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Geschrieben: 17. November, 2014 in Gedächtnis & Konzentration | Gesundheit
 
 

Nacht- und Schichtarbeit schädigen Denkvermögen und Gedächtnis

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Ärzte, Fluglotsen und Polizisten haben eines gemeinsam: Die Nacht- und Schichtarbeit belastet nicht nur deren Gesundheit. Eine aktuelle Studie belegt, dass auch das Denkvermögen und das Gedächtnis geschädigt werden. Das Statistische Amts der Europäischen Union (Eurostat) ermittelte, dass 2012 jeder elfte deutsche Arbeiter in der Nacht beschäftigt war. Bei Männern ist dies öfter als bei Frauen der Fall. Jeder Neunte arbeitet nachts, bei den Frauen ist es etwa jede Siebzehnte.

Nachtarbeit wirkt sich negativ auf geistige Fähigkeiten aus, Fotoquelle: 123RF

Das Arbeitszeitgesetz besagt, dass alle Arbeiten, die mindestens zwei Stunden lang zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr ausgeführt werden, als Nachtarbeit gelten. Wissenschaftler aus Frankreich fanden nun heraus, dass Nacht- und Schichtarbeit über mehrere Jahre das Denkvermögen und die Gedächtnisleistung schädigen. Arbeiteten Menschen länger als zehn Jahre lang bei ungleichen Arbeitszeiten, gingen die geistigen Leistungen merklich schneller zurück als bei anderen Beschäftigten. Dies geht aus der Studie hervor, die die Wissenschaftler im US-Fachmagazin „Occupational and Environmental Medicine“ präsentiert haben.

Mehr als zehn Jahre Schichtarbeit führen zu den Beeinträchtigungen

Der innere Rhythmus des Menschen wird durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt. Der Wechsel von Licht und Dunkelheit ist hierbei der ausschlaggebende Faktor. Aus älteren Studien weiß man bereits, dass Probleme, die beispielsweise Schicht- oder Nachtarbeiter haben, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen im Verdauungssystem oder Übergewicht hervorrufen können. Zahlreiche Körperfunktionen sind über 24 Stunden unterschiedlich verteilt. Das Schlafhormon Melatonin kommt am Tag weniger zum Einsatz, in der Nacht mehr.

Nacht- und Schichtarbeiter haben diesbezüglich einen gestörten Rhythmus. Der Leiter der Studie, Jean-Claude Marquié vom Forschungsinstitut CNRS in Toulouse erklärt, dass dies vor allem Beschäftigte betrifft, die mehr als zehn Jahre Schichtarbeit vollbringen (Quelle: welt.de). Dies entspricht einer zusätzlichen Alterung von sechseinhalb Jahren. Ein ehemaliger Schichtarbeiter benötigt mindestens fünf Jahre, um sich vom geleisteten Dienst auszuruhen. Die Feststellungen der Studie müssen noch durch weitere Untersuchungen bekräftigt werden.

Spezielle ärztliche Versorgung und arbeitnehmergerechtere Dienstpläne

3000 Arbeiter aus Südfrankreich, die in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt waren, nahmen an der Studie teil. Sie machten in den Jahren 1996, 2001 und 2006 verschiedene Tests mit, bei denen ihr Kurz- und Langzeitgedächtnis, ihre Reaktionsfähigkeit und ihre grundsätzlichen geistigen Leistungen überprüft wurden. Die Probanden waren am Anfang der Studie zwischen 32 und 62 Jahre alt, ungefähr die Hälfte von ihnen waren Schichtarbeiter. Marquié empfahl eine spezielle ärztliche Versorgung für Schichtarbeiter und arbeitnehmergerechtere Dienstpläne. Schon ein Arbeitsbeginn um 6.00 Uhr statt zwei Stunden früher könne sich positiv auswirken.

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