
Phytotherapie – Heilung mit der Kraft der Pflanzen
Teil 2 - Phytotherapie
Gegen fast alles ist ein Kraut gewachsen. Das Wissen rund um die Heilkraft der Pflanzen ist tausende Jahre alt und auch heute noch als Bestandteil verschiedenster medizinischer Therapierichtungen aktueller denn je.
Naturmedizin mit langer Tradition
Bereits im alten China und in Indien wusste man von der Kraft, die in den Kräutern steckt. Im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa erforschten vor allem Ordensleute einheimische Gewächse in den Gärten der Klöster. Hildegard von Bingen und Paracelsus zum Beispiel legten diesen reichen Erkenntnisschatz in zahlreichen schriftlichen Studien nieder. Daraus entwickelte sich nach und nach eine eigenständige Wissenschaft. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Phytotherapie von anderen alternativen Heilmethoden.
Pflanzenheilkunde und Schulmedizin
Die moderne Phytotherapie geht auf naturmedizinische Forschung und Erkenntnisse der überlieferten Volksheilkunde zurück. Von ihr ausgehend entwickelte die moderne Arzneimittelherstellung mit Sicht auf die einzelnen Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen ausgeklügelte chemisch-synthetische Produkte zum schnelleren, da besser dosierten und gezielteren Einsatz. Von Phytopharmaka hingegen ist bekannt, dass diese zwar langsamer, aber mit weniger Nebenwirkungen und breiterem Spektrum bei Mensch und Tier anschlagen. Auch die Homöopathie bedient sich unter anderem pflanzlicher Präparate, basiert aber auf einem besonderen Anwendungsverfahren.
Herstellung von Pflanzenarzneien
Anbau, Aufbereitungsart und Dosierung von Heilmittelpflanzen sind eine Wissenschaft für sich. Es gibt Gewächse wie zum Beispiel die Tollkirsche, die an sich giftig ist und nur in besonderer Darreichungsform heilkräftig wirkt. Früher war die Medikation deshalb oft mit Risiken verbunden, heute ist diese dank modernster Technik der Herstellung ausgereift und risikofrei. Je nachdem, ob das ganze Kraut oder etwa nur Teile von ihm zum Einsatz kommen, ob es in frischer oder getrockneter Form, als Pulver oder in wässrigen und alkoholischen Auszügen, als Destillat, Aufguss oder Auskochung verarbeitet wird - dessen Wirkung als Ganzes oder in Einzelbestandteilen kann mitunter recht unterschiedlich ausfallen.
Anwendung von Phytopharmaka
Die Heilpflanzenkunde ist weniger was für akute und schwerwiegende Krankheitsfälle, dafür umso effektiver bei einer oftmals rezeptfreien Selbstmedikation und Prävention. Gerade in der Schulmedizin kommt sie bei Erkältungen, Magen-Darmproblemen oder Herz- Kreislaufstörungen oft zusätzlich zur chemisch-synthetischen Medikation zum Einsatz, verabreicht in Form von Tropfen, über Dragees bis hin zu Salben oder Tees. Ob Anbau, Verarbeitung oder Dosierung betrachtet – Pflanzenheilmittel sind heutzutage in der Regel standardisiert und unterliegen den Richtlinien des Arzneimittelgesetzes. Im Gegensatz zu homöopathischen Präparaten werden diese in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft und unter Angabe einer genauen Indikation auf dem Arzneimittelmarkt zugelassen.
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