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Geschrieben: 04. Oktober, 2010 in Ganzheitlich Leben
 
 

Sexuell aktiv ins Alter – Lust ohne Frust

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Nach wie vor ist Sexualität in der zweiten Lebenshälfte ein tabuisiertes Thema und die Vorstellungen, dass sexuelle Aktivität im Alter abnimmt oder irgendwann aufhört, gehören noch immer zur Norm. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Umfeld der Alterssexualität häufig ablehnend gegenübersteht. Als Ursache für die Abnahme der sexuellen Aktivität werden verschiedene Faktoren verantwortlich gemacht.


Vor allem bei Frauen haben soziale Veränderungen, wie z. B. Partnerverlust, einen entscheidenden Einfluss.

Bedingt durch die Tatsache, dass Frauen meist ältere Partner haben, sind sie im Alter öfters partnerlos als Männer. Zusätzlich besteht die Schwierigkeit im höheren Lebensalter einen neuen Partner zu finden. Sexualität wird, wenn überhaupt, höchstens älteren Männern zugestanden. Ältere Frauen, vor allem in der Postmenopause, haben es ungleich schwerer und werden besonders von dem gesellschaftlichen Druck und seinen restriktiven sexuellen Verhaltensnormen getroffen, den alternden Menschen als asexuelles Wesen zu verstehen. Eine Folge könnte ihre sexuelle Inaktivität sein.

Oft sind es auch psychosoziale Gründe, die die Sexualität im Alter erschweren, denn die Situation in Altersheimen ist häufig nicht einfach. Aber auch Faktoren wie Stress, Versagensängste, Unsicherheiten im Selbstwertgefühl, Leistungsdruck, Nebenwirkungen von Medikamenten oder gesteigerter Alkoholkonsum können das sexuelle Verhalten beeinträchtigen.

Sexualität im Alter hängt auch ganz entscheidend von der persönlichen Geschichte eines jeden Einzelnen ab. So bestimmt die Lebensbiographie in Bezug auf sexuelle Erfahrungen wesentlich, wie Sexualität in reiferen Jahren gelebt und erlebt wird. Je positiver diese Erfahrungen während der jüngeren Jahre ausfielen, desto sexuell aktiver und zufriedener ist eine Person in den mittleren und späteren Jahren.

Sexuelle Aktivität im Alter ist jedoch nicht abhängig von einem Partner oder Partnerin, sondern wird durch eine Reihe alterstypischer Einflussfaktoren bestimmt.

Körperliche Veränderungen:

Im Alter nehmen körperliche Leistungsfähigkeit und Potenz natürlicherweise ab. Frauen sind vor allem durch die hormonelle Umstellung der Wechseljahre betroffen und viele werden eher in der Phase der Menopause sexuell inaktiv als zu einem späteren Zeitpunkt. Darüber hinaus befürchten Frauen in dieser Phase als Sexualpartnerin nicht mehr attraktiv zu wirken. Grundsätzlich jedoch ändert der Eintritt in die Menopause wenig am sexuellen Erleben.

Sowohl beim Mann als auch bei der Frau verringern sich die Geschlechtshormone Östrogene bei der Frau und Testosteron beim Mann), was zu den natürlichen Alterserscheinungen gehört und sich auf die Geschlechtsorgane oder Lustempfinden (Libido) auswirken kann. Die Schleimhaut der Frau wird weniger elastisch und ist trockener, beim Mann entwickelt sich die Erektion langsamer. Trotz aller altersbedingten Veränderungen bleibt die Fähigkeit zur sexuellen Betätigung und die Fähigkeit zum Orgasmus erhalten.

Hinzu kommt, dass gesundheitliche Beschwerden und körperliche Einschränkungen im Alter zu nehmen und die sexuelle Aktivität beeinträchtigen können. Diese Veränderungen sind vor allem beim Mann mit sexuellen Funktionsstörungen gekoppelt. Zu den häufigsten Ursachen körperlich bedingter Impotenz beim Mann zählen Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Krebsoperationen, Verletzungen oder Unterfunktion der Hoden. Schmerzliche Lebensereignisse, etwa der Verlust nahe stehender Personen, aber auch die Konfrontation mit lebensverändernden Prozessen wie die Pensionierung, sind krisenanfällige Abschnitte ab dem fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt. Diese Umstellungen müssen nicht unbedingt zu Belastungen im Hinblick auf die Sexualität führen, sondern können neue Chancen der Lebensgestaltung oder Weiterentwicklung im Sinne der englischen Bezeichnung für Altern von „to grow old“ sein. Oftmals kann sich eine derartige Neuorganisation sogar positiv auf die Partnerschaft und die Sexualität auswirken.

Natürlich unterscheidet sich Sex im höheren Alter von dem jüngerer Menschen: Die Bedürfnisse verlagern sich: Nicht mehr die Anzahl der Orgasmen spielt eine Rolle, sondern die Innigkeit zwischen den Partnern. Respekt und Aufmerksamkeit geben der langjährigen Partnerschaft eine neue Tiefe. Egal wie jung oder alt die Partnerschaft ist, in den meisten Fällen nimmt die sexuelle Aktivität mit zunehmender Zeit ab. Liebe im Alter hingegen wird viel stärker von tiefen Gefühlen, Nähe, Wärme, partnerschaftliches Füreinander im Sinne von Geborgenheit und Zärtlichkeit geprägt und der genitale Aspekt gerät in den Hintergrund. Das Gefühl des Verliebtseins und die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“ gibt es auch mit 60 und kann ebenso heftig empfunden werden wie in jüngeren Jahren. Sexualität ist ein Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität und darf auch im Alter kein Tabu sein. Frei vom Leistungsdruck und ohne Alltagsverpflichtungen empfinden viele ältere Paare Sexualität als eine fantasievollere Erotik und eine Weiterentwicklung aus der rein körperlichen Erlebniswelt.

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