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Geschrieben: 17. März, 2017 in Mein Haustier
 
 

Morbus Cushing beim Hund

42205256 - veterinarian, vet, dog.
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Haarausfall am Hinterkopf hat die mittlerweile zehn Jahre alte Hündin schon länger gehabt. Als dazu noch Haarausfall an den Flanken hinzukommt, sie kräftig an Gewicht zugelegt hat und ausgesprochen viel trinkt, wird der Jack-Russel-Mix beim Tierarzt vorgestellt. Der diagnostiziert einen schon weit fortgeschrittenen Morbus Cushing, eine Hormonstörung, die mit einem überhöhten Spiegel an körpereigenem Cortisol einher-

Fotoquelle: 123RF – Tierarztbesuch

und ursächlich meist auf eine Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse, zurückgeht. Zudem hat die Hündin bereits einen Diabetes mellitus entwickelt. Ein halbes Jahr lang lebt sie dank der medikamentösen Therapie noch, die Symptome bessern sich, der Haarausfall an den Flanken geht zurück, der länger bestehende am Hinterkopf allerdings nicht.

Bessere Überlebenschancen haben vom Cushing-Syndrom betroffene Hunde, wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert wird. Wie bei dem neunjährigen Beagle-Rüden, von dem Tierärztin Dr. Katharina Mitko aus Neuburg an der Donau berichtet. In dem Fall war die Cushing-Diagnose ein reiner Zufallsbefund, denn der Beagle zeigte keins der typischen Symptome wie Stammfettsucht, extremer Durst, Haarverlust, Hautverfärbung (bis hin zur Schwarzverfärbung) oder trockene, schuppige Haut, Muskelatrophie oder Atembeschwerden. „Er war nur relativ schwer“, erinnert sich Mitko. Routinemäßig wurde ihm vor einer geplanten Operation Blut abgenommen und die üblichen Laborwerte ermittelt. Dabei fielen erhöhte Leberwerte auf, und der Rüde wurde zur Abklärung in eine Tierklinik geschickt, wo das Cushing-Syndrom diagnostiziert wurde. „Jetzt lebt er seit anderthalb Jahren sehr gut mit der Diagnose“, freut sich die Tierärztin. Der Hund sei gut auf seine Medikamente eingestellt, habe etwas an Gewicht verloren und erfreue sich seines Lebens.

Meist Tumore der Hirnanhangsdrüse verantwortlich

Die mit 90 Prozent weitaus häufigste Ursache für Morbus Cushing ist ein (gutartiger) Tumor der Hirnanhangsdrüse. Die Krebszellen produzieren vermehrt den Botenstoff ACTH, der die Nebenniere dazu anregt, Cortisol zu produzieren. In einem gesunden Organismus besteht ein Regelkreis, so dass die ACTH-Ausschüttung gehemmt wird, sobald im Blut ein ausreichender Cortisolspiegel vorhanden ist. Krebszellen reagieren darauf jedoch nicht, so dass die Nebenniere immer weiter angeregt wird, Cortisol zu produzieren und ins Blut abzugeben. Seltener kann ein Nebennierenrindentumor für den erhöhten Cortisolspiegel verantwortlich sein, denkbar ist auch ein iatrogen (durch den Arzt bedingt) erzeugter Cushing, wenn das Tier längere Zeit mit Cortisol oder verwandten Substanzen behandelt wurde. Das Hormon wirkt auf verschiedene Stoffwechselvorgänge, unter anderem den Eiweißstoffwechsel, was Muskelschwund, Hautprobleme und Osteoporose hervorruft. Dass der Fettstoffwechsel gestört ist, macht sich in vermehrten Fettablagerungen am Körper bemerkbar, während die Beine des Hundes, auch bedingt durch den Muskelschwund immer dünner werden. Typisch ist der Dackel, der wie die sprichwörtliche Wurst auf Beinen daherkommt. Neben Dackel sind auch Pudel, Terrier, Beagle und Boxer besonders betroffene Rassen. Vermehrt trifft die Erkrankung ältere Tiere, weibliche häufiger als männliche.

Wie stellt der Tierarzt die Erkrankung fest?

Die Diagnose stellt der Tierarzt anhand der bereits beschriebenen Symptome, wobei dem Tierbesitzer in der Regel starker Durst und Gewichtszunahme als Erstes auffallen. Auszuschließen ist vor allem eine Schilddrüsenunterfunktion, aber auch Diabetes mellitus oder eine Fehlfunktion der Geschlechtsdrüsen kommen für einige der Symptome als Ursache in Frage. Laborwerte helfen bei der Diagnose. Neben den erhöhten Leberwerten ist vor allem ein erhöhter Cortisolspiegel beweisend. „Wir machen den Dexamethasonsuppressionstest, um die Diagnose Cushing abzusichern“, erklärt Dr. Mitko.

Behandelt wird je nach Ursache. Besteht ein Nebennierenrindentumor, so kann operiert und die betroffene Nebenniere entfernt werden. Hypophysentumore dagegen sind in der Regel inoperabel, da solche Tumoren der Hirnanhangsdrüse oft nur stecknadelkopfgroß sind und die Drüse selbst schwer zugänglich an der Schädelbasis liegt. Daher wird meist mit Medikamenten behandelt, die die Produktion des Cortisols hemmen. Da der Hypophysentumor bestehen bleibt, muss das Medikament lebenslang eingenommen werden. „Das sind zwei Tabletten am Tag, was in der Regel sowohl vom Besitzer als auch vom Hund gut toleriert wird“, sagt Dr. Mitko. Weshalb sie von einer überwiegend günstigen Prognose spricht – sofern die Diagnose frühzeitig gestellt wird, kein bösartiger Tumor zugrunde liegt und keine weiteren Erkrankungen hinzukommen. Insbesondere ein Diabetes mellitus kann sich in der Folge eines Cushing-Syndroms entwickeln. Die Patienten müssen in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Sobald der Besitzer erneut Symptome bemerkt, sollte er seinen Vierbeiner umgehend wieder beim Tierarzt vorstellen, damit das Medikament neu eingestellt werden kann.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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