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Geschrieben: 20. März, 2017 in Buchtipp | Krankheiten von A-Z
 
 

Lipödem – Wenn selbst die strengste Diät versagt

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Viele Frauen halten es zunächst für eine ganz normale Gewichtszunahme. Plötzlich ist da immer mehr auf den Hüften, die Beine werden dicker. Der erste Gedanke: eine Diät machen. Doch so diszipliniert sie auch versuchen, dem Phänomen durch eine gesunde Ernährung und Sport Herr zu werden, die Wirkung lässt auf sich warten. Stattdessen werden die Beine noch dicker, die Ratlosigkeit wird größer, das Selbstbewusstsein kleiner. Schließlich folgt der Gang zum Arzt und die späte Diagnose: Lipödem. Das Phänomen hat viele Namen: Reithosenfettsucht, Reiterhosensyndrom oder Säulenbein. Der korrekte Name lautet ‚Lipödem‘. Dabei handelt es sich um eine Fettbildungs- und Fettverteilungsstörung, bei der sich die Fettzellen im Unterhautfettgewebe, also der tieferen Hautschicht, in der das Depotfett lagert, unkontrolliert vermehren.

Fotoquelle: 123RF – Eine Gewichtszunahme kann Folge von Krankheiten sein

Vor allem die Beine, die Hüften, das Gesäß und die Arme können von einer solchen Fettwucherung betroffen sein. Frauen leiden nachgewiesenermaßen deutlich häufiger darunter als Männer. Vermehrt tritt ein Lipödem nach der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder während der Wechseljahre auf. Die genauen Gründe sind noch nicht vollständig bekannt. Allerdings vermutet man, dass hormonelle Veränderungen eine der Hauptursachen darstellen. Auch eine genetische Veranlagung wird vermutet. Übergewicht scheint hingegen keinen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung eines Lipödems zu haben. Sind Männer betroffen, sollte die Leber untersucht werden, um eine zugrundeliegende Organerkrankung ausschließen zu können.

Wie erkenne ich ein Lipödem?

Ein Lipödem bildet sich nicht über Nacht. Je nach Größe und Beschaffenheit unterscheidet man drei Stadien. Zunächst werden Betroffene eine Massezunahme an der betroffenen oder den betroffenen Körperpartien bemerken. So kann es passieren, dass bei einem ansonsten eher schlanken Menschen die Beine plötzlich dick und unproportioniert wirken. Allerdings ist die säulenartige Schwellung in diesem Stadium noch gleichmäßig. Manchmal spricht man hierbei von einer ‚Orangenhaut‘. Erst im zweiten Stadium treten die Verdickungen punktuell auf. Im ansonsten weichen Fettgewebe werden harte Knubbel tastbar, die unter Umständen auch als Beulen auf der Hautoberfläche sichtbar sind. Aufgrund der deutlichen Dellen spricht man von einem ‚Matratzenphänomen‘. Erst im dritten Stadium entstehen deutlich ausgeprägte Fettwülste und -lappen, die sich auch verhärten können. Die Gelenkpartien bleiben dabei schlank, können jedoch von den Geschwüren überlagert werden. Diese krankhafte Häufung des Fettgewebes tritt typischerweise symmetrisch auf, das bedeutet, dass sich die Wucherungen an beiden Extremitäten bzw. auf beiden Seiten der Hüfte entwickeln.

Die Schwellung entsteht jedoch nicht nur durch neugebildetes Fett, sondern auch durch die Einlagerung von Wasser in den Zwischenräumen der Fettzellen. Diese Ödeme drücken auf das umliegende Gewebe und sind ihrerseits sehr druck- und stoßempfindlich. Auch Schmerzen und eine erhöhte Anfälligkeit für blaue Flecken und Besenreiser, sowie daraus resultierende Entzündungen, können die Folge dieser Ödeme bzw. des Lipödems sein. Außerdem kann es vermehrt zu Durchblutungsstörungen kommen. Durch die teils beachtliche Größe der Fettlappen können auch motorische Störungen auftreten, beispielsweise Schwierigkeiten beim Greifen oder Gehen.

Schweregrade der Erkrankung

Man unterscheidet fünf Schweregrade eines Lipödems. Der erste Grad beschränkt sich auf das sogenannte Reiterhosenphänomen und bezeichnet die krankhafte Vermehrung des Fettgewebes im Bereich von Gesäß und Hüften. Beim zweiten Grad reicht das Lipödem bis zu den Knien. Vor allem im Bereich der Knieinnenseite kommt es zur Ausbildung von Fettlappen, die die Beweglichkeit der unteren Extremitäten beeinflussen können. Der dritte Grad bezeichnet ein Lipödem, das von den Hüften bis zu den Knöcheln der Füße reicht. In den allermeisten Fällen tritt hier schon eine sichtbare Bewegungseinschränkung auf. Beim vierten Grad treten die Fettwucherungen an den gesamten Extremitäten bis hin zu den Endgelenken, d.h. Hand- und Knöchelgelenken, auf. Da das Fett die Gelenke überlappt, spricht man hier im Bereich der unteren Extremitäten auch von ‚Suavenhosen‘. Beim fünften Grad sind schließlich auch die Hände und Füße von vermehrter Wassereinlagerung betroffen. Bei den schwereren Erkrankungsgraden können bereits enger anliegende Kleidungsstücke Schmerzen verursachen.

Wie wird ein Lipödem behandelt?

Da die Ursachen eines Lipödems bisher nicht eindeutig festgestellt werden konnten, ist es bisher auch nur möglich, die Symptome zu behandeln. Die Behandlungsansätze richten sich dabei nach dem Schweregrad des Lipödems. Grundlegend für jede Behandlung ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus regelmäßiger manueller Lymphdrainage, Krankengymnastik und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen. Gerade Kompressionsstrümpfe können Lipödeme reduzieren oder zumindest ihr Wachstum bremsen. Sie sollten möglichst täglich, mindestens aber drei Tage pro Woche getragen werden. Das gilt auch und gerade während des Sports. In den frühen Stadien reichen zur Kompression meist noch nahtlose, rundgestrickte Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklassen 2 und 3 aus. Später sollte man auf eine flachgestrickte Variante umsteigen.

Sport und der Erhalt eines normalen Gewichts nach dem Body-Mass-Index (BMI) können die Behandlung eines Lipödems unterstützen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Lipödeme keine Fettpolster sind, die als Folge von Übergewicht und mangelnder Bewegung entstehen. Diäten können daher keinen Erfolg auf die Therapie eines Lipödems haben. Trotzdem sollte eine Gewichtszunahme unbedingt vermieden werden, weil dadurch das Fettgewebe allgemein vermehrt wird. Auch und gerade mit Lipödem sollte man beweglich und aktiv bleiben. Als Sportarten empfehlen sich besonders Wassersportarten und schonende Ausdauersportarten, wie Walking, Wandern und leichte Aerobic.

Letzter Ausweg: OP

Eine weitere, bewährte, aber sehr invasive Art der Behandlung stellt die Vibrationsliposuktion dar, im Volksmund auch Fettabsaugung genannt. Hierbei wird eine Sonde in das Fettgewebe geführt, um es durch einen Schlauch abzusaugen. Zwar können dadurch schnell wieder normale Proportionen hergestellt und eventuelle Folgebeschwerden, z.B. Bewegungseinschränkungen, gelindert werden. Allerdings bedeutet ein solcher Eingriff auch eine zusätzliche Schädigung der oberflächlichen Lymphgefäße, was ein Lymphödem zur Folge haben kann. Eine entsprechende Operation sollte daher ausschließlich von einem erfahrenen chirurgischen Facharzt mit lymphologischer Zusatzqualifikation durchgeführt werden. So kann auch die Gefahr der Dellenbildung nach dem Eingriff minimiert werden. Der Haken dabei: Ein solcher Eingriff schlägt mit mehreren Tausend Euro zu Buche – und die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in Ausnahmefällen.

Wenn Sie sich umfassender über das Thema ‚Lipödeme‘ informieren möchten, haben wir hier zwei Lesetipps für Sie:

  • Dicke Beine trotz Diät: Mein Leben mit Lipödem

978-3-86882-567-1_4c_HiresMadlen Kaniuth leidet seit ihrer Jugend an einem Lipödem. Die entsprechende Diagnose erhielt sie jedoch erst Anfang 2014. Zuvor durchlebte sie einen langen Leidensweg voller Verunsicherung, falscher Hoffnung und Enttäuschungen. Erst die entsprechenden Operationen brachten endlich zufriedenstellende Ergebnisse. In diesem Buch beschreibt sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen, gibt Ratschläge und macht allen Betroffenen Mut, gegen die Krankheit zu kämpfen und nicht mehr an sich selbst zu zweifeln.

Madlen Kaniuth

ISBN-10: 3868825673
ISBN-13: 978-3868825671

 

  • Lipödem: Rechtzeitig erkennen und richtig behandeln. Wirksame Hilfe ohne OP

978-3-517-09383-3Dr. Thomas Weiss hat als einer der ersten Ärzte wirkungsvolle Methoden entwickelt, um Lipödeme mit nicht-invasiven Methoden zu behandeln. Mithilfe von Entstauung durch Vakuummassagen, speziellen Massagetechniken sowie Kompressionsbehandlungen können betroffene Frauen das Problem schonend anpacken. Außerdem stellt er einen 14-Tage-Selbsthilfeprogramm inklusive unterstützendem Ernährungsplan vor und klärt auf, wie man durch den richtigen Sport Beschwerden lindern kann.

Dr. med. Thomas Weiss

ISBN-10: 3517093831
ISBN-13: 978-3517093833

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