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Geschrieben: 08. Januar, 2014 in Mein Haustier
 
 

Osteopathie bei Tieren – Hund, Katze und Pferd

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Mit sanften Impulsen Blockaden und Verspannungen lösen

Osteopathie wird nicht nur am Menschen, sondern auch bei Pferd, Hund und Katze erfolgreich eingesetzt.


Bildquelle: 123RF

Heilende Hände werden den Osteopathen zugeschrieben. Denn die Osteopathie (aus dem Griechischen, wörtlich übersetzt: Osteos=Knochen, pathos=Leiden), die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, wird mit bloßen Händen ausgeführt, ohne Hilfsmittel. Sie setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. „Es geht darum, die Regulationsfähigkeit des Körpers zu erfassen und zu erkennen, mit welchen Kräften und welchen Mechanismen sich ein Lebewesen in der Balance hält“, sagt Ute Reiter, Tierärztin mit Weiterbildung in Osteopathie, sowie Gründungsmitglied und Vorsitzende des TAP (Tierärztlicher Arbeitskreis Physiotherapie & Osteopathie). Osteopathie zu erklären, fällt schwer, denn manches, was der Begründer, der Amerikaner Andrew Taylor Still postulierte, widerspricht dem üblichen medizinischen Denken oder lässt sich nur auf abstrakter Ebene damit in Einklang bringen. „Man darf nicht linear herangehen“, sagt Reiter, die in Lorsch ein Zentrum für ganzheitliche Tiermedizin betreibt und im Auftrag der GGTM (Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin) Weiterbildungen anbietet.

Nicht nur der Bewegungsapparat, sondern auch Organfunktionen können reguliert werden

Der Osteopath geht davon aus, dass Körperfunktionen von der Ver- und Entsorgung über Blut- und Lymphgefäßsystem abhängen und dass jedes Gewebe seinen eigenen Rhythmus hat. Anders als der Name sagt, greift die Methode nicht ausschließlich am Knochen, sondern am Bindegewebe, das sämtliche Körpergewebe stützt, schützt und versorgt, an. Ob und wie viel Beweglichkeit vorhanden ist, erfühlt der Osteopath mit den Händen und versucht, mittels sanfter Impulse Spannungen und Blockaden sowie daraus resultierende Fehlfunktionen aufzulösen. Das geht weit über Probleme des Bewegungsapparates hinaus.

Kater Tiger, zwölf Jahre alt, hat schlechte Nierenwerte. An den Werten kann Dr. Annette Chaudhuri, auf Osteopathie spezialisierte Tierärztin aus Rodgau, nicht viel ändern, doch Tigers Wohlbefinden und Lebensfreude haben sich nach Aussage seines Frauchens ganz erheblich gesteigert, seit er in etwa zweimonatigem Rhythmus bei der Osteopathin in Behandlung ist. Oder da ist der junge Mops, dessen Wirbelsäule – möglicherweise aufgrund eines Schütteltraumas in früher Jugend durch einen anderen Hund – eine Linksdrehung aufweist, die sich durch osteopathische Behandlung deutlich bessern ließ. Die Drehung war für Chaudhuri eindeutig zu spüren, aber nicht so ausgeprägt, um bildtechnisch nachweisbar zu sein.

Dass Osteopathen funktionelle Veränderungen viel früher spüren, als sie labortechnisch oder mit bildgebenden Methoden nachgewiesen werden können, kann Reiter nur bestätigen: „Hände sind so feinfühlig, darauf müssen wir uns wieder mehr besinnen“. Solange noch keine strukturellen Veränderungen wie Arthrosen, die durch jahrelange Fehlbelastungen entstehen, vorhanden sind, kann Osteopathie das Übel sozusagen an der Wurzel packen, Blockaden lösen und der Körper reguliert sich selbst wieder ins Gleichgewicht. Um die Theorie zu verdeutlichen vergleicht Reiter den Organismus mit seinen vielen Zellen gern mit einer La-Ola-Welle. Wenn alle im gleichen Rhythmus aufstehen und sich setzen, entsteht eine schöne Welle. Tanzen einzelne aus der Reihe, wird die Welle unordentlich. Hier setzt die Osteopathie an und sorgt durch sanfte Impulse dafür, dass jede Zelle wieder zu ihrem korrekten Rhythmus findet.

Schmerzlose Therapiemethode

Dass es sich um eine sanfte Methode handelt, kommt bei Tier und Besitzer bestens an. Ein mehr oder weniger scherzhaftes „Jetzt wirst du wieder gequält“ von Herrchen an Hund, bekommt Reiter in ihrer Praxis nur selten zu hören. Selbst aggressive oder ängstliche Hunde akzeptieren die Behandlung meist problemlos. „Ich spüre steigende Spannung, bevor es weh tut, also kann ich die Schmerzgrenze des Tieres achten“, erklärt Reiter, warum Osteopathie so vertrauenserweckend funktioniert.

Wirksam ist sie nicht nur bei Problemen am Bewegungsapparat, sondern auch an den inneren Organen, deren Funktion sekundär eingeschränkt sein kann, wenn beispielsweise ihre Aufhängung nicht korrekt ausgerichtet ist. Viele rezidivierende (wiederkehrende) Symptome wie Magengeschwüre, Bindehautentzündung, Juckreiz, auch Durchfall und Erbrechen oder Verstopfung können Ausdruck einer Störung des Bewegungsapparates sein, die sich osteopathisch beheben lassen kann. Reiter wünscht sich daher, dass Tierhalter ihre Lieblinge genau beobachten und scheinbar putziges Verhalten nicht als solches abtun, sondern der Ursache nachgehen. Eine Hündin, die auf drei Beinen Wasser lässt oder ein Hund, der ständig Wasser und Futterreste rund um den Napf verteilt, zeigen damit möglicherweise Funktionsstörungen der Wirbelsäule an, bei anhaltenden Durchfällen sollte nicht nur an Futtermittelunverträglichkeiten gedacht werden. Wichtig sei, dem eigenen Bauchgefühl mehr zu vertrauen.

Tierärzte, die osteopathisch arbeiten, sind auf der Website der GGTM zu finden,
http://ggtm.de/tierhalter/tierarztsuche/.

„Wir legen großen Wert darauf, dass Therapeuten tiermedizinisch qualifiziert sind und sich in ganzheitlichen Therapieverfahren fortgebildet haben“

sagt deren Geschäftsführer Markus Mayer. Die Bezeichnung Tierheilpraktiker beispielsweise sei nicht geschützt, dafür sei keine staatliche Prüfung erforderlich. Auch Osteopath ist keine geschützte Bezeichnung.

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