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Geschrieben: 14. September, 2016 in International | Reisetipps
 
 

Las Vegas – viel mehr als ein Spielerparadies

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Eine glitzernde Welt inmitten der Wüste

Es heißt, Las Vegas schlafe nie. 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche, rollt der Rubel, sprich der Dollar durch unzählige Spielautomaten, posieren mehr oder weniger leicht bekleidete Halbweltdamen, gelegentlich auch mal ein Stripper, gegen Trinkgeld auf Fotos mit und für Touristen.

Las Vegas, Fotoquelle: 123RF

Rund um die Uhr gibt es warmes Essen, weder Busse noch Casinos kennen eine nächtliche Pause. Die Glitzerwelt von Las Vegas fasziniert und ist längst nicht mehr allein ein El Dorado für Reiche, Spieler und Kriminelle. Letztere scheinen ohnehin wenig präsent, zumindest nicht die Kleinkriminalität. Touristen fühlen sich hier so sicher wie in kaum einer anderen amerikanischen Stadt. Überall sind Sicherheitskräfte sichtbar – zu Fuß, oft auch mit Fahrrad oder Segway. In den riesigen Casinos, die oft das Gros der Hotelhallen einnehmen, wimmelt es von gut bewaffneten Uniformierten. Sie sorgen auch dafür, dass niemand unter 21 Jahren den Spieltischen zu nahe kommt. Ungewohnt für Deutsche: Während die Eltern je 15 Dollar-Gutschrift auf der Membercard des Grand Hotel in Downtown, die sie gegen Vorlage des Boarding Passes der Fluggesellschaft samt T-Shirt des Grand Hotels geschenkt bekommen haben, an den modernen Nachfolgern einarmiger Banditen verjubeln, muss die 15-jährige Tochter allein im Eingangsbereich stehen. Zwei Stunden zuvor hatte der nette Supermarktverkäufer noch gescherzt, Daddy brauche unbedingt ein Gewehr, um das hübsche blonde Mädel zu bewachen. Im Spielcasino werden andere Gefahren gesehen – jedenfalls vom Personal. Die Eltern reagieren, indem sie Automaten auswählen, die einen Blick auf die Tochter ermöglichen. Die Auswahl ist groß, anstehen muss hier niemand, obwohl so mancher Zocker stoisch stundenlang, teils schon mit glasigen Augen auf die bunten vorbeirollenden Bilder starrend, an einem Automaten verharrt. Selbst früh um 5 Uhr klackern die Slotmaschinen, sitzen Roulette-, Würfel-, Black-Jack- oder Pokerspieler an den Spieltischen. Einziger Unterschied zu den späten Abendstunden ist ihre deutlich geringere Anzahl.

Augen auf und Preise vergleichen

Nicht nur in den Casinos wird das Geld den mehr als 40 Millionen Besuchern, die die knapp 600 000 Einwohner starke Metropole Nevadas alljährlich besuchen, ganz legal aus der Tasche gezogen. Wer darauf gefasst ist und sich vorab gut informiert hat, hat dennoch seinen Spaß in Las Vegas. Wissen ist Macht, das beginnt schon bei der Buchung des Hotels. Zum Preisvergleich gehört unbedingt, Website und Vertrag auf versteckte Kosten hin abzuchecken. „Resort Fee“ heißt das Zauberwort, das bis zu 30 Dollar extra pro Tag kosten kann. Wofür eigentlich? Fitnessstudio, WIFI auf dem Zimmer, Drucken des Boarding Passes für den Rückflug sollten eigentlich selbstverständlicher und vor allem kostenloser Service sein oder bei Nutzung abgerechnet werden, nicht aber pauschal. Der Shuttle-Bus zum Strip,

dem pulsierenden Zentrum der Stadt, hört sich gut an, doch verkehrt er beispielweise vom Hard Rock Hotel nur zwischen 10 Uhr und 17 Uhr, und zwar nur einmal pro Stunde mit maximal 20 Sitzplätzen. Genutzt wird er ohnehin eher wenig, und wenn, dann von deutschen Urlaubern. Der typische Amerikaner fährt Taxi, hier Cab genannt.

Schnäppchenjagd in den Outlets im Norden und Süden

Die günstigere Variante sind Deuce und SDX (Strip and Downtown-Express) – zwei Buslinien, die den Strip in kundenfreundlichen Abständen rauf und runter fahren, wobei der schnellere – weil seltener haltende – SDX weiter hinausfährt und die beiden Outlets im Norden und Süden der Stadt anbindet. Die sind ein Paradies für Schnäppchenjäger, selbst in Zeiten eines schwachen Euros. Aufpassen lohnt auch hier. Wer zwei oder drei Teile in einem Laden kauft, bekommt oft das zweite oder dritte zum halben Preis oder ganz kostenlos. Mengenrabatt gibt es auch bei Sonnenbrillen. Doch welche passen dem daheimgebliebenen Nachwuchs beziehungsweise sind angesagt genug, um Gnade vor deren kritischen Augen zu finden? Die Antwort kommt via Social Media aufs Smartphone der kleinen Schwester. „It never happens“, ruft die Sonnenbrillenverkäuferin zwei Tage später begeistert aus, als die Entscheidung via Foto und diverse Textmeldungen endlich gefallen ist und die Sonnenbrillen – mit Rabatt für zwei natürlich – den Besitzer wechseln. Den Satz „Wir kommen später wieder zurück“, hat sie offenbar schon tausendfach gehört, ohne dass er in die Tat umgesetzt wurde. Vielleicht aber ist ihr freudiges „It never happens“ auch nur Ausdruck der allgemeinen amerikanischen Lebensfreude. Die Menschen sind fröhlicher, hilfsbereiter als in Europa üblich und stets zu Scherzen aufgelegt. „Männer, lasst eure Frauen nicht alleine zum Einkaufen fahren, sonst werdet ihr es später bereuen“, rät der Busfahrer übers Mikrophon, ehe er die Türen schließt und Richtung Fashion Show Mall und Outlet Nord startet. Wissendes Lächeln umspielt die Lippen der männlichen Passagiere, die Damen nehmen es mit Humor.

Nachts wird Las Vegas erst richtig lebendig – von Shows und mehr

Wie beim Einkaufen im Outlet, so lässt sich auch an den abendlichen Shows viel Geld an den Eintrittskarten sparen. Um Missverständnissen vorzubeugen – Las Vegas ist teuer, zum Sparen kommt niemand hierher. Umso mehr lohnt es, nach Rabattcoupons oder Angeboten Ausschau zu halten. Ein einfacher Klick auf den Link „Offer“ bringt bei mancher Vorabbuchung im Internet auf ein und derselben Website rund 30 Prozent Nachlass auf die saftigen Eintrittspreise. Schwieriger ist die Auswahl, denn der Las-Vegas-Tourist hat die Wahl zwischen rund 300 Shows. Allein der berühmte Cirque de soleil hat acht verschiedene Performances im Angebot, die mit atemberaubenden akrobatischen Künsten, Clownerie, kreativen Kostümen und raffinierten Licht- und Toneffekten faszinieren. Wenn RJ Owens als Riesenbaby „Bebe Francois“ in „Mystere“, der ältesten Cirque de Soleil-Show tolpatschig haarscharf an der Bühnenkante herumkrabbelt und ins Publikum fällt, bleibt kein Auge trocken. Ob „Beatles Love“ oder „Michael Jackson One“, Rock-Oper „Zarkana“, futuristische Abenteuer oder ein Ausflug in die faszinierende aquatische Welt „O“ – das Rezept ist dasselbe: Starke Männer, schöne Frauen, atemberaubende Artistik und das alles in zauberhafter Atmosphäre – das ist Imagination pur.

Mit Bus oder Heli zum Grand Canyon

Auch als Startpunkt für Ausflüge in die bizarre Landschaft Nevadas ist Las Vegas gut geeignet. Hier starten unter anderem Tagesausflüge an den Grand Canyon – geführte Touren per Helicopter oder per Bus empfehlen sich für diejenigen, die sich nach anstrengender Besichtigungstour entspannen und nicht mehr selber mehrere Stunden ans Steuer eines Leihwagens setzen wollen. 254 Kilometer und drei Autostunden entfernt von Las Vegas liegt der Zion Nationalpark mit seinen roten Sandsteinfelsen und malerischen Canyons. Näher liegen der Red Rock Canyon und der Valley of Fire State Park mit halbstündiger beziehungsweise knapp eineinhalbstündiger Anreise. Auch hier gibt es geführte Touren und Ritte.

Eine gute Orientierung und Übersicht bietet http://www.vegas-online.de in deutscher Sprache.

Der Cirque des Soleil ist unter https://www.cirquedusoleil.com zu finden.

www.tripadvisor.de empfiehlt sich für Informationen und Bewertungen zu Unterkünften und Restaurants.

Shows und Ausflüge können – Preise verschiedener Ticketanbieter vergleichen! – vorab via Internet gebucht werden, vor Ort werden in Ticketverkaufsstellen zwar Schnäppchen angeboten, aber Informationen sind dürftig, hier sollte man genau wissen, was man möchte.

Buchtipp:

MARCO POLO
Las Vegas
Taschenbuch: 136 Seiten
Verlag: MAIRDUMONT; Auflage: 6 (4. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3829728174
ISBN-13: 978-3829728171

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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