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Geschrieben: 01. März, 2016 in Tiere & Umwelt
 
 

„Pferde sind geniale Lehrer“ – positiver Einfluss auf die Sozialkompetenz

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Reiter sind zielstrebig, begeisterungsfähig, wettbewerbsorientiert, belastbar und strukturiert! Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, lautet ein altes Sprichwort. Das gilt offenbar nicht nur für kurze Glücksmomente in fliegendem Galopp, sondern viel weitreichender bis in soziale Beziehungen und beruflichen Erfolg hinein, wie eine Studie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nahelegt.


Studie belegt positiven Einfluss von Pferden auf die Sozialkompetenz, Fotoquelle: 123RF

Pferde, so das Fazit der Studie, förderten die Sozialkompetenz ihrer Reiter. Die sind laut Studie im Vergleich zu Nicht-Reitern deutlich führungsstarker, durchsetzungsfähiger, naturverbundener und ehrgeiziger. Für diese Eigenschaften weisen Reiter zu Nicht-Reitern die größten Unterschiede auf. Weitere positive Charaktereigenschaften seien bei Reitern stärker, andere Eigenschaften schwächer ausgeprägt. So kommt die Studie zu dem Ergebnis, Reiter seien auch zielstrebiger, begeisterungsfähiger, wettbewerbsorientierter, belastbarer und strukturierter, verfügten über mehr Fantasie und seien zudem stabiler, weniger ängstlich und insbesondere weniger still und schüchtern als Nicht-Reiter.

Höhere Sozialkompetenz empfiehlt Reiter für Führungspositionen

Kein Wunder, dass Unternehmensberater Jochen Kienbaum reitenden Bewerbern Pluspunkte gibt, wenn es um eine Einstellungsempfehlung geht, weil „ soziale Kompetenzen eines Bewerbers nach unserer Erfahrung mindestens die Hälfte am Gesamtbild der Kompetenzen ausmachen“. Zwar gehe es bei einer Einstellung immer um die Gesamtqualifikation des Bewerbers, doch hinsichtlich Sozialkompetenz könne er durchaus „Empfehlungen für ambitionierte Reiter und Reiterinnen aussprechen“, wenn es um Führungskräfte und Spezialisten geht. Denn er ist „überzeugt davon: Pferde sind geniale Lehrer“. Mit ihrer „unnachahmlichen Art und ihrer Geduld trainieren sie unsere Klarheit, unser Timing, unsere mentale Stärke, unsere Körpersprache, unsere Körperspannung, unsere Selbsterkenntnis und unser Verantwortungsbewusstsein“, schwärmt Kienbaum, weshalb sie „große Bausteine der sozialen Kompetenz für ein erfolgreiches Miteinander und beruflichen Erfolg“ seien. Für diese Erkenntnis brauchte der Gummersbacher Unternehmensberater keine Studie. Den Zugang zu Pferden und der Dressurreiterei fand er über Frau und Tochter. „In Florines Zeit bei den Ponys, den Junioren und den Jungen Reitern gewann ich Einblicke in die professionelle Arbeit mit jungen Menschen und ihren Pferden“, erzählt er, „da es hier um ambitionierten Turniersport ging, war der Lernwert meiner Tochter hoch und vielgestaltig“. Gestärkt werden seiner Beobachtung nach die Fähigkeiten zu planen, zu organisieren und zu improvisieren. Außerdem lerne der Reiter viel über sich, über Stärken und Schwächen – wie er Stärken ausbauen und Schwächen klein halten kann. Gleichzeitig lerne er auch viel über und von Pferden, die gleichwertige Partner in diesem Teamsport sind.

Pflege und Training gleichermaßen wichtig

Für beruflichen Erfolg komme es zum einen auf Fach- und Methodenkompetenzen und zum anderen auf sozial-kommunikative Kompetenzen an. Fach- und Methodenkompetenzen ergäben sich in der Regel aus Lerneffekten im Studium und im Beruf. Die sozialen-kommunikativen Kompetenzen können genetisch vorhanden sein, natürlich aber seien sie ausbaufähig und ließen sich trainieren. „Dafür bringt der Umgang mit dem Pferd sehr hohe Lern- und Qualitätseffekte“, ist Kienbaum überzeugt. Dabei müsse es nicht unbedingt um Turniersport gehen, genauso oder noch wichtiger sei der Umgang mit dem Pferd, denn die Interaktion zwischen Mensch und Tier finde täglich bei Pflege und Training, nicht nur beim Sport statt. Ein eigenes Pferd schult nach seiner Ansicht am intensivsten, doch auch das Reiten in der Reitschule könne gerade im Kindesalter wertvolle Impulse für die weitere schulische und berufliche Entwicklung vermitteln. Wer früh mit dem Reiten beginne, gewinne automatisch soziale Kompetenzen und könne später im Berufsleben davon profitieren, weil diese sensiblen Fähigkeiten schon angelegt und trainiert seien.

„Der enge Kontakt mit dem Tier erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde“, sagt Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN, „diese Fähigkeiten kommen Reitern im Umgang mit anderen Menschen zugute“. Die Ergebnisse der Studie seien besonders für Eltern interessant, die sich Gedanken um eine sinnvolle Sportart für ihre Kinder machen. Im Pferd fänden die Kinder nicht nur einen Freund, dem sie ihre Sorgen und Nöte erzählen können, sondern lernten vom ihm „fürs Leben“.

Die Studie

An der Studie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nahmen über ein Online-Tool 411 Reiter im Alter von 14 bis 65 Jahren, davon 91 Prozent weiblich und neun Prozent männlich, teil. Für jeden reitenden Teilnehmer wurde ein statistischer Zwilling gesucht, am Ende befragten die Forscher parallel 402 Nicht-Reiter, die in Geschlechterverteilung, Alter und Einkommen der Gruppe der Reiter entsprachen. Neben der bewussten Selbsteinschätzung wandte Studienleiter Dipl. Psychologe Johannes Schneider von der decode Marketingberatung (Hamburg) entsprechend wissenschaftlichem Standard sogenannte implizite Verfahren an, um an Inhalte zu gelangen, die eher unbewusst sind. Hier wurden die Unterschiede zwischen Reitern und Nicht-Reitern deutlich, während sich in der Befragung beide Gruppen nur unwesentlich unterschieden. Mit eingeflossen in die Studie sind Ergebnisse von sechs Gruppendiskussionen mit Reitern und Eltern von reitenden Kindern, die die Kölner wirtschaftspsychologische Beratungsgesellschaft transform unter Leitung der Dipl. Psychologin Barbara Grohsgart geführt hatte.

Autorin: Dr. Andrea Hammerl

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