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Geschrieben: 26. August, 2016 in Reisetipps
 
 

Karneid – Das erste Europäische Sternendorf

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Auf dem Berg ist der Mensch dem Himmel näher. Wer Planeten und Sterne beobachten oder neue Asteroiden entdecken will, baut seine Sternwarte möglichst hoch oben. Und fernab von Städten und der von ihnen verursachten Lichtverschmutzung. Wie groß die ist, zeigt Dr. David Gruber im Planetarium Südtirol interessierten Besuchern.

 

Sternendorf Karneid

Ein Klick und der Himmel über den in (fast zu) bequemen Sesseln Sitzenden zeigt plötzlich – mit ausgeschalteter Lichtverschmutzung – eine Menge mehr Sterne und vor allem leuchtet jeder Einzelne heller. Das Planetarium simuliert den Himmel über Südtirol. Und zwar zu beliebigem Zeitpunkt innerhalb von rund 6000 Jahren – ob Vergangenheit oder Zukunft. „Ich muss nur Datum und Zeit eingeben, damit lässt sich alles ausrechnen“, erklärt der promovierte Astrophysiker und nimmt seine Zuschauer mit auf eine spannende Zeitreise – nach Wahl in Vergangenheit oder Zukunft. Es muss nicht unbedingt die Zeit Cäsars oder Karls des Großen sein – für diesmal reicht auch, ein paar Stunden in die Zukunft zu schauen und den Weg der Sterne über dem Südtiroler Himmel zu beobachten. Gruber hilft bei der Orientierung und benennt neben dem Mond zunächst Jupiter und Mars. Mit dem Klick, der die Lichtverschmutzung des nahegelegenen Bozen verschwinden lässt, wird die Milchstraße der eigenen Galaxie deutlich besser sichtbar, und die weiter entfernte Milchstraße der Andromeda-Galaxie überhaupt erst erkennbar. Der junge Wissenschaftler kann spannend erzählen und seine Zuhörer mitreißen, wenn er von Sternen-Altersheimen, den Kugelsternhaufen, von Schwarzen Löchern und einem Exoplaneten namens „Poltergeist“ berichtet. Sternzeichen wären ohne die Linien, die er einblendet, kaum zu finden. 88 gibt es insgesamt und es gehört jede Menge Fantasie dazu, Fuchs, Schwan, Schlange, Kassiopeia oder Herkules zu erkennen. Die Waage, so erzählt Gruber, hätten die Römer erfunden, um sie der Jungfrau zuzugesellen, die den Römern als „Justitia“, Göttin der Gerechtigkeit, galt. Bei den alten Babyloniern dagegen gehörten die Sterne der Waage schlicht zum Sternbild Skorpion.

Mit 3D ins Weltall reisen

SternendorfRaumschiff Enterprise lässt grüßen, wenn Gruber 3D-Brillen verteilt, um mit den bis zu 53 Gästen auf eine Weltraumreise zu starten. Kein Film läuft hier ab, sondern eine virtuelle Kamera lässt nach dem Countdown und Start auf der Erde den Stiefel Italiens immer kleiner werden und nimmt Fahrt Richtung Mars auf, der derzeit von Robotern bewohnt wird. Mit dem Trailer „Down of the Space Age“ gibt er abschließend noch einen Einblick in die Fantasy-3D-Programme „Robot explorers“.

Mit Planetarium, Sternwarte, Planetenweg und dem ab diesem Sommer neuen „Weg der Sterne“ hat die Gemeinde Karneid mit ihren Ortsteilen Breien, Blumau, Steinegg, Gummer und Kardaun ein faszinierendes Angebot nicht nur für Astronomie-Fans, sondern gewiss auch für Familien. Eltern dürfte es deutlich leichter fallen, ihre Kinder für eine Wanderung mit Erlebnischarakter zu motivieren, als einfach „nur“ auf den Berg zu gehen. Erlebnisangebote aller Art gibt es nahezu überall in den Urlaubsregionen, ein vergleichbares astronomisches jedoch nicht. Dafür wurde Karneid von der EU als „Erstes Europäisches Sternendorf“ ausgezeichnet.

Sonne, Mond und Sterne beobachten

Die Sternwarte „Max Valier“ (benannt nach Südtirols bedeutendstem Raktetenforscher) wurde bereits 2001 vom Amateurastronomen-Verein „Max Vallier“ errichtet und ist bis heute die einzige öffentliche Volkssternwarte Südtirols. Das 3500 Kilogramm schwere Hauptteleskop ermöglicht atemberaubende Einblicke in Südtirols Nachthimmel – und zwar live, im Gegensatz zur Simulation im Planetarium. Etwas unterhalb der großen Kuppel steht eine zweite, kleinere. Das nach Peter Anich, einem Südtiroler Geodäten des 18. Jahrhunderts, benannte Sonnenobservatorium ermöglicht es, mächtige Sonnenflecken, gewaltige Sonnenstürme und riesige Protuberanzen zu entdecken.

Die unendlichen Weiten des Weltalls lassen sich auf dem Planetenweg, der an der Sternwarte beginnt, ein wenig nachempfinden. Ausgangspunkt ist die Sternwarte „Max Valier“. Sie stellt die Sonne dar, dem nur wenige Meter entfernt die Infotafel des Merkur folgt. In Sichtweite, am Gasthof Unteregger, sind Informationen zur Venus und zur Erde zu finden und zum Mars sind es ebenfalls nur wenige Schritte. Doch wer meint, es ginge so weiter, hat sich getäuscht. Denn die Planeteninfotafeln sind im korrekten Abstand zueinander aufgestellt, wenn auch im Maßstab Eins zu einer Milliarde. Jupiter begegnen die Wanderer also erst nach 780 Metern, Saturn nach 1,4 Kilometern und als letztem schließlich Pluto nach rund sechs Kilometern und etwa zwei Stunden Gehzeit.

Denn als der Weg 2006 gebaut wurde, hatte der Zwergenplanet seinen Planeten-Status als noch nicht verloren. Insgesamt ist der Weg neun Kilometer lang und als leicht und für Kinder geeignet eingestuft, es sind 200 Höhenmeter zu überwinden.

Voraussichtlich im Juli soll der neue Sternenweg, der von Steinegg zum Planetarium führt, eröffnet werden. Zwölf verschiedene Sternbilder, von Andromeda über Herkules bis Orion werden auf dem neun Kilometer langen Weg erklärt, der in drei bis vier Stunden zu absolvieren ist.

Info: Weitere Informationen gibt es auf der Website www.sternendorf.it und beim Tourismusverein Eggental Tourismus, www.eggental.com, Dolomitenstraße 4, I-39056 Welschnofen, Tel. 0039 0471 619500. Anfahrt mit dem Auto über die Brennerautobahn A22, Ausfahrt Bozen-Nord. Mit dem Zug: Direktzüge von München nach Bozen verkehren fünfmal täglich, www.bahn.de. Viele Hotels bieten Shuttle-Service vom Bahnhof an, alternativ fährt der Linienbus.

Veranstaltungen:

Freitags Sternenwanderung, 10 bis 15.30 Uhr Programm im Planetarium, Wanderung zum Sonnenobservatorium und Führung. Erwachsene 13 Euro, Kinder 9 Euro. In der Sternwarte werden ganzjährig donnerstags und freitags am Abend Führungen angeboten – außer bei Regen und Schneefall, Anmeldung erforderlich, Tel. 0039 0471 619560.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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