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Geschrieben: 05. September, 2016 in Krankheiten von A-Z
 
 

Plattfuß im Schuh – Vom Sinn orthopädischer Einlagen

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Viele Menschen, die meinen, mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen, wanken in Wahrheit auf Knick-, Spreiz- und Senkfüßen durchs Leben. Der Plattfuß, wie er im Volksmund genannt wird, ist weit verbreitet. Der Diagnose folgt das Rezept quasi auf den Fuße: Einlagen vom Sanitätshaus. Dort wird der Fuß durch mehr oder weniger moderne Methoden vermessen und eine passgenaue Einlage angefertigt, die ständig zu tragen ist. Welchen Nutzen haben solche Einlagen?

Normale Füße oder Plattfuß? Fotoquelle: 123RF

Plattfüße sind weit verbreitet. Nur wissen das die wenigsten. Selbst viele Betroffene erfahren erst vom Orthopäden, dass sie im Grunde körperlich behindert sind. Ob sie Beschwerden haben, ist dabei erst einmal egal, denn Plattfüße wirken sich laut Expertenmeinung vor allem auf lange Sicht auf die Körperhaltung aus. Trotzdem laufen viele Menschen von Kindesbeinen an und ihr ganzes Leben auf Plattfüßen, sie joggen, spielen Fußball, alles, ohne Probleme zu haben. Die Erfüllung der Fußform- und Stellungsnorm ist also keineswegs Voraussetzung für eine beschwerdefreie Fußarbeit.

Oft sind Einlagen unnötig

Diesem Umstand trägt auch Hans Henning Wetz, der Leiter der Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation in Münster, Rechnung. „Es gibt eine klare Regel: keine Beschwerden – keine Einlagen“, so Dr. Wetz. Aber selbst bei Beschwerden steht eine gründliche Diagnostik an erster Stelle. „Einlagen helfen, wenn man die Ursache der Schmerzen erkannt hat. Das kann man aber nur nach einer sehr gründlichen Diagnose.“ Eine solch gründliche Ursachenforschung ist laut Dr. Wetz aber keineswegs selbstverständlich: „Die meisten Ärzte zücken schnell ein Rezept, und dann nützen die Einlagen oft nichts.“

Bodybuilding für die Füße

Die Fußform wird zuallererst von den Fußmuskeln bestimmt. Sie sorgen für die Wölbung des Fußes und fangen einen Großteil der mechanischen Belastung ab. Experten zweifeln daher daran, dass eine relativ starre Unterlage wie eine orthopädische Einlage den Füßen gut tut. Zwar würde durch die Einlage das Fußgewölbe gestützt, andererseits würden die Muskeln so unnötig entlastet, wodurch es erst recht zu einer Fehlbildung kommen könne, sobald die Einlage nicht mehr benutzt wird. In vielen Fällen seien eher Fußgymnastik, Fußreflexzonenmassage oder manuelle Therapie angebracht, um Beschwerden zu lindern.

Einlagen schon von Kindesbeinen an?

Gerade bei Kindern müsse man sehr differenziert entscheiden, ob eine Einlage wirklich sinnvoll sei. Denn diese hätten in jungen Jahren relativ häufig Plattfüße, deren Wölbung sich erst zwischen dem sechsten und dem zehnten Lebensjahr ausbildet. Eine Studie der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien ergab, dass bei 54 % der untersuchten dreijährigen Kinder ein Knick-Senkfuß auftrat. Bei den Sechsjährigen waren es nur noch 26 %. Dabei trug jedes zehnte Kind bereits Einlagen. Laut Dr. Pfeiffer unnötig und bisweilen sogar schädlich: „Kinderfüße entwickeln sich in diesem Alter erst, und das passiert mit oder ohne Einlage.“

Für eine neue Freifußkultur

Eine sehr preiswerte Methode, den Fuß zu stärken, ist das Barfußlaufen. Es herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass Barfußlaufen die Stabilität des Fußgewölbes stärkt. Als Kind läuft man ja noch relativ häufig Barfuß herum, sowohl drinnen wie draußen. Im Alter wird das Barfußlaufen dagegen zur Seltenheit. Stattdessen gewöhnen sich unsere Füße an die ständige Stütze in Form des Schuhs und der Sohle. Auf Socken durch das Büro? Eher nicht. Dabei wäre das vielleicht die Lösung. Wer weiß, vielleicht kommt nach dem verordneten Power Nap ja demnächst der verpflichtende Barefoot Walk? Gesund wäre es wohl.

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