Dublin

Faszinierende Naturschauspiele

Faszinierende Naturschauspiele

Klosteranlage Clonmacnoise

Klosteranlage Clonmacnoise

Doch wer Irland besucht, der will eben auch die Sehenswürdigkeiten des Ring of Kerry gesehen haben. Also hilft nur eines: Früh aufstehen. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt Reiseleiterin Sue Ernst resolut und erwartet ihre Schäflein pünktlich, spätestens um 8 Uhr früh reisefertig am Bus. Der Ring of Kerry darf von Bussen nur in einer Richtung befahren werden, da die Straße streckenweise so eng ist, dass zwei Busse im Gegenverkehr nicht aneinander vorbeikämen. Was bedeutet, dass die ersten Reisegruppen stets der Meute voran bleiben und in vergleichsweise ruhiger Atmosphäre die Stopps genießen können. Steil abfallende Klippen, zerklüftete Küstenabschnitte, malerische Buchten und kleine Strände bestimmen das Landschaftsbild hier. Herrliche Fotomotive bieten die Klippen – für findige Fotografen auch ohne risikoreiche Klettertouren. Wer es zarter mag, der macht sich auf die Suche nach zauberhaften Pflänzchen, deren zarte Blüten vorwitzig aus den Felsspalten hervorlugen.

Tief eintauchen in die Geschichte

Die Geschichte des Christentums ist eng mit Irland verbunden, denn es waren iroschottische Mönche, die als Missionare für die Christianisierung Mittel- und Westeuropas im sechsten bis achten Jahrhundert sorgten – und das obgleich Irland niemals zum römischen Reich gehört hatte. Wer die Klosteranlage Clonmacnoise besucht, die im Jahr 534 durch St Ciarán gegründet wurde, kann sich in der beeindruckenden Ruinenanlage auf Spurensuche begeben. Die Anlage beeindruckt mit mehreren Kapellenbauten und rund 600 Überresten von Kreuzen auf dem die Kathedrale umgebenden Gelände. So manches gehört ins Reich des Aberglaubens, wie die Säule mit dem Bild einer Fruchtbarkeitsgöttin. „Frauen, die unfruchtbar sind, und sich daruntersetzen, sollen innerhalb eines Jahres ein Kind gebären“, erzählt Sue. Sie hat jede Menge Geschichten auf Lager. Von der Kuh beispielsweise, die St. Ciarán mitbrachte, als er Clonmacnoise gründete und der erste Abt wurde. Sie soll so viel Milch gegeben haben, dass es für alle Klosterbewohner ausreichte. Nach ihrem Tod wurde ihre Haut gegerbt und aufgehoben. „Wer darauf schlief, so hieß es, bleibe vom Fegefeuer verschont“, weiß die Reiseleiterin. Dass Ciarán‘s Chapel schief steht, begründet sie mit dem Glauben, dass die Erde hier eine gute Ernte verspreche – weshalb viele Besucher Erde mitnahmen, was die kleine Kapelle in Schieflage brachte. Während Sue erzählt, tropft der Regen von den Schirmen, was die gute Laune der Touristen aber kaum trübt. Irgendwie passt es zu diesem Ort. Außerdem gehen die Schauer meist schnell vorüber und dann lacht wieder die Sonne – bis zum nächsten Guss.

Land und Leute

Beim Ausflug auf die Halbinsel Connemara lernen wir den „irischen Stau“ kennen. Und das gleich mehrmals, denn hier gibt es noch viele Wanderschäfer. Wenn die Schafe auf der Straße unterwegs sind, geht erst einmal gar nichts mehr. Dafür schwärmt uns Sue vom Irish Stew vor, für das Fleisch eines alten Hammels in ein Zentimeter große Stücke geschnitten und in Hammelfett und Zwiebeln angebraten wird. Alle Gemüse, die der Boden hergibt wie Möhren, Gelbwurz und Porree, kommen mit hinein in den Stew, zu dem Kartoffelpüree serviert wird. Kartoffeln sind Grundnahrungsmittel in Irland. Kein Wunder, denn die milden Temperaturen, bedingt durch Ausläufer des Golfstroms, ermöglichen nicht nur, dass die Fuchsien im Freien überwintern und riesige, herrlich blühende Stauden bilden, sondern auch drei Kartoffelernten im Jahr. „Bin ich froh, dass ich nur einmal ernten muss“, kommentiert Reiseteilnehmer Gerhard, seines Zeichens Landwirt aus Bayern, diese Information. Höhepunkt und Abschluss des Tages in Connemara bildet der Besuch von Kylemore Abbey samt den dazugehörigen viktorianischen Gärten, der Walled Gardens. Die werden so genannt, weil sie von Mauern umgeben sind. Das Schloss, das wie ein verwunschenes Märchenschloss aus einem Walt-Disney-Film aussieht, wurde von 1867 bis 1871 von Mitchell und Margaret Henry für ihre Familie mit elf Kindern erbaut. 1920 erwarben Benediktinerinnen das Schloss und betrieben dort bis 2010 ein Mädcheninternat für Schülerinnen aus aller Welt.

Auf einem ehemaligen Handelsplatz der Wikinger wurde Bunratty Castle im 13. Jahrhundert gebaut. Das normannische Schloss gibt wie später der Rock of Cashel interessante Einblicke in die Historie der irischen Familienclans, in Fehden und Kriege. Viel zu wenig Zeit bleibt, um durch die historischen Dorfstraßen von Bunratty Folk Park zu schlendern, Polizisten in historischen Uniformen zu begegnen, Handwerkern bei ihrer traditionellen Arbeit über die Schulter zu schauen oder Schulunterricht von anno dazumal mitzuerleben.

Cliffs of Moher

Cliffs of Moher

An den atemberaubenden Cliffs of Moher erfreuen wir uns wieder frühmorgens und daher einigermaßen alleine – und begegnen auf dem Abstieg den hinaufströmenden Touristenmassen. Zwischendurch genießen wir einen Original Irish Coffee, gelegentlich Fish and Chips, und ein Irisher Abend darf natürlich auch nicht fehlen. Empfehlenswerter aber als die durchorganisierten Touristenabende sind schlichte Bummel durchs Irische Nachtleben – von Pub zu Pub, was besonders in Dublin mehr als abendfüllend sein kann.

 

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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