Geschrieben: 16. Januar, 2018 in Krankheiten von A-Z
 
 

MCS-, Öko- und Sick-Building-Syndrom – Scheinbar grundlos krank

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Jeder Patient, der zum Arzt kommt, wünscht sich eine Diagnose, eine Ursache zu erfahren, weshalb er Beschwerden hat. Doch manchmal ist es für Mediziner sehr schwer, eine solche Diagnose zu stellen. Tatsächlich kommen immer mehr Menschen in Arztpraxen und Kliniken und klagen über Beschwerden, deren Ursache kaum greifbar ist. Das macht natürlich auch eine Behandlung schwierig.


Auch die Verschiedenartigkeit der Symptome, die weder eindeutig allergischen noch pseudoallergischen Ursprungs sind, stellen Mediziner vor ein Rätsel. Die Symptomkomplexe werden behelfsmäßig zu einer Vielzahl von Krankheitsbeschreibungen zusammengefasst, zum Beispiel Öko-Syndrom, Multiple-Chemikalien-Sensitivität (MCS) oder Sick-Building-Syndrom.

Alleine in Deutschland leiden Schätzungen zufolge mehrere hunderttausend Menschen an solchen unspezifischen Beschwerden. Häufig ist der Leidensweg dieser Patienten besonders langwierig und hat sie bereits zu einer Vielzahl von Fachärzten, Heilpraktikern, Umweltberatern und sogar Wunderheilern geführt – meist ohne Erfolg. Denn mit analytischen Methoden lassen sich die Ursachen für die Beschwerden – die sehr vielfältig sein können und von Müdigkeit und Erschöpfung über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, schwere Haut- und Schleimhauterkrankungen bis hin zu Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen reichen können – kaum dingfest machen. Doch gibt es vielleicht eine heiße Spur, was der Auslöser sein könnte?

Das Öko-Syndrom

Die umstrittenste der drei Krankheitsgruppen ist das Öko-Syndrom. Ein Öko-Syndrom beschreibt eine Erkrankung, bei der der Erkrankte der festen Überzeugung ist, dass sie durch Umwelteinflüsse ausgelöst wurde. Häufig sind damit chemische Inhaltsstoffe von Baustoffen gemeint, es könnte sich aber auch um Schimmelpilze oder ähnliches handeln. Die Tatsache, dass sich mit herkömmlicher Diagnostik kein Zusammenhang zwischen einer angeblichen Schadstoffbelastung und den Symptomen herstellen lässt, ist der Grund dafür, dass beim Öko-Syndrom der psychosomatischen Komponente derart viel Bedeutung zukommt. Auch an der TU München konnte während einer Studie kein Zusammenhang zwischen der angeblichen Belastung mit Spuren bestimmter Chemikalien und entsprechenden Beschwerden festgestellt werden. Vielmehr müsse man von Angsterkrankungen und anderen psychischen Leiden als Ursache der Symptome ausgehen. Daher wird dort die Existenz eines Öko-Syndroms in Frage gestellt. Andere Forscher gehen hingegen davon aus, dass es sich beim Öko-Syndrom keineswegs um ein „hypersensibles Näschen“ handelt, sondern um eine waschechte Krankheit.

Das MCS-Syndrom

MCS steht für „Multiple-Chemikalien-Sensitivität“ und bezeichnet Symptome, die mutmaßlich auf eine Belastung mit Chemikalien zurückzuführen sind. Das können Holzschutzmittel, Lösungsmittel oder auch Duftstoffe sein. Das MCS-Syndrom ist dem Öko-Syndrom also grundsätzlich sehr ähnlich. Und auch bei der MCS ist eine Diagnose, wie beim Öko-Syndrom, schwierig. Denn selbst wenn ein Kontakt mit bestimmten Chemikalien nachgewiesen werden kann, so ist deren Konzentration in der Regel so gering, dass sie weit unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten liegen. Rein rechtlich dürfte von ihnen also keine gesundheitliche Gefahr ausgehen. Doch handelt es sich dann um Humbug, um eine hysterische Überempfindlichkeit, die soweit geht, dass Betroffene sich dadurch selbst krank machen? Nicht ganz.

Das Sick-Building-Syndrom

Das Geheimnis liegt in der Masse der Erkrankten. Denn ein einzelner Mensch mit unspezifischen Beschwerden kann natürlich schnell als „Hypersensibler“ oder als „Simulant mit besonderen Selbstschädigungsfähigkeiten“ abgestempelt werden. Anders sieht es dagegen aus, wenn mehrere Menschen unter ähnlichen oder denselben Symptomen leiden – und auch noch zusammen in einem Gebäude leben. Tritt eine solche Konstellation auf, spricht man von einem „Sick-Building-Syndrom“. Laut einer internationalen Konvention der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt ein „Sick-Building-Syndrom“ vor, wenn über 10 bis 20 Prozent der Bewohner eines Hauses, der Arbeiter in einer Fabrik oder der Beschäftigten in einem Gewerbebau an unspezifischen Beschwerden leiden. Klingen die Beschwerden nach Verlassen des Gebäudes außerdem schnell wieder ab, legt das einen Zusammenhang zwischen einem Aufenthalt in bestimmten Räumen und bestimmten Beschwerden nahe. In vielen Fällen, gerade wenn es um Atemwegsreizungen oder Kopfschmerzen geht, kann eine defekte Klimatechnik der Auslöser für solche Beschwerden sein. Findet man auch hier keine spezifische Ursache, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Man wird die Beschwerden auf die Psyche schieben. Doch wer sich dagegen wehren möchte, ist wenigstens nicht auf sich alleine gestellt.

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