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Geschrieben: 22. September, 2016 in Therapien
 
 

Logopädie – Von Sprechärzten und Sprachdoktoren

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Die Sprache ist unser Hauptkommunikationsmittel. Selbst komplexeste Inhalte lassen sich durch Sprache vermitteln. Doch manchmal können wir dieses Kommunikationsmittel nicht mehr nutzen. Vielleicht weil wir Schwierigkeiten haben, seine Regeln zu verstehen oder weil ein Unfall den Teil unseres Gehirns beschädigt hat, der für das Sprechen verantwortlich ist. Dann tritt der Logopäde auf den Plan.

Logopädie, Fotoquelle: 123RF

Die Logopädie bezeichnet den Teil der therapeutischen Medizin, der sich vorwiegend mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Hörstörungen befasst. Diese Probleme treten meist bei Kindern auf, die Schwierigkeiten haben, die Sprache richtig zu erlernen. Doch gerade Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, müssen das Sprechen manchmal wieder mühsam lernen. Solche Sprech- und Sprachstörungen können sich im Einzelfall ganz unterschiedlich äußern. Genauso vielfältig sind daher auch die Behandlungsmethoden. Der bedeutendste Unterschied zum herkömmlichen Arztbesuch ist die Tatsache, dass Logopäden nicht vorwiegend mit Medikamenten arbeiten, sondern mit Körperübungen. Diese sollen die Artikulation, die Stimme, das Atmen und den Sprechfluss verbessern. In diesem Sinne verfolgen sie also einen ähnlichen Ansatz wie ein Bewegungstherapeut, der ebenfalls durch körperliche Übungen verlorenes oder nicht ausgeschöpftes Potenzial erschließen möchte. Neben der Erarbeitung bestimmter Sprech-, Stimm- und Schlucktechniken trainieren Logopäden bei Bedarf auch den Wortschatz, die Grammatik und die Wortfindung.

Logopädie bei Kindern und Jugendlichen

Natürlich kann es auch bei Kindern durch angeborene Besonderheiten, Operationen oder Krankheiten zu Sprach- und Sprechstörungen kommen. Meist suchen Kinder und Jugendliche den Logopäden aber auf, um Entwicklungsstörungen zu beheben.

Sprachentwicklungsstörungen liegen vor, wenn das Kind deutlich länger als normalerweise braucht, um Wörter, Sätze und Grammatik zu verstehen und richtig zu verwenden. Wird diese Störung nicht behandelt, kann es in der Folge auch häufig zu einer Lese- und Rechtschreib-Schwäche kommen.

Artikulationsstörungen betreffen die Aussprache. Prominentestes Beispiel hierfür ist wohl das Lispeln, das häufig auf eine Muskelschwäche im Mundraum zurückzuführen ist. Es können aber auch andere Laute betroffen sein.

Hörstörungen beeinträchtigen sehr häufig die Sprachentwicklung, da Betroffene weder ihr Gegenüber richtig und deutlich verstehen können, noch sich selbst wirksam kontrollieren können.

Fehlbildungen wie eine Fehlstellung der Zähne, eine Hasenscharte oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte können ebenfalls zu einer Sprechstörung führen. Je nach Art der Fehlbildung kann eine Operation nötig sein, um das Problem zu beheben.

Störungen des Redeflusses beeinträchtigen die Fähigkeit, einen oder mehrere Sätze fehlerfrei auszusprechen, d.h. ohne Laut-, Silben- und Wortwiederholungen, ohne Stottern und ohne Aussetzer.

Logopädie bei Erwachsenen

Die meisten Erwachsenen, die den Logopäden aufsuchen, haben durch eine Schädigung des Gehirns die Fähigkeit zu sprechen teilweise oder ganz verloren. Eine solche Schädigung kann durch einen Schlaganfall, einen Tumor, ein Schädel-Hirn-Trauma oder Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose hervorgerufen werden. Bei der Therapie unterscheidet man bestimmte Formen der Sprachstörung:

Aphasie bezeichnet eine zentrale Sprachstörung, die alle Bereiche der Sprache betrifft, d.h. Sprechen, Verstehen, Wortfindung, Grammatik, Lesen und Schreiben.

Sprechapraxie betrifft vor allem das Sprechen selbst. Sprechmelodie und –rhythmus sind gestört, Laute werden verschluckt, hinzu erfunden oder in der falschen Reihenfolge verknüpft, was es für Zuhörer schwer macht, das Gesagte zu verstehen.

Dysarthrie bezeichnet eine Sprechstörung, bei der Patienten die Worte gepresst oder verwaschen aussprechen, da ihre Motorik gestört ist. Diese Störung tritt vor allem als Folge einer Muskel- oder Nervenschädigung oder Krankheiten wie Parkinson auf.

Dysphonie äußert sich auf zwei verschiedene Arten: Die funktionelle Dysphonie verursacht ständiges Räuspern und Heiserkeit, da Betroffene ihren Kehlkopf oder ihre Atmung bei der Stimmbildung nicht richtig einsetzen. Die organische Dysphonie kann bis zum kompletten Verlust der Stimme führen und ist auf chronische Entzündungen, Lähmungen oder Tumore zurückzuführen.

Dysphagie ist eine Schluckstörung, die besonders häufig nach einem Schlaganfall auftritt. Auch Operationen oder die Bestrahlung von Tumoren im Mund und Halsbereich können eine Dysphagie auslösen.

Erfolg durch Geduld und Fleiß

Egal ob eine logopädische Behandlung im Krankenhaus, in der Reha-Klinik oder ambulant beginnt, Betroffene werden sie zu Hause fortsetzen müssen. Denn nach der ausführlichen Diagnostik wird der Logopäde einen individuellen Trainingsplan aufstellen, der so umfangreich ist, dass er auch und vor allem Übungen in den eigenen vier Wänden umfasst. Gerade die Anleitung zu eigenständig auszuführenden Übungen ist ein wichtiger Arbeitsbereich der Logopädie. Denn neben der Schwere und dem Grund der Störung sind vor allem Eigeninitiative und Geduld, manchmal auch sehr viel Geduld, wichtige Faktoren für den Erfolg einer logopädischen Behandlung.

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