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Geschrieben: 19. März, 2014 in Aktuelles
 
 

Narkosemittel Ketamin hilft depressiven Patienten

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Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Depression innerhalb der nächsten Jahre die zweithäufigste Erkrankung darstellen. Eine Psychotherapie kann Betroffenen helfen: in dem sie Symptome lindert, zur vollständigen Heilung führt oder Rückfällen vorbeugt. Insbesondere bei schweren Depressionen wird jedoch unterstützend auf Medikamente gesetzt. Das Narkosemittel Ketamin weckt nun Hoffnungen von Psychiatern.

Bei schweren Depressionen ist eine medikamentöse Behandlung nötig, um überhaupt die Voraussetzungen für eine Psychotherapie zu schaffen. Heutige Psychopharmaka sind jedoch nicht bei allen Patienten gleich wirksam. Bis sich eine Wirkung einstellt, können zudem mehrere Wochen vergehen. Vor allem bei suizidgefährdeten Patienten kann sich die Suche nach einem passenden Medikament als risikoreich erweisen. Ein geeignetes Mittel konnte bislang noch nicht gefunden werden.

Forscher der Berliner Charité konnten nun aber in ersten Studien die Wirksamkeit von Ketamin für die Behandlung von Depressionen beobachten. Ketamin ist ein in der Notfallmedizin verwendetes Narkosemittel. Es kann Nervenverbindungen, die durch chronischen Stress beschädigt wurden, wiederherstellen. Missbräuchlich wird es auch als Partydroge verwendet, weil es Wahrnehmung und Körperempfinden verändert.

Narkosemittel zur Behandlung von Depressionen

Unter kontrollierten Bedingungen erhielten die Studienteilnehmer über einen Zeitraum von drei Wochen jeweils drei Mal pro Woche das Mittel. Bei der Hälfte der Patienten konnte eine Halbierung der Symptome festgestellt werden, bei weiteren 35 Prozent ein Rückgang von zwei Dritteln der Symptome. Trotz der Behandlungserfolge sind die Langzeitwirkungen des Medikaments noch unklar. Der Einsatz scheint jedoch ohnehin nicht über längere Zeiträume angelegt zu sein. So soll das Medikament vielmehr dazu beitragen, die schwere depressive Episode des Patienten zu überwinden. Insbesondere bei der Behandlung suizidgefährdeter Patienten stimmen sich die Forscher euphorisch.

Einen flächendeckenden Einsatz von Ketamin wollen die Forscher jedoch vorerst vermeiden. Zunächst sind weitere Untersuchungen zur Langzeitwirkung und möglichen Nebenwirkungen nötig. Eine Behandlung erfolgt zudem nur unter strenger Kontrolle. Da das Medikament ein hohes Suchtpotential besitzt, sind Patienten mit Suchtproblemen von den Studien ausgeschlossen.

Medikamente in Kombination mit Psychotherapie

Für eine weiterführende Behandlung scheint Ketamin allerdings kein Allheilmittel zu sein. Eine langfristig wirksame Behandlung von schweren Depressionen sollte deshalb medikamentöse Therapie und Psychotherapie kombinieren. Besonders jene, die wiederkehrende depressive Episoden erleben, profitieren von der Kombinationsbehandlung – um Rückfällen vorzubeugen und einen dauerhaften Ausweg aus der Erkrankung zu ermöglichen.

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