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Geschrieben: 14. Juli, 2014 in Aktuelles
 
 

Patientenbeschwerden: Krankenkassen und Ärzte unterschlagen Leistungen

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Ärzte und Krankenkassen unterschlagen Patienten Zuschüsse und Behandlungen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt die Auswertung von 80000 Beratungsgesprächen, die die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) geführt hat. Was die Auswertung desweiteren aufzeigen konnte: Bezüglich der Beratung von Patienten liegt in Deutschland vieles im Argen.

 

Patienten in Deutschland geschieht nicht selten Unrecht, Fotoquelle: 123RF

Der UPD-Jahresbericht, in dem die Resultate der Befragung gesammelt und ausgewertet vorliegen, zeigte auf, dass etwa 15600 der Befragten Probleme zur Sprache brachten, die zu ihren Lasten gingen. Informationen, Krankengeld oder Therapien wurden in vielen Fällen ohne Rechtfertigung von Ärzten oder Krankenkassem verweigert. 5400 der Befragten, gaben an, falsch oder unvollständig beraten worden zu sein. 4100 Patienten behaupteten, gar nicht, nicht mehr oder nicht leicht an Therapien und Zuschüsse zu gelangen.

„Reißen Sie sich doch mal zusammen, dann wird das schon wieder“

Sätze wie diese bekamen krankgeschriebene Patienten laut UPD-Beraterin Judith Storf von Sachbearbeitern der Kassen zu hören (Quelle: spiegel.de). Insbesondere im Fall von psychisch Kranken geschieht den Patienten nicht selten Unrecht. In ungefähr 1400 Fällen kamen die Berater der UPD zum Ergebins, dass Patienten um Ihr Recht gebracht wurden. Der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann beurteilt das Verhalten der Kassenmitarbeiter als nicht haltbar.

Was ihn besonders aufgerüttelt hat: In manchen Arztpraxen scheint es gängig zu sein, Patienten nur in das Wartezimmer zu lassen, wenn diese vorher einer Selbstzahlerleistung zugestimmt haben. Zur dieser Leistung, die von den Krankenkassen nicht getragen wird, seien viele Betroffene gedrängt worden, wie der Geschäftsführer der UPD Sebastian Schmidt-Kaehler zu berichten weiß. Über Augenärzte und Orthopäden erzürnten sich laut Befragung eine auffällig große Anzahl von Patienten.

Patientenschutz nicht ausreichend gewährleistet

Schmidt-Kaehler schätzt die Angebote von Ärzten, Versicherungen, Kliniken und anderen Einrichtungen als zu komplex ein. Das Resultat: „Patienten fühlen sich oft alleingelassen, betrogen und viele haben Angst.“ Der Kassen-Spitzenverband äußerte sich skeptisch gegenüber den Vorwürfen: Jedes Jahr würden 1,77 Millionen Krankengeldfälle bewilligt, im Jahr 2013 hätten sich Kosten in Höhe von 9,8 Milliarden Euro ergeben. Für die Linken-Expertin Kathrin Vogler ist das Problem tiefgreifender: „Das Patientenrechtegesetz reicht hinten und vorne nicht und hat seinen Namen kaum verdient.“

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